19:01 19 August 2017
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    Weltraumforschung: Zurück zum Mond

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    Der Mond steht wieder im Mittelpunkt der Weltraumforschung. Mit modernen Technologien könnten Stützpunkte auf dem Mond errichtet werden. Experten zufolge ist dafür aber viel Geld vonnöten.

    Der Mond steht wieder im  Mittelpunkt der Weltraumforschung. Mit modernen Technologien könnten Stützpunkte auf dem Mond errichtet werden. Experten zufolge ist dafür aber viel Geld vonnöten.

    Rückkehr zum Mond

    In den kommenden zehn bis 15 Jahren steht der Mond wieder im Fokus der Weltraumforscher. Nach dem Rennen um den ersten Menschen auf dem Mond in den 1960er und Anfang der 1770er Jahre gab es eine lange Pause bei den Mond-Missionen.

    Viele Länder planen bemannte Flüge zum Mond und den Bau der Stützpunkte auf dem Mond. Diese Projekte gibt es sowohl in den USA als auch in China. Auch Russland hat vor kurzem seine Pläne verkündet. Laut Wladimir Popowkin, Chef der Weltraumbehörde Roskosmos, könnten Kosmonauten 2020 auf dem Mond landen.

    Das Projekt wird wohl kostspielig sein. „Jedes Jahr müssen rund 50 Milliarden Rubel nur dafür ausgeben, um die technischen Mitteln vorzubereiten und einen in zehn Jahren zu erwartenden Mondflug vorzubereiten“, so der russische Weltraumforscher Alexander Schelesnjakow. Er erinnerte daran, dass Roskosmos ein Budget von rund drei Milliarden Euro hat. Für die Verwirklichung des Mondprojekts würden also weitere Investitionen des Staats vonnöten sein.

    Vorher hatten Experten betont, dass der Etat für Roskosmos auf das Sechsfache erhöht werden muss (im Haushaltsentwurf 2014 sind fünf Milliarden Euro veranschlagt), wenn das Mondforschungsprogramm angenommen wird.

    Ein kleiner Schritt

    In den 1950er und 1960er Jahre hatten die USA gegenüber Russland häufig das Nachsehen: erste  Weltraumrakete (1957), erster Satellit, erster Mensch im Weltraum (1961). Das Team des sowjetischen Konstrukteurs Sergej Koroljow stürmte energisch ins Weltall. Sowjetische Kosmonauten und Forscher tauchten auf den Titelseiten der internationalen Presse auf.

    Die Amerikaner begannen hastig, das Versäumte nachzuholen. Der damalige US-Präsident John F. Kennedy rief das Ziel aus, gegen Ende des Jahrzehnts den Menschen auf den Mond zu bringen.

    Das US-amerikanische Apollo-Programm sorgte für viele Kontroversen zwischen Verschwörungstheoretikern und Weltraumforschern. Steckte Armstrong tatsächlich die US-Flagge in den Mondboden? Oder ereignete sich der große Schritt für Menschheit in einem Hollywood-Studio?

    Das Team von Sergej Koroljow erzielte phänomenale Erfolge und schickte Juri Gagarin ins All. Doch das Team von Wernher von Braun, unterstützt von den US-amerikanischen Raumfahrtunternehmen, sprang über seinen eigenen Schatten.

    Der erste bemannte Flug ins All erfolgte 1961. Im Dezember 1968 umkreiste die Besatzung von Frank Borman mit Apollo-8 erstmals den Mond. Im Juli 1969 betraten die Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin den Mond.

    Die Amerikaner hatten viel Glück. Selbst die Havarie der Apollo-13 (mit dem berühmt gewordenen Satz „Houston, wir haben ein Problem“) geschah zum passenden Zeitpunkt. Wäre der Sauerstoffbehälter früher oder später explodiert, wäre die Expedition gescheitert.

    Im Dezember 1972 endete das US-Mondprogramm mit einer sechsten Landung der Apollo-17. Zwei Jahre vorher hatte die NASA drei bemannte Missionen gestrichen, die auf Appollo-17 hätten folgen sollen.

    „Die Aufgabe hieß, ein Amerikaner muss den Mond betreten. Damit endete sie. Nachdem sie gelöst worden war,  gab es keine zusätzlichen Entwicklungen mehr“, sagte Wladislaw Schewtschenko vom Astronomieinstitut der Moskauer Staatlichen Universität.

    Das Limit der US-Mondexpeditionen wurde erreicht, sie verwandelten sich in kostspielige und gefährliche Aktionen (wie die Geschichte um die Appollo-13 zeigte). Das Land stieg in eine Phase der Reaktionen nach den Unruhen am Ende der 1960er Jahre. Der Vietnam-Krieg hatte viele Proteste in der Gesellschaft zur Folge.

    Die Sowjetunion landete nicht auf dem Mond: Das Projekt zum Bau des Trägers H-1, begleitet vom politischen Gezänk, war gescheitert. Nachdem die Menschheit über ihren eigenen Schatten gesprungen war, beruhigte sie sich und befasste sich mit dem Kampf gegen Freidenker, den Terror und die Energiekrise. Das Interesse der Wissenschaftler und Ingenieure an den Mond ließ nach.

    Wasser in der Leere des Weltalls

    Doch in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre kam es zu einer völlig überraschenden Wende in der Mondforschung. Die Missionen der US-Raumapparate LRO und LCROSS endeten mit einem sensationellen Ergebnis: Auf dem Mond wurde viel Wasser entdeckt.

    Diese Nachricht kam überraschend, weil in den Proben vom Mond, die auf die Erde mit den sowjetischen Stationen Luna-16, Luna-20 und Luna-24 sowie bemannten US-Expeditionen gebracht wurden, nur geringe Wassermengen  gefunden worden waren.

    1994 hat die NASA-Sonde Clementics am Südpol des Mondes Spuren von großen Eisvorräten entdeckt. Doch erst 2009 konnte mit der Mission von LRO und LCROSS bestätigt werden, dass es in den Polargebieten des Mondes Eis gibt.

    Dort gibt es zwar keine dichten polaren Eiskappen wie in der Antarktika, jedoch viele Eiskristallen. Eiskristalle: 5,6 Prozent mit einem Messfehler +/- 2,9 Prozent.

    Die indische Sonde Chandrayaan-1 hatte entdeckt, dass tief in den nördlichen Polarkratern des Mondes große Eisblöcke liegen. Der geschätzte Umfang der Wasservorräte lag bei mindestens 600 Millionen Tonnen.

    Die russische Weltraumforschung arbeitet an den Programmen Luna-Glob und Luna-Resurs, die Mitte der 2010er Jahre verwirklicht werden sollen. Eines der Ergebnisse dieser Mission soll die Rückkehr einer Kapsel mit einer „nassen“ Probe aus den Polargebieten des Mondes zur Erde sein.

    Eine ganz andere Sache

    Nach der Entdeckung von Mondwasser hat sich die Wahrnehmung des Problems geändert.

    Alle vorherigen Projekte zur Errichtung von Mondstützpunkten gerieten wegen ein und desselben Problems ins Stocken: Von der Erde hätte zu viel Material zum Mond gebracht werden müssen, darunter auch Wasser.

    Unter den jetzigen Bedingungen kann die Aufgabe zur Versorgung des Stützpunktes erleichtert werden. Seit den 70er Jahr haben die Wissenschaftler die Methoden zum Auszug des Sauerstoffs aus dem Mondboden erörtert (dort gibt es bis 40 Prozent Sauerstoff).

    Fortschritte in der Automatik und in den Steuersystemen haben die Pläne zur Kolonisierung des Mondes vorangebracht. Was vor 40 bis 50 Jahren manuell oder mit nicht-effektiven automatisierten Mitteln gemacht werden musste, kann heute relativ leicht mit ferngesteuerten Systemen und Robotern erledigt werden.

    „Die Mondstützpunkte der Außerirdischen sind ein Mythos. Die Mondstützpunkte der Erdbewohner werden in absehbarer Zukunft Realität sein“, sagte Alexander Schelesnjakow.

    Kraftstoff für künftige Öfen

    Das zunehmende Interesse am Mond in der Mitte der 2000er Jahre hing mit einer weiteren unglaublichen Nachricht zusammen. Im Boden des Mondes wurde ein Helium-3-Isotop entdeckt - in einer höheren Menge als auf der Erde.

    Die Helium-Deuter-Reaktion der Kernfusion wird als ein aussichtsreicher Ersatz der bekannten Deuter-Tritium-Reaktion bezeichnet, die bei der thermonuklearen Munition erfolgreich genutzt wird. Doch Helium-3 soll nicht im Militärbereich, sondern in der Thermoenergie Anwendung finden.

    Wissenschaftler versuchen seit mehreren Jahren einen effektiven thermonuklearen Reaktor zu entwickeln. Dafür muss eine stabile und steuerbare Kernfusion erreicht werden. Die steuerbare Kernspaltung in Atomkraftwerke ist kein Problem. Eine thermonukleare Fusion gestaltet sich dagegen schwieriger.

    Falls die Energiewissenschaftler einen Durchbruch im thermonuklearen Bereich erzielen, kann der Mond sehr dienlich sein. Ein interessantes Rennen .

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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