14:09 23 November 2017
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    Zwei Monate nach Absturz: Russland startet wieder Raumfrachter zur ISS

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    Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hat allen Grund zur Freude. Der erste Start des Progress-Raumfrachters nach dem Unfall vom 24. August verlief erfolgreich.

    Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hat allen Grund zur Freude. Der erste Start des Progress-Raumfrachters nach dem Unfall vom 24. August verlief erfolgreich.

    Die Trägerrakete Sojus-U mit dem Transportraumschiff Progress M-13M ist am Sonntag um 14:11 Uhr Moskauer Zeit vom Weltraumbahnhof Baikonur zur ISS gestartet. Einem Roskosmos-Sprecher zufolge soll der Raumfrachter am Mittwoch um 15:40 Moskauer Zeit die berechnete Umlaufbahn erreichen und die ISS versorgen.

    Russlands Raumfahrtspezialisten atmeten erleichtert auf. Im vergangenen Jahr musste Russlands Raumfahrtbranche viele Hiobsbotschaften verkraften.

    Kehrseite der Progress

    Der Fehlstart einer Sojus-U-Rakete mit der Progress M-12M am 24. August war wohl der schmerzhafteste Moment für die russische Raumfahrt in diesem Jahr.

    Bis vor kurzem war das Sojus-Progress-System das Vorbild in Sachen Unfallsicherheit und ein international geachtetes Aushängeschild der modernen Raumfahrt gewesen. Die Panne beim Start der Progress M-12M hat das seit Jahrzehnten gute Image der russischen Raumfahrt ramponiert.

    Die ersten Ergebnisse der Untersuchungskommission werden ein schlechtes Licht auf die Raumfahrtbranche. Sie unterschieden sich nicht von den Untersuchungsergebnissen nach anderen Fehlstarts in diesem Jahr. Im Dezember waren drei GLONASS-Satelliten abgestürzt. Im Februar erreichte der Satellit GEO-IK 2  eine falsche Umlaufbahn. Eine ähnliche Panne ereignete  sich am 18. August mit dem Nachrichtensatelliten Express AM-4. Am 24. August stürzte die Progress M-12M im dünnbesiedelten Altai-Gebirge ab. Alle Pannen hingen mit dem Faktor Mensch zusammen: Fehler und Versehen der Hersteller und Techniker.

    „Beide Vorfälle geschahen wegen der Fahrlässigkeit von Mitarbeitern der Raumfahrtunternehmen bei den Prüfungsarbeiten. Zudem hat es seitens Roskosmos keine erforderlichen Kontrollmaßnahmen gegeben“, teilte die Generalstaatsanwalt vor kurzem nach den Pannen im August mit.

    Die Raumfahrt ist ein Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik. Russlands Raumfahrt fehlt  seit den 1990er Jahren der Nachwuchs, personelle Engpässe sind die Folge.

    Die in Sowjetzeiten ausgebildeten Spezialisten (die mit jedem weiteren Jahr immer weniger werden) arbeiten gemeinsam mit dem Nachwuchs, der noch nicht genug praktische Erfahrung hat. Geldspritzen können dabei nicht als ein universelles Heilungsmittel gelten.

    Roskosmos beseitigt Mängel

    Nach der Doppelpanne vom August kündigte die neue Roskosmos-Spitze unter Leitung von Wladimir Popowkin neue Maßnahmen an, mit der die Systemkrise bei der Qualitätskontrolle bekämpft werden soll.

    Es soll ständige Qualitätskontrollen bei den Erzeugnissen und Bestandteilen geben. Entsprechende Verfahren und Verantwortung sollen zentralisiert werden. Das Raumfahrtzentrum für Wartung der Bodeninfrastruktur soll ein einheitlicher Betreiber werden und die Verantwortung für die Starts der Trägerraketen völlig übernehmen.

    Die persönliche Verantwortung der Schuldigen soll verschärft werden. „Wir werden die persönliche Verantwortung für beide Situationen noch klären. Ich kann aber bereits sagen, dass die Schuldigen mit personellen Konsequenzen rechnen muss. Sie werden bei uns nicht arbeiten“, sagte der stellvertretende Roskosmos-Chef, Vitali Dawydow.

    Die Zentralisierung der Qualitätskontrolle und die Verschärfung der Personalpolitik werden ergänzt durch die „totale Überwachung“. Roskosmos will Montagearbeiten an den Raketen und Weltraumapparate mit Videokameras kontrollieren.

    Dass Arbeitsplätze mit Kameras überwacht werden, ist nicht neu. Der Chef des Moskauer Instituts für Wärmetechnik, Juri Solomonow, brachte nach den zahlreichen Fehlstarts der Bulawa-Raketen  Kameras an den Arbeitsplätzen der Montagearbeiter und Installateure an. Egal ob diese Maßnahmen die Arbeitsdisziplin stärken, die Bulawa-Rakete besteht zumindest jetzt ihre Flugtests

    Mit der Kameraüberwachung können nicht nur die Verantwortlichen einer Havarie ausgemacht werden, sondern hoffentlich auch Mängel beim Bau der  Raketen und Weltraumapparate entdeckt und behoben werden.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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