03:41 15 November 2018
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    Schmiergeld-Ranking: Russische Firmen sind weltweit spitze

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    Wenn es um das Geschäft geht, kennen russische Unternehmer keine Skrupel bei Schmiergeldzahlungen an ausländische Beamte.

    Wenn es um das Geschäft geht, kennen russische Unternehmer keine Skrupel bei Schmiergeldzahlungen an ausländische Beamte.

    Das geht aus einem Bericht von Transparency International hervor, der vergangene Woche Mittwoch veröffentlicht wurde. Für Experten ist diese Erkenntnis keine große Überraschung: Russische Geschäftsleute seien nun einmal daran gewohnt, Schmiergelder zu zahlen, und machen das auch im Ausland.

    Größte Schmiergeldzahler

    Das Schmiergeld-Ranking verdeutlicht, dass Unternehmen sich im Ausland die Gunst der dortigen Beamten kaufen müssen.

    Befragt wurden etwa 3000 Manager aus 28 Ländern. Je mehr Punkte ein Land im Ranking erhalten hat, desto weniger neigen seine Manager zu Schmiergeldzahlungen im Ausland. Die Höchstnote (zehn Punkte) wurde keinem Land vergeben.

    Besonders „clean“ sind die Schweiz und die Niederlande, die jeweils 8,8 Punkte erhalten haben. Etwas schlimmer sieht die Sache in Belgien, Deutschland und Japan aus. Das Schlusslicht bilden Russland mit 6,1 Punkten und China 6,5 Punkten.

    „Die Situation in Russland und China gibt großen Anlass zur Sorge“, heißt es in dem Transparency-Bericht. „Russische und chinesische Unternehmen zahlen offenbar am meisten Schmiergelder. Es ist äußerst wichtig, dass Russland und China unverzüglich Maßnahmen zur Schmiergeldbekämpfung im Ausland ergreifen, denn beide Länder spielen eine immer wichtigere Rolle im internationalen Handels- und Investitionsbereich.“

    Ziemlich selten verhalten sich Firmen aus der Landwirtschaft und Leichtindustrie unfair. Besonders korrumpiert sind dagegen die Kommunal- und Bauwirtschaft sowie staatliche Projekte.

    „Die Platzierung der russischen Unternehmen kommt nicht überraschend“, stellte Elena Panfilowa, Chefin von Transparency International Russia, fest. „Man hätte auch nicht erwarten können, dass sie sauberer als die Staatsstrukturen wären.“

    Korruption und Tradition

    Es ist nicht das erste Mal, dass Russland der Spitzenreiter bei Schmiergeldzahlungen im Ausland ist. Schon 2008 stand es auf Platz eins in diesem umstrittenen „Wettbewerb“ gehört. Damals galten die belgischen und kanadischen Unternehmer als die ehrlichsten, während die Bauwirtschaft, Immobiliengeschäfte, die Öl- und Gasindustrie und der Bergbau die schmutzigsten Branchen waren.

    Viele andere Studien sprechen dafür, dass die Russen die Korruption für ein unvermeidliches Übel halten. Zahlreichen aufsehenerregenden Aufrufe des Kremls, der Korruption ein Ende zu bereiten, sind keine entschlossenen Taten gefolgt – die Situation wird nur immer schlimmer.

    So stempelte Transparency International Russland im vorigen Jahr zum korruptesten G20-Land ab. Dabei wurde nicht die Korruption als solche bewertet, sondern ihre Wahrnehmung unter Experten und Unternehmern. Binnen eines Jahres rutschte das Land vom 146. auf den 154. Platz unter 178 Ländern ab. Genauso schlimm war die Lage nur in Zentralafrika, Guinea-Bissau, Kambodscha, Kenia, Papua-Neuguinea und Tadschikistan.

    „Bestechungsexport“

    Die russischen Geschäftskreise greifen im Ausland zu denselben Methoden, die ihnen im Inland Erfolg bringen, stellen Experten fest.

    „Wie sich die russischen Unternehmer in ihrem Land verhalten, so tun sie es auch im Ausland“, sagte Nikolai Petrow vom Moskauer Carnegie-Center. „Damit fördern sie ihre Wettbewerbsfähigkeit“, stimmte Kyrill Kabanow vom Nationalen Anti-Korruptions-Komitee zu. 

    Ausländische Geschäftsleute haben oft Angst, in Russland Schmiergeld zu zahlen, finden Experten. „Aber nicht weil sie mehr Moral haben, sondern weil die Gesetze in ihren Ländern anders sind“, ergänzte Petrow. „In vielen Ländern sind Strafen für die Unternehmen vorgesehen, die im Ausland Schmiergelder zahlen.“

    In Westeuropa werden Unternehmer nicht nur für Bestechungsgelder bestraft, sondern für die Duldung von Korruption. So hat der schwedische Möbelgigant IKEA 2010 zwei Top-Manager in Osteuropa und Russland aus diesem Grund entlassen.

    Schattenwirtschaft fördert Korruption

    „Die Russen respektieren weder sich selbst noch andere Menschen. Wenn man so respektlos ist, dann will man seine Ziele um jeden Preis erreichen, egal welche Folgen seine Handlungen für den Markt, für ihn selbst und seine Familie haben sollten“, sagte der Vizepräsident von Geschäftliches Russland, Anton Danilow-Daniljan.

    Auch der große Anteil der Schattenwirtschaft und der Schwarzgelder erweitert die Bestechungsmöglichkeiten der Russen im Ausland, ergänzte Nikolai Petrow.

    „Für faire westliche Unternehmer ist es gar nicht leicht, eine große Summe zu finden, die an den Bilanzen vorbeimanövriert werden kann“, so Experte Petrow. „Die Summen, die die westlichen Geschäftsleute für die Bestechung in Russland verwenden müssten, müssen sie offiziell über Banken überweisen, was aber registriert wird.“

    Die Studienergebnisse von Transparency International rufen eigentlich viele Fragen nicht nur an die russische Unternehmenswelt, sondern auch an die westlichen Rechtsschutzorgane und Geheimdienste hervor“, sagte Kyrill Kabanow. „Wenn aber in den westlichen Ländern Korruptionsgelder auftauchen, so dass die dortige Wirtschaft milliardenschwere „Zuschüsse“ bekommt, vergessen die Ordnungshüter gerne, dass diese Gelder „schmutzig“ sind.“

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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