16:07 23 November 2017
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    Tauschdeal um Shalit bedroht Hunderte Israelis

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    Gilad Shalit wieder frei (28)
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    Die Freilassung des gefangenen israelischen Soldaten Gilad Shalit steht seit über einer Woche weltweit im Mittelpunkt der Berichterstattung.

    Die Freilassung des gefangenen israelischen Soldaten Gilad Shalit steht seit über einer Woche weltweit im Mittelpunkt der Berichterstattung.

    Im Zuge des Tauschdeals zwischen den israelischen Behörden und der islamistischen Bewegung Hamas hat Israel beschlossen, über Tausend palästinensische Gefangene freizulassen, viele von ihnen sind zur lebenslangen Haftstrafe wegen Terror und Ermordungen verurteilt. Diese Entscheidung wird in Israel sehr zwiespältig wahrgenommen.

    Nach Angaben des israelischen Instituts für soziologische Studien „Dahaf“, unterstützen 79 Prozent der Israelis den Tauschdeal um Shalit. Dennoch sind israelische Medien und Blogs voll von zornigen Äußerungen. Gegen den Tauschdeal waren vor allem die Verwandten der Opfer der freigelassenen palästinensischen Gefangenen. Israels Oberstes Gericht hat mehrere Klagen der Familien behandelt, die gefordert haben, die Mörder hinter Gittern zu lassen.

    Sowohl die Gegner als auch die Anhänger des Tauschdeals befürchten, dass der Austausch zu neuen Entführungen von Israelis führen kann.

    Gilad Shalit wurde von palästinensischen Extremisten im Juni 2006 gefangen genommen. Die Islamisten forderten, über Tausend palästinensische Gefangene freizulassen, darunter einige Rädelsführer, die zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, sowie Frauen und Kinder. Am 11. Oktober hat Israel mit der Freilassung von 1027 Palästinensern begonnen.

    Hunderte Israelis bedroht

    Die möglichen Nachteile dieses Austauschs liegen auf der Hand. Die Islamisten haben wohl verstanden, welche Zugeständnisse Israel für die Rettung eines Soldaten machen kann. Zudem können die befreiten Palästinenser die Terrortätigkeit wieder aufnehmen.

    Angesichts dieser Risiken haben die israelischen Behörden lange keine Entscheidung in Bezug auf den Austausch getroffen. Yuwal Diskin, der ehemalige Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet hat mehrmals betont, dass die Befreiung von so vielen Verbrechern die Bedrohung der nationalen Sicherheit bedeutet. Laut Meir Dagan, Direktor des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, wird dieser Deal zum Sieg der Oppositionellen in der arabischen Welt führen.

    Diese Meinung teilen viele Israelis. Bekannte israelische Blogger befürchten, dass die freigelassenen Terroristen weiterhin Israelis töten werden. „Ich will mich vor allem von Dutzenden Menschen verabschieden, die anscheinend bald sterben werden. Sie sind noch unter uns, sie lachen, planen ihre Zukunft. Doch die Regierung hat vor einer Woche ihr Todesurteil gefällt“, schreibt in seinem Blog Gabrielle Wolfson, Journalist der israelischen Nachrichtenagentur Cursor.

    Jewgeni Satanowski, Präsident des Nahost-Instituts, teilt ebenfalls diese Meinung. „Nach statistischen Angaben nehmen rund 70 Prozent der bei ähnlichen Tauschdeals freigelassenen Terroristen die Terrortätigkeit wieder auf und töten Menschen“, sagte Satanowski. „Deswegen bedeutet die Rückkehr von Shalit einen unvermeidlichen Tod von Hunderten Israelis“, sagte der Experte.

    „Die Befreiung der Terroristen vernichtet die Erfolge und Anstrengungen der Menschen, die sie festgenommen haben. Zudem verwandeln sich die Gerichtsprozesse und harte Urteile in eine Farce“, schrieb in seinem Blog der ehemalige Chef des israelischen Geheimdienstes Nativ, Yaakov Kedmi.

    Es besteht tatsächlich Grund zur Befürchtung. Wie eine Quelle der israelischen Zeitung „Haaretz“ aus der palästinensischen Administration am Montag betonte, sind neue Entführungen der israelischen Soldaten nur eine Frage der Zeit.

    Ungleicher Austausch

    Die Befreiung von mehr als Tausend palästinensischen Gefangenen bedeute für Israel eine Niederlage im Anti-Terror-Krieg, sagte Satanowski. Der Tauschdeal hänge nur mit politischen Ambitionen der israelischen Behörden zusammen, so der Experte.

    „Diese Leute schmieden ihre Karriere. Der jetzige Premier, der Präsident und der Verteidigungsminister mussten ihre Popularitätswerte erhöhen. Das wird aber nur für eine kurze Zeit der Fall sein - bis zu den nächsten Terroranschlägen“, sagte der Experte.

    Laut dem israelischen Journalisten Jakob Schauss hängt diese Entscheidung mit der Staatsideologie zusammen, wo jedes einzelne Menschenleben wertvoll ist. „Die Motive der Regierung von Netanjahu, die auf einen Deal mit der Hamas einging, sind klar. Israel hat auf das Menschenleben immer großen Wert gelegt. Das ist die Grundlage der nationalen Moral. Das Menschenleben ist wertvoller als alles Andere“, sagte der Journalist.

    Angesichts einer instabilen Situation im Nahen Osten musste die Entscheidung möglicht schnell getroffen werden. „Meines Erachtens haben die israelischen Behörden verstanden: Falls sie das jetzt nicht machen, kann es eine solche Chance nicht mehr geben“, sagte Schauss.

    Viele stellen sich die Frage, warum Israel Dutzende und vielleicht sogar Tausende Menschenleben aufs Spiel setzte, um einen einzigen Soldaten zu retten. „In einem normalen Staat riskieren Soldaten ihr Leben, um die Sicherheit von Menschen zu gewährleisten. Wir verwandeln uns jetzt in einen Staat, wo die zivilen Bürger ihr Leben für die Rettung eines Soldaten hergeben“, schreibt Gabrielle Wolfson in seinem Blog.

    Diese Befürchtungen sind begründet. In Israel hat es bereits solche Präzedenzfälle gegeben. Der so genannte Dschibril-Deal von 1985 kam besonders teuer zu stehen. Ahmad Dschibril, Chef der Volksfront zur Befreiung Palästinas, presste 1150 Palästinenser frei. Im Gegenzug gab er drei israelische Militärs heraus. Zwei Jahre später habe die erste Intifada begonnen, die von damals freigelassenen Extremisten geführt wurde, sagte Schauss. „60 Prozent der freigelassenen Gefangenen haben die Terrortätigkeit wieder aufgenommen“, betonte der Experte. Über Hundert Israelis sind von damals befreiten Islamisten getötet worden.

    Obwohl die israelischen Behörden versprechen, dass so etwas nie wieder geschieht, betonen die Sicherheitsdienste, dass sie auf jede Provokationen bereit seien.

     

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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