04:47 24 November 2017
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    Hintergrund: Geschichte Kurdistans

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    Die türkische Armee hat am Mittwoch im Norden von Irak die Luftlande-Operation gegen die Extremisten der separatistischen Arbeitspartei von Kurdistan (PKK) begonnen, die vor einigen Tagen die Einheiten in der Provinz Hakkari angegriffen hatten.

    Die türkische Armee hat am Mittwoch im Norden von Irak die Luftlande-Operation gegen die Extremisten der separatistischen Arbeitspartei von Kurdistan (PKK) begonnen, die vor einigen Tagen die Einheiten in der Provinz Hakkari angegriffen hatten.

    Kurdistan („das Land der Kurden“) umfasst die Gebiete im Südwesten Asiens, wo die Kurden eine absolute bzw. relative Mehrheit bilden. Die Bezeichnung hat keinen staatlich-politischen, sondern einen ethnografischen Hintergrund. Das kurdische Siedlungsgebiet verteilt sich auf die Staaten Türkei, Irak, Iran und Syrien.

    Die Grenzen Kurdistans lassen sich nicht eindeutig definieren. Es liegt mitten in der westasiatischen Region zwischen dem 34. und 40. Grad nördlicher Breite und dem 38. und 48. Grad östlicher Länge. Kurdistan erstreckt sich von Westen nach Osten über etwa 1000 Kilometer und von Norden nach Süden über 300 bis 500 Kilometer.

    Kurdistans Gesamtfläche liegt bei rund 450.000 Quadratkilometern: In der Türkei – mehr als 200.000 Quadratkilometer (Nord- und Westkurdistan), im Iran – mehr als 160.000 Quadratkilometer (Ostkurdistan), im Irak bis 75.000 Quadratkilometer (Südkurdistan), in Syrien – bis 15.000 Quadratkilometer (Südwestkurdistan).

    Die Zahl der Kurden lässt sich nicht genau bestimmen. Aus politischen Gründen werden die Angaben absichtlich verzerrt. Nach Einschätzungen gibt es in der Welt 35 bis 40 Millionen Kurden. Rund 20 Millionen Kurden leben in der Türkei, sechs bis acht Millionen im Irak, drei bis fünf Millionen im Iran, rund eine Million in Syrien, jeweils 0,3 bis 0,5 Millionen in Transkaukasien und in den zentralasiatischen Republiken der ehemaligen Sowjetunion, rund eine Million in den westeuropäischen Ländern.

    Die kurdische Sprache gehört zur westlichen Gruppe iranischer Sprachen und hat zahlreiche Dialekte und Mundarten. Die meisten Kurden sind sunnitische Muslime.

    Die Kurden waren nie unabhängig gewesen. Vom 17. Jh. bis zum Ersten Weltkrieg wurde Kurdistan zwischen dem Osmanischen Reich und dem Iran aufgeteilt. Nach dem Ersten Weltkrieg hat die Triple Entente erstmals die Frage nach der Autonomie gestellt. Nach der Niederlage des Osmanischen Reichs wurde den Kurden im Vertrag von Sevres 1920 das Recht auf Selbstbestimmung zugebilligt. Doch nach dem Sieg der  nationaldemokratischen Revolution unter Führung von Mustafa Kemal Atatürk in der Türkei 1923 sind die Pläne zur Schaffung eines unabhängigen kurdischen Staates gescheitert. Im Vertrag von Lausanne vom 24. Juli 1923, der die Grenzen zwischen dem Irak, Syrien und der Türkei festlegte, gab es kein einziges Wort über die Kurden.

    Nach dem Zerfall des Osmanischen Reichs wurden seine südlichen kurdischen Landesteile dem Irak zugeschlagen (mit England als Mandatmacht). Die südwestlichen Landesteile wurden Syrien hinzugefügt (französischer Einflussbereich).

    Das kurdische Siedlungsgebiet hat sich also auf vier Staaten verteilt - Türkei, Irak, Iran und Syrien.

    In diesen Ländern sind die Kurden eine unterdrückte Minderheit. In allen kurdischen Siedlungsgebieten wurde die Wirtschaftsentwicklung durch einheimische Behörden behindert. Zudem wurden strenge Verbote gegen politische Tätigkeit und Entwicklung der kurdischen Kultur verhängt.

    Die Kurden reagierten mit Protestaktionen auf die Politik der türkischen, iranischen, irakischen und syrischen Behörden. Die kurdische Frage ist in diesen Ländern eine der kompliziertesten innenpolitischen Fragen.

    Die Aufteilung Kurdistans auf verschiedene Länder brachte spezifische Ländermerkmale in den verschiedenen Teilen Kurdistans mit sich.

    Das Schach-Regime im Iran basierte auf der Idee eines einheitlichen iranischen Volkes. Demnach wurden die Kurden als Teil des iranischen Volkes bezeichnet. Dabei wurden jedoch ihre einzelnen ethnischen Besonderheiten anerkannt. Nach dem Sieg der islamischen Revolution wurde die Idee einer einheitlichen iranischen Nation durch die Idee einer einheitlichen islamischen iranischen Nation abgelöst. Die Kurden werden weiter als Teil der einheitlichen iranischen Nation bezeichnet. Sie dürfen im Alltagsleben ihre eigene Sprache sprechen und eine Zeitung auf kurdischer Sprache herausgeben.

    Nach dem Sturz der Monarchie im Irak hat es Fortschritte in Bezug auf die Autonomie der Kurden gegeben. 1970 wurde ein Abkommen über die Gründung einer autonomen Region Kurdistan geschlossen, deren Grenzen im Laufe von vier Jahren auf Grundlage der Volkszählung festgelegt werden mussten.

    Unter Saddam Hussein wurde die kurdische Autonomie mal entzogen mal zurückgegeben. Nach der US-Militäroperation 2003 wurden die im Irak liegenden nördlichen Gebiete Kurdistans als eine für den Einzug der irakischen Truppen verbotene Zone erklärt.

    Laut der neuen irakischen Verfassung hat das irakische Kurdistan den Status einer breiten Autonomie und hat ein eigenes Parlament, eine eigene Regierung und eigene bewaffnete Einheiten.

    Die syrischen Behörden weigern sich, die Kurden als eine selbstständige ethnische Gruppe anzuerkennen und ihnen den Status einer nationalen Minderheit zu verleihen.

    Nach Beginn der Massenaufstände gegen Präsident Baschar al-Assad in Syrien haben die Kurden die Protestwelle unterstützt.

    In der Türkei ist das kurdische Problem besonders akut. Die separatistische Arbeitspartei von Kurdistan kämpft seit 1984 um die Autonomie der Kurden. Dieser Konflikt hat bereits mehr als 40.000 Menschen das Leben gekostet. Die Arbeitspartei von Kurdistan wurde von der UNO und der EU als Terrororganisation eingestuft.

    Die bewaffneten Formationen der im Untergrund handelnden Arbeitspartei von Kurdistan wurden der Volksarmee zur Befreiung Kurdistans zugeschlagen. Nach Angaben des türkischen Generalstabs zählt Arbeitspartei von Kurdistan über 5000 Extremisten. Der größte Teil der bewaffneten Formationen ist im Norden des Iraks konzentriert.

    Die vermutlichen Stationierungsgebiete der bewaffneten Formationen der Arbeitspartei von Kurdistan werden regelmäßig von türkischen Luftstreitkräften angegriffen. Jedes Jahr finden im Norden Iraks ein oder zwei großangelegte Operationen gegen bewaffnete Einheiten statt.

    Die türkische Regierung verwirklicht das Programm zur Gewährleistung  der kulturellen Rechte und Freiheiten (darunter die Bildung in der kurdischen Sprache). Dieser Prozess wird von der EU, wohin Ankara vehement strebt, als sehr wichtig bezeichnet.