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    Weißrussland: U-Bahn-Attentäter zu Todesstrafe verurteilt

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    Explosion in der Minsker Metro (47)
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    Der Oberste Gerichtshof von Weißrussland hat die beiden Angeklagten (Dmitri Konowalow und Wladislaw Kowaljow) wegen des Bombenanschlags in der Minsker U-Bahn zum Tod durch Genickschuß verurteilt. Wegen des harten Urteils werden die Umstände des blutigen Anschlags wohl nicht endgültig geklärt werden können.

    Der Oberste Gerichtshof von Weißrussland hat die beiden Angeklagten (Dmitri Konowalow und Wladislaw Kowaljow) wegen des Bombenanschlags in der Minsker U-Bahn zum Tod durch Genickschuß  verurteilt. Wegen des harten Urteils werden die Umstände des blutigen Anschlags wohl nicht endgültig geklärt werden können.

    Wenn beide Verurteilte erschossen werden (möglich, weil Präsident Alexander Lukaschenko zu Begnadigungen nicht geneigt ist), wird niemand mehr die Fragen nach den Hintergründen des Anschlags beantworten können, bei dem 15 Menschen ums Leben kamen und mehr als 2000 verletzt wurden.

    Es gibt sehr viele Unklarheiten bei den Motiven der Verurteilten und deren Fähigkeit, das ihnen zur Last gelegte Verbrechen auszuüben.

    Was wollten junge Terroristen erreichen? Der Vorwurf der Anklage – “Destabilisierung der politischen Situation in Weißrussland” ist sehr schwammig. Destabilisierung? Für was? Um an die Macht zu kommen und nationalistische, linke oder extremistische Ideen zu verwirklichen? Es gibt keine Antwort auf diese Frage.

    „Das Gehirn funktioniert nicht richtig“ – ist die einzige Erklärung vom weißrussischen Generalstaatsanwalt Grigori Wassilewitsch zu der blutigen Tat. Wassilewitsch hatte bereits im Mai (und das Oberste Gerichtshof am Mittwoch) betont, dass Konowalow dem medizinischen Gutachten zufolge bei der Vorbereitung und Ausübung des U-Bahn-Anschlags weder geistesgestört noch schwachsinnig ist oder an anderen psychischen Erkrankungen litt.

    Mit einer Todesstrafe, die im heutigen Europa als absolut inhumane Bestrafung  gilt, könnten die politischen Probleme von Präsident Alexander Lukanschenko gelöst werden.

    „In den TV-Reportagen dominierten zuletzt Stimmen der Anklage. Auf den Straßen wurde das Mikrofon vor allem nur denjenigen gegeben, die die härteste Strafe für die Angeklagten forderten“, sagte der weißrussische Politologe Alexander Klaskowski.

    In Weißrussland erinnern sich alle sehr gut daran, dass der Anschlag vom 11. April das Image des sichersten Landes der ehemaligen Sowjetunion endgültig zerstörte, das von Lukaschenko stets gepflegt wurde. Dieses Image war bereits zweimal beschädigt worden – bei den Anschlägen 2005 in Witebsk und 2008 in Minsk. Nach der Bombenexplosion in der Hauptstadt, bei der 59 Menschen verletzt wurden, begann in Weißrussland ein mehrmonatiger Fahndungsmarathon. Lukaschenko schwor zwar, die Schuldigen zu finden, hatte jedoch keinen Erfolg.

    Der Schuldige wurde endlich gefunden. Nachdem Konowalow als Drahtzieher aller Anschlägen ausgemacht worden war, schüttelte Lukaschenko all seine Problemen ab. Es stellt sich aber heraus, dass der Attentäter beim ersten Anschlag noch keine 20 Jahre alt gewesen war.

    „Diese Jungen mit ihrem Bildungsniveau hätten kaum so eine Bombe in einem ein Quadratmeter großen Keller bauen können“, sagte die weißrussische Menschenrechtlerin Ljudmila Grjasnowa, ehemalige Abgeordnete des Obersten Rats Weißrusslands.

    Kowaljows Mutter bestreitet die Schuld ihres Sohnes und will Berufung einlegen.

    Wie die Erfahrung zeigt, neigt Lukaschenko nicht dazu, Verurteilte zu begnadigen. Lukaschenko kam erst einmal einer Bitte um Begnadigung nach: 1996 wurde eine Todesstrafe durch 20 Jahre Haft ersetzt. Offiziell wurde nicht mitgeteilt, wer damals begnadigt worden war.

    Laut Klaskowski hat Lukaschenko selbst bei seinem Flirtversuchen mit dem Westen zwischen 2008-2010 die Forderung von Straßburg abgewiesen, die zur Todesstrafe Verurteilten zu begnadigen. 2010 wurden sie erschossen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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