13:03 22 Juli 2018
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    Massenhafte Herabstufung: S&P versucht sich als Weltpolitiker

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    Weltweite Finanzkrise (425)
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    Standard & Poor's (S&P) will wieder in der Politik mitbestimmen: Nach der Herabstufung der US-Bonität im Sommer, die eine Wende auf dem Finanzmarkt herbeigeführt hat, droht die internationale Ratingagentur nun 15 EU-Staaten mit der Senkung der Bonität, sollten diese keine greifbaren Maßnahmen gegen die Schuldenkrise treffen.

    Standard & Poor's (S&P) will wieder in der Politik mitbestimmen: Nach der Herabstufung der US-Bonität im Sommer, die eine Wende auf dem Finanzmarkt herbeigeführt hat, droht die internationale Ratingagentur nun 15 EU-Staaten mit der Senkung der Bonität, sollten diese keine greifbaren Maßnahmen gegen die Schuldenkrise treffen.

    Die Analysten sind uneinig über die Folgen des S&P-Vorstoßes. Während die einen glauben, dass die Ratingagenturen den Politikern nichts zu befehlen hätten, sind die anderen davon überzeugt, dass die S&P an die europäischen Regierungen, die mit dem Schuldenproblem bereits seit zwei Jahren nicht fertig werden können, ein starkes Signal gesendet habe 

    Massenhafte Herabstufung droht

    In der Nacht zum Dienstag hat die S&P 15 der 17 Eurostaaten eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit in Aussicht gestellt. Nun droht Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Österreich, Finnland und Luxemburg der Verlust der Topbonität ("ААА").

    Nur für Griechenland und Zypern gibt es vorerst keine Konsequenzen: Griechenland ist schon auf Ramschstatus abgerutscht, während die Bonitätsbewertung für Zypern im Juli auf BBB gesenkt und der Ausblick auf negativ korrigiert wurde.

    Die Agentur versprach, von der massenhaften Herabstufung abzusehen, wenn die EU-Spitzen bei ihrem Gipfel am 8. und 9. Dezember entschiedene Maßnahmen ergreifen und die nationalen Interessen für die Rettung der Währungsunion opfern würden.

    „Die S&P sollte sich zurückhalten. Die Agentur erschwert den europäischen Spitzenpolitikern die Lösung der Schuldenprobleme“, sagte Marktstratege Anthony Valeri von der US-Firma LPL Financial. Auch EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny vertrat in einem Bloomberg-Interview die Meinung, dass die Ratingagenturen sich immer öfter eine politische Rolle zumuten würden.

    Zuvor bereits hatten europäische Politiker den Ratingagenturen das Übertreten von Kompetenzen zur Last gelegt. Der Kommissar für Binnenmarkt, Michel Barnier, sagte im Herbst, die EU-Kommission wolle die Anforderungen an die Ratingagenturen verschärfen sowie den Investoren erlauben, die Agenturen auf Schadenersatz zu verklagen.

    Von diesen Maßnahmen verspricht sich Barnier mehr Transparenz bei der Bonitätsbeurteilung durch die Ratingagenturen. Zudem könnten die Agenturen verpflichtet werden, die Eminenten über die geplante Bonitätskorrektur einen Tag vor der Entscheidung zu warnen. Die neue Rechtslage benötigt allerdings die Zustimmung des europäischen Parlaments und der nationalen Regierungen.

    Final Call

    Einige Politiker und Marktteilnehmer scheinen die drohende Herabstufung der 15 Staaten der Eurozone mit Demut aufgenommen zu haben. Die beiden wirtschaftlichen Schwergewichte, Deutschland und Frankreich, betonten in einer gemeinsamen Stellungnahme, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die Stabilität der Eurozone zu gewährleisten.

    Die Ankündigung der S&P sei ein weiteres Signal an die Eurostaaten, entschlossen Maßnahmen gegen die Krise zu treffen, sagte Phillip Swagel, Professor der Wirtschaft an der University of Maryland, zur Zeitschrift Businessweek. Anderenfalls würden sich die Probleme Griechenlands auf die ganze Region ausbreiten.

    Anna Bodrowa von der Marktforschungsfirma Investcafe äußerte in einem Gespräch mit der Agentur Prime die Meinung, dass die Ankündigung der S&P, wie radikal sie auch sein mag, keine Überraschung für den Markt sei.

    Angesichts des Schuldenbergs und der Etatdefizite einiger EU-Staaten sowie vor dem Hintergrund der anhaltenden politischen Differenzen (über den EFSF-Fonds) kommt die angekündigte Revision der Ratings alles andere als überraschend, sagte die Analystin.

    Für den Euro und den Dollar sei das eine schlechte Nachricht, denn sie stelle eine stabile Erholung der Region in Zweifel. Gestern ist der Euro allein nach dem Auftauchen der Gerüchte auf unter 1,34 Dollar gefallen. Heute sei ein weiterer Rückgang möglich.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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