15:08 17 Februar 2019
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    China und USA: Zeichen stehen auf Konfrontationskurs

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    Das schnelle Wirtschaftswachstum der Volksrepublik, das bis zuletzt eher als Chance für die anderen wahrgenommen wurde, scheint der Weltgemeinschaft immer gefährlicher zu werden.

    In der Welt gibt es derzeit kein Land außer China, dessen Aktivitäten so viel Aufmerksamkeit und dessen Einfluss so viel Besorgnis hervorrufen.
    Das stellte der Politologe Fjodor Lukjanow in der jüngsten Ausgabe der Zeitung "Moskowskije Nowosti" fest.


    Das schnelle Wirtschaftswachstum der Volksrepublik, das bis zuletzt eher als Chance für die anderen wahrgenommen wurde, scheint der Weltgemeinschaft immer gefährlicher zu werden. Dabei handelt es sich nicht nur um die Erfolge Pekings, sondern eher um die ständigen Rückschläge für Europa und die USA. Als 2009 bzw. 2010 klar wurde, dass die Chinesen die Krise besser als andere überstehen, war die Besorgnis eher abstrakt. Jetzt aber fürchtet sich die Weltgemeinschaft vor den riesigen Finanzreserven Chinas, die ausreichen, um die finanziell angeschlagene europäische Wirtschaft großenteils auszukaufen.

    Die USA machen keinen Hehl daraus, dass der Ausbau der Abschreckungssysteme gegen China gerichtet ist, zumal Peking sein Vorgehen im Südchinesischen Meer verschärft hat. Pekings Aussage, das Meer sei vom nationalen Interesse, beunruhigte die Anrainerstaaten und signalisierte Washington, dass die Zeit für neue Aktivitäten in der Region gekommen ist. Die US-Marine, die als die schlagkräftigste weltweit gilt, beäugt misstrauisch jeden Versuch, ihre Handlungsfreiheit auf hoher See einzuschränken.

    US-Präsident Barack Obama undAußenministerin Hillary Clinton hatten immer wieder betont, wie wichtig der Asien-Pazifik-Raum sei, nicht zuletzt militärisch.

    Gleichzeitig bauen Amerikaner die diplomatischen Kontakte mit den Nachbarländern Chinas aus. Auffallend ist die schnelle Annäherung (unter anderem militärpolitisch) zwischen Washington und Vietnam, die vor 40 Jahren noch erbitterte Feinde waren. Auch mit Burma, das vor kurzem zu den Schurkenstaaten gehörte, haben sich die Amerikaner wieder befreundet. Um die Gunst des strategisch wichtigen Landes buhlen die USA, China und Indien.

    In der ASEAN lässt sich ein interessanter Trend beobachten: Mit der wachsenden, aber unterschwelligen Rivalität zwischen Peking und Washington könnte sie die einflussreiche Organisation nach dem geopolitischen Prinzip spalten. Küstenländer wie Vietnam, Singapur, Malaysia und die Philippinen sind an den USA als Schutzherr interessiert. Kontinentalländer wie Kambodscha, Laos, Thailand und Burma zieht es vor allem zu China.

    Eine besondere Rolle bei der Mobilisierung gegen die chinesische Gefahr spielt Indien. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern ist seit dem Grenzkrieg 1962 viele Jahre alles andere als gut. Aber erst vor ein paar Jahren räumte Neu-Delhi ein, dass die Globalisierung für beide Länder aus wirtschaftlicher Sicht nützlich sein könnte.

    Indien reagiert allerdings sehr nervös auf den Ausbau der Militär- und Marinekräfte Chinas. Zumal Peking der wichtigste Partner Pakistans ist, das die Zusammenarbeit mit den USA nicht mehr ausweiten will. Für Neu-Delhi ist das ein weiterer Grund, der „chinesischen Gefahr“ zu begegnen. Gleichzeitig will Indien, das eine eigene Vorstellung von seiner Rolle in der Weltpolitik hat, eine zu enge Allianz mit den USA vermeiden, die es endgültig zu einem Vorposten gegen China verwandeln würde.

    In letzter Zeit finden viele internationale Konferenzen über Chinas Expansion und die damit verbundenen Gefahren statt. Dabei wird nach der Antwort auf die Frage gesucht: Wird China gleichzeitig mit seinem Wachstum auch neue geopolitische Ansprüche hegen? Oder ist diese für die europäische Welt typische Strategie für Peking aus kulturellen und historischen Gründen fremd, was jedenfalls die Chinesen behaupten? Bei solchen Konferenzen werden viele Argumente für beide mögliche Antworten angeführt.

    In den kommenden Jahren wird diese Diskussion zweifelsohne noch heftiger. Die prinzipielle Antwort scheint aber schon klar zu sein. Egal was die Anhänger der Idee des friedlichen Chinas sagen und wie zurückhaltend sich Peking verhalten sollte, das weitere Erstarken der Volksrepublik wird automatisch die Positionen der Kräfte festigen, die an seiner Aufrichtigkeit zweifeln. Das bedeutet, dass die "Konfrontationslogik" künftig die Politik sowohl der regionalen Großmächte als auch der kleineren Länder bestimmen wird, die in dieser unklaren Situation nicht auf der Verliererseite stehen wollen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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