15:32 16 August 2017
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    Russland erneuert Raketenarsenal

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    Zwar bekommen Russlands Strategische Raketentruppen ihrem Befehlshaber zufolge neue Raketen, allerdings bedeutet das noch nicht, dass damit die Lücken nach der Ausmusterung der sowjetischen geschlossen werden.

    Zwar bekommen Russlands Strategische Raketentruppen ihrem Befehlshaber zufolge neue Raketen, allerdings bedeutet das noch nicht, dass damit die Lücken nach der Ausmusterung der sowjetischen geschlossen werden.

    Letztes Argument

    Der bodengestützte Bereich der Atomraketen solle in der Endversion aus zwei Teilen bestehen, sagte Befehlshaber Sergej Karakajew. Viele Experten hatten dies bereits vermutet.

    Da gibt es zunächst einmal die mobilen Raketenkomplexe. Zusammen mit den seegestützten Raketen sind sie in der Lage, einen atomaren Gegenschlag durchzuführen. Hinzu kommen die silogestützten Raketen, die sich in geschützten Startanlagen befinden. Sie sind für die Antwortschläge bestimmt.

    Der Antwort- unterscheidet sich vom Gegenschlag dadurch, wann ein Befehl zum Start erteilt wird. Bei einem Antwortschlag entscheidet die politische Führung nach der Feststellung eines massiven Raketenangriffs - bevor die meisten Gefechtsköpfe ihre Ziele erreichen.

    Bei einem Gegenschlag wird der Befehl zum Start nur nach der Feststellung eines massiven Raketen- und Atomangriffs des Feindes erteilt - also nachdem die Gefechtsköpfe ihre Ziele erreicht haben. Hier kommen die Mobilität und ein hoher Sicherheitsgrad der mobilen Komplexe zustatten, weil die bodengebundene silogestützten Startanlagen anscheinend als erste angegriffen werden.

    Die Grundlage eines bodengestützten Bestandteils der strategischen Nuklearkräfte werden die Raketen des Typs

    -M und Jars bilden (in silogestützter und mobiler Variante). Wie Karakajew betonte, werden ab 2012 keine neuen Topol-M-Raketen mehr erworben. Stattdessen soll die Armee mit Mehrfachgefechtskopf-Raketen des Typs Jars versorgt werden.

    Karakajew erwähnte noch eine weitere Mittelstreckenrakete, die ab 2015 in Dienst gestellt werden soll. Falls es sich um eine Weiterentwicklung der Topol handelt, kann mit dieser Rakete eine neue Entwicklungsstufe erreicht werden, wie bei der Jars-Rakete, die als Nachfolger der Topol-M-Rakete entwickelt wurde.

    Nachfolger von Wojewoda

    Darüber hinaus soll eine bunkergestützte Flüssigtreibstoffrakete entwickelt werden. Im vergangenen Jahr sorgte sie für großen Wirbel in den Medien. Die Entwickler der Festtreibstoffraketen („Topol“, „Jars“ und seegestützte „Bulawa“-Rakete) - Moskauer Institut für Wärmetechnik und sein Chefkonstrukteur Juri Solomonow - äußerten sich mehrmals negativ zum Erwerb von silogestützten Flüssigtreibstoffraketen.

    Wie eine Flüssigtreibstoffrakete aussieht, wurde nicht mitgeteilt, Karakajew betonte jedoch bereits, dass es sich um eine 100 Tonnen schwere silogestützte Rakete handeln soll. Dadurch gehört sie eigentlich nicht mehr zu den schweren Raketen (zum Vergleich: die Rakete R-36M2 „Wojewoda“ hat ein Startgewicht von mehr als 210 Tonnen) und fällt unter die Kategorie „ schwerste unter den leichtesten“ (bis 105 Tonnen wie beispielsweise die Flüssigtreibstoffrakete UR-100NUTTH).

    Ein 100 Tonnen schwerer Flüssigtreibstoffträger gilt als Plattform für unkonventionelle Hochpräzisionswaffen. Ähnliche Systeme werden in den USA für die U-Boot-gestützten ballistischen Trident-2-Raketen im Rahmen des PGS-Konzepts (Prompt Global Strike) entwickelt. Falls die USA diese Angriffsysteme weiter entwickeln, wird Russland eine eigene Variante des ‘Prompt Global Strike‘-Konzepts umsetzen, sagte Karakajew.

    Obergrenze erreichen

    Laut Karakajew lag der Anteil der neuen Komplexe an den Strategischen Raketentruppen in diesem Jahr bei 25 Prozent. Um das Jahr 2016 wird er auf 60 und 2021 auf 98 Prozent steigen.

    Bei den neuen Komplexen handelt es sich um die bereits erwähnten Topol-M und Jars, aber auch um Raketen, deren Entwicklungspläne noch in der Schublade stecken.

    Immer mehr veraltete sowjetische Raketen werden ausgemustert (R-36M2, R-36MUTTH und UR-100NUTTH). Es handelt sich zwar nur um etwa 100 Stück, sie sind jedoch Raketen mit einer hohen Gefechtslast - sie tragen rund 80 Prozent aller Gefechtsköpfe der strategischen Raketentruppen. Die Raketen des Typs R-36M2 und R-36MUTTH werden in den kommenden acht Jahren, die UR-100NUTTH-Raketen – in den kommenden fünf Jahren außer Dienst genommen.

    Wie wird der Anteil der neuen Raketen in den nächsten Jahren steigen? Werden mehr Raketen ins Arsenal aufgenommen als das alte ausgemustert werden? Derzeit gibt es nur das Wotkinsk-Werk in Russland, das strategische Raketenkomplexe entwickelt. Bei all seinen Vorteilen ist es jedoch in seinen Möglichkeiten beschränkt.

    Die Frage, ob sich die Zahl der Gefechtsköpfe verändere, wurde nicht beantwortet. „Jch würde auf ein ausschließlich arithmetisches Herangehen verzichten“, sagte Karakajew. „Man soll über eine garantierte Fähigkeit der strategischen Raketentruppen sprechen, dem Aggressor einen unannehmbaren Schaden bei einem Antwortschlag und bei Gegenschlägen zuzufügen“, sagte Karakajew.

    Rückkehrpotential

    „Es werden Möglichkeiten zum Aufbau von Angriffsgruppierungen bei Fällen höherer Gewalt geschaffen“, sagte Karakajew.

    Diese Äußerung könnte als Absicht gedeutet werden, ein Rückkehrpotential für neue Raketenkomplexe zu schaffen. Es handelt sich um die Indienststellung einer Rakete mit weniger Gefechtsköpfen, um die international vereinbarten Obergrenzen einzuhalten

    In  Zeiten steigender Gefahren kann die Zahl der Gefechtsköpfe erhöht werden, wobei die Obergrenze aus nationalen Sicherheitsgründen überschritten wird. Als Informationen über den Beginn der Entwicklung einer neuen Flüssigtreibstoffrakete auftauchten, wiesen einige Experten darauf hin, dass dieses Geschoss mit weniger Gefechtsköpfen bestückt werden könnte, um ein Ungleichgewicht bei den Gefechtsköpfen auf den unterschiedlichen Raketen zu verhindern.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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