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    Zweiter Weltkrieg Monat für Monat: März 1942

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    Im 31. Monat des Zweiten Weltkrieges gingen die erbitterten Kämpfe an der sowjetisch-deutschen Front weiter. Keine der kriegführenden Parteien wollte nachgeben. Die Gegenoffensive der Roten Armee erlahmte zusehends. Die japanischen Truppen setzten die Verteidigung der Alliierten weiter unter Druck.

    Im 31. Monat des Zweiten Weltkrieges gingen die erbitterten Kämpfe an der sowjetisch-deutschen Front weiter. Keine der kriegführenden Parteien wollte nachgeben. Die Gegenoffensive der Roten Armee erlahmte zusehends. Die japanischen Truppen setzten die Verteidigung der Alliierten weiter unter Druck.

    Absetzung von Marschall Kulik

    Über die Misserfolge der Sowjettruppen verärgert, verschärfte Stalin die Disziplin unter den Generälen. Am 2. März erschien der von ihm unterschriebene Befehl des sowjetischen Volkskommissars für Verteidigung (http://www.brono.ru/libris/stalin/15-58.html) über die Degradierung von Marschall Kulik zum Generalmajor, die Aberkennung seiner Auszeichnungen (darunter auch des Goldenen Sterns des Helden der Sowjetunion), seinen Ausschluss aus dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei und seine Enthebung als stellvertretender Volkskommissar für Verteidigung.

    Diese Maßnahmen gegen Kulik wurden wegen seines unwürdigen Verhaltens an der Front getroffen, wo er, wie Auszüge aus dem Befehl verdeutlichen, "sich systematisch der Trunkenheit ergab, eine ausschweifende Lebensweise führte, ... hamsterte und staatliches Vermögen entwendete, ... die ihm verfügbaren Möglichkeiten zum Schutz von Kertsch und Rostow in keiner Weise realisierte, ihre Verteidigung nicht organisierte und sich wie ein von den Deutschen verschreckter Feigling benahm".

    Damals kam Grigori Kulik noch mit dem Leben davon, denn nach der exemplarischen Abstrafung wurde er dem Volkskommissar für Verteidigung unterstellt. 1950 wurde Kulik erschossen.

    Inzwischen nahmen die Verluste des Dritten Reiches, dessen Führer Adolf Hitler mit einem raschen und leichten Sieg gerechnet hatte, immer bedrohlichere Ausmaße an. Anfang März 1942 hielt General Halder, Stabschef des Oberkommandos des Heeres (OKH), in seinem Tagebuch fest, dass Deutschlands Verluste seit dem Überfall auf die UdSSR bereits mehr als eine Million Menschen beziehungsweise über 31 Prozent der durchschnittlichen zahlenmäßigen Stärke der deutschen Armee an der Ostfront ausmachten. Es standen noch umfassendere und blutigere Schlachten bevor. "Über den Ausgang des Krieges wird im Osten entschieden", zitierte der General Hitlers Worte.

    Ohne Kräfte noch Mittel

    Und wieder zurück zur Sowjetarmee. Ein weiterer Kaderbeschluss Stalins hing mit dem traurig bekannten General Wlassow zusammen. Der künftige Begründer der Russischen Befreiungsarmee, der sich bei der Moskauer Verteidigungsoperation nicht schlecht bewährt hatte, wurde am 8. März zum stellvertretenden Oberbefehlshaber der Truppen der Wolchow-Front ernannt.

    Das war eine recht komplizierte Richtung, an der beide Seiten schwere Kämpfe führten, indem sie bald einander angriffen, bald zur Verteidigung übergingen. Die Kampfhandlungen spielten sich auf einem relativ geringen Teil des Leningrader Gebiets (heute zum Teil Gebiet Nowgorod) ab, wo sowjetische Einheiten in die deutschen Stellungen unweit des Dorfes Mjasnoi Bor einbrachen. Das Dorf sollte später den düsteren Ruhm als Ort des Untergangs der sowjetischen 2. Stoßarmee bekommen.

    Es entstand eine Art Schlauch, nur zwölf Kilometer breit und mit einem kurzen Korridor zu den sowjetischen Stellungen. Der Versuch, den Durchbruch zu erweitern, misslang, weil sich die Deutschen wütend verteidigten; außerdem fehlte die erforderliche Koordinierung der Handlungen zwischen der Wolchow- und der Leningrader Front. Am 15. März gingen die Deutschen zum Gegenangriff über, um die 2. Stoßarmee, die den Schlauch zu erweitern versuchte, einzukreisen. Im Ergebnis dauerten die Kämpfe um den "Korridor" den ganzen März an, die sowjetischen Truppen durchbrachen ihn, die Deutschen verschlossen ihn wieder.

    Unterdessen versuchten die Truppen der Nordwestfront, die Einheiten des 2. Armeekorps der Deutschen, die in den "Kessel von Demjansk" geraten waren, endgültig zu vernichten. Das sollte möglichst schnell passieren, da der Kessel die Handlungen der ganzen Front fesselte und den Vorstoß in den Rücken der deutschen Heeresgruppe Mitte vereitelte. Doch am 21. März unternahmen die Deutschen zwei Entsatzvorstöße: von außen, durch Kräfte ihrer frischen Einheiten, und von innen, mit drei Divisionen von General Seydlitz-Kurzbach (künftiger Präsident des Bundes deutscher Offiziere – BDO – in der sowjetischen Gefangenschaft). Bis Mitte April gelang es den Deutschen, einen engen Korridor durchzuschlagen, über den sie die Verbindung mit dem belagerten Demjansk unterhielten.

    Am Zentralabschnitt dauerte die Operation von Rschew-Wjasma erfolglos an, in deren Verlauf die 43.  Armee der Westfront den Versuch unternahm, der 33. Armee (derselben Front), die in eine Einkreisung geraten war, zu Hilfe zu kommen. Aber obwohl die Entfernung zwischen ihnen bis auf zwei Kilometer reduziert wurde, gelang es trotzdem nicht, aus dem "Kessel" auszubrechen.

    Der Oberbefehlshaber der Westfront General (später Marschall) Schukow erläuterte in seinen Memoiren, dass die Forderungen des Hauptquartiers (lies: Stalins), die Angriffshandlungen zu verstärken, nicht erfüllt wurden, weil die Kräfte und Mittel der Fronten zu jener Zeit erschöpft waren.

    "Den überanstrengten und geschwächten Truppen fiel es immer schwerer, den Widerstand des Feindes zu überwinden. Unsere wiederholten Berichte und Vorschläge über die Notwendigkeit, Halt zu machen und sich an den erreichten Stellungen festzusetzen, wurden vom Hauptquartier abgelehnt. Im Gegenteil, in der Direktive vom 20. März 1942 verlangte der Oberste Befehlshaber, die Erfüllung der früher gestellten Aufgabe energischer fortzusetzen", schrieb Schukow.

    Zersplitterung der Kräfte

    In dieser Direktive wurde festgestellt, dass "die Liquidierung der Rschew-Wjasma-Gruppierung des Gegners unzulässigerweise in die Länge gezogen worden ist", und deshalb befohlen, den Feind zu vernichten und in kürzester Zeit die Städte Wjasma (in Wirklichkeit erst am 12. März 1943 befreit), Brjansk (am 17. September 1943 befreit) und Rschew (am 3. März 1943 befreit) zu nehmen.

    Wie Schukow erzählt, versuchten die West- und die Kalinin-Front Ende März bis Anfang April 1942, den Befehl auszuführen, doch erwiesen sich ihre Anstrengungen als ergebnislos.

    Nach Meinung von Georgi Konstantinowitsch Schukow trifft die Schuld daran Stalin, der, anstatt an der westlichen Richtung eine mächtige Faust zu bilden und die Hauptstoßkraft der Wehrmacht, die Heeresgruppe Mitt,  zu zerschlagen, die Kräfte der Roten Armee zersplitterte, indem er ihr den Angriff an allen Fronten und allen Richtungen befahl.

    Im März 1942 griffen die Truppen der Krym-Front wiederholt den Gegner an. Der Oberbefehlshaber der 11. deutschen Armee General Manstein schreibt in seinen Erinnerungen, dass seine Soldaten den Andrang der Sowjettruppen bisweilen nur mit Mühe aufhalten konnten: "Davon, wie beharrlich die Kämpfe waren, zeugt die Tatsache, dass die Regimenter der 46. Infanteriedivision, in deren Streifen der Hauptschlag geführt wurde, in den ersten drei Tagen zehn bis 22 Angriffe abschlugen." Trotzdem konnte die Wehrmacht den Schlag der Roten Armee auch hier aufhalten.

    Aber die Hauptereignisse außerhalb des wichtigsten Schauplatzes des Zweiten Weltkrieges entfalteten sich im März 1942 in Südostasien, wo die japanische Armee die alliierten Truppen weiterhin zurückdrängte. Am 8. März mussten die Briten Burmas Hauptstadt Rangun verlassen. In der Provinz Bataan der Philippinen entfaltete die japanische Armee Ende März 1942 mit Unterstützung der Luftstreitkräfte eine mächtige Offensive gegen die amerikanisch-philippinischen Truppen, die den Andrang des Feindes nur mit Mühe dämmen konnten. Aber ihr Widerstand dauerte nicht lange – nur bis Anfang April.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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