08:47 21 November 2017
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    Washington setzt neue Prioritäten und zieht sich aus Zentralasien zurück

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    Washingtons Vorwürfe gegen Teheran, seine Agenten hätten ein Attentat auf den saudi-arabischen Botschafter in den USA vorbereitet, sind ein Thema für den UN-Sicherheitsrat.

    Washingtons Vorwürfe gegen Teheran, seine Agenten hätten ein Attentat auf den saudi-arabischen Botschafter in den USA vorbereitet, sind ein Thema für den UN-Sicherheitsrat.

    Wann die entsprechende Debatte stattfindet, steht noch nicht fest. Aber der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat bereits Protestbriefe sowohl von Washington als auch von Riad und Teheran erhalten.

    Aus Iran kommen widerspruchsvolle Nachrichten. Mal behauptet der Außenminister Ali Akbar Salehi, die Geschichte um die Mordvorbereitung sollte untersucht werden, mal sagt Präsident Mahmud Ahmadinedschad, da gebe es nichts zu ermitteln, denn „die USA werfen Iran immer wieder etwas Neues vor.“

    Es sieht nicht nach neuem Krieg aus

    Washingtons jüngste Aussagen gegen Iran erinnern an die Situation im Frühjahr 2003. Damals warf Präsident George W. Bush dem irakischen Diktator Saddam Hussein zahlreiche Verbrechen gegen die Menschheit vor. Unter anderem wurde das Thema Massenvernichtungswaffen im Irak aufgeworfen.

    Was dann passierte, ist allgemein bekannt. Im März 2003 begann die US-Invasion gegen den Irak. Im Land wurden zwar keine Spuren von Massenvernichtungswaffen gefunden, aber das Ziel (Machtwechsel in Bagdad) hatten die Amerikaner erreicht. Auch jetzt entwickelt sich die Situation ähnlich: Vorwürfe, Aufrufe zu internationalen Sanktionen. Was kommt weiter?

    Die jüngste Debatte im US-Kongress erinnert ebenfalls an die frühen 2000er Jahre. Der Republikaner Peter King nennt das geplante Attentat auf einen Diplomaten in den USA eine „kriegerische Handlung“, und sein demokratischer Kollege Carl Levin muss zustimmen. Die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ileana Ros-Lehtinen, wirft dem Weißen Haus ein zu mildes Verhalten gegenüber dem iranischen Regime vor, worauf Obamas Verwaltung antwortet, solch scharfe Sanktionen gegen Teheran, die auf Initiative Washingtons zur Diskussion stehen, habe es noch nie zuvor gegeben.

    Wenn man die Sache aber genau betrachtet, dann muss man feststellen, dass die Situation doch anders als 2003 ist.

    So ist Iran seit acht Jahren von den US-amerikanischen Kräften nahezu umkreist, die südlich (im Persischen Golf), westlich (im Irak) und östlich (in Afghanistan) stationiert sind. Damit müsste Washington einen neuen Einsatz (falls es dazu kommen sollte) nicht bei Null beginnen. Aber schon nach dem 11. Oktober (damals wurde die „iranische Verschwörung“ enthüllt) sind von zwei iranischen Grenzen interessante Nachrichten gekommen.

    Erstens schrieb die Zeitung "Washington Post" unlängst, dass die USA doch bis zum Jahresende die meisten Kräfte aus dem Irak abziehen (derzeit stehen dort etwa 40 000 Soldaten). Vor kurzem versuchte Washington, die befreundeten irakischen Behörden zu überreden, wenigstens den US-Instrukteuren den weiteren Aufenthalt im Land zu genehmigen. Aber es kam die Frage auf, ob die Amerikaner von der irakischen Justiz eventuell verurteilt werden könnten. Teheran verlangte das, denn früher hatten US-Soldaten im Irak Kriegsgefangene gefoltert. Die Amerikaner konnten das allerdings unmöglich akzeptieren.

    Was Afghanistan angeht, so sollen die US-Truppen vom Hindukusch bis 2014 abgezogen werden. Laut einem anderen Bericht der "Washington Post" werden die US-Kräfte immer öfter vom pakistanischen Territorium beschossen. Die Zeitung führte das auf die Unfähigkeit Islamabads zur Bekämpfung der Taliban zurück. Unter solchen Bedingungen wäre ein Krieg problematisch für Amerika.

    Das bedeutet also, dass auch in Afghanistan bald keine US-Soldaten mehr sein werden. Dann kann man in Teheran erleichtert aufatmen.

    Washingtons Fernost-Trick

    Und nun lassen Sie uns die gesamte Außenpolitik des Weißen Hauses genauer betrachten. Besonders markant war in diesem Sinne der jüngste Artikel der US-Außenministerin Hillary Clinton in der Fachzeitschrift „Foreign Policy“, in dem sie einräumte, dass „die Zukunft der Weltpolitik in Ostasien und nicht in Afghanistan oder im Irak bestimmt werden wird.“

    Ferner stellte die Chefdiplomatin fest, dass die USA in den vergangenen zehn Jahren gewaltige Mittel in Zentralasien gesteckt haben und dass sie in den nächsten zehn Jahren „klüger bei der Kräfteverteilung sein werden“ und ihre Prioritäten in den Fernen Osten verlegen sollten.

    Damit wird allmählich klar, welcher Platz der iranischen Politik und der jüngsten Affäre um das Attentat in der neuen Außenpolitik Washingtons gehört.

    Das Weiße Haus sagt damit so etwas wie: „Nicht wir Demokraten haben diesen hoffnungslosen Krieg im „Großen Nahen Osten“ begonnen, von dem Irak nur profitiert hat. Mittlerweile haben die USA einen globalen Konkurrenten in Ostasien bekommen, und zwar China. Wir werden uns mit China und dem Fernen Osten befassen. Und diese Berge, wo der Krieg tobt, könnt Ihr ruhig für Euch behalten…“ Gemeint sind dabei unter anderem Russland und seine Nachbarländer, die an Afghanistan grenzen.

    Und was den Iran angeht, so darf er sich gerne mit Saudi-Arabien auseinandersetzen. Da Teheran und Riad seit Jahrzehnten alles andere als Freunde sind, dürften ihre Auseinandersetzungen ziemlich lange dauern. Umso besser wäre das für Washington.


    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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