02:29 13 November 2018
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    Tschernobyl-AtomkraftwerkDas zerstörte Gebäude des 4. Energieblocks im AKW Tschernobyl (April 1986)

    Hintergrund: Tschernobyl-Havarie

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    In der Nacht zum 26. April vor 26 Jahren ereignete sich im Block 4 des in der Ukraine am rechten Ufer des Flusses Pripjat gelegenen AKW Tschernobyl die bis dahin größte Atom-Katastrophe.

    In der Nacht zum 26. April vor 26 Jahren ereignete sich im Block 4 des in der Ukraine am rechten Ufer des Flusses Pripjat gelegenen AKW Tschernobyl die bis dahin größte Atom-Katastrophe.

    Im Block 4 befand sich ein Reaktor des Typs RBMK-1000, der im Dezember 1983 in Betrieb genommen worden war. Laut den Wissenschaftlern des Kurtschatow-Instituts gab es bei den Starts der Reaktoren RBMK-1000 und RBMK-1500 eine anomale Reaktivität bei der Einführung der Brennstäbe in die aktive Reaktorzone. Zudem wurden bei vorherigen Havarien in den RBMK-Reaktoren (Leningrader AKW, Block 1, 1975; AKW Tschernobyl, Block 1, 1982) ernsthafte Mängel bei deren Betriebseigenschaften festgestellt. Einige Experten bezeichnen die Havarie in dem Leningrader AKW 1975 als Vorgänger der tragischen Ereignisse in Tschernobyl. Im AKW Tschernobyl hätten am 25. April 1986 die Tests des Sicherheitssystems im 4. Energieblock stattfinden sollen. Der Reaktor sollte für Reparaturarbeiten gestoppt werden. Bei den Tests sollten die Anlagen lahm gelegt werden und die mechanische Rotationsenergie der Turbogeneratoren genutzt werden, um die Betriebsfähigkeit der Sicherheitssysteme des Energieblocks zu gewährleisten. Doch die Tests im 4. Energieblock wurden nicht mit dem wissenschaftlichen Leiter und Konstrukteur dieses Reaktors abgestimmt. Bei dem Experiment wurde gegen mehrere Sicherheitsanforderungen verstoßen. Das führte dazu, dass am 26. April um 1.24 Uhr eine unkontrollierbare Erhöhung der Leistung geschah, die zu Explosionen und Zerstörung eines großen Teils der Reaktoranlage führte. Im Ergebnis wurden Hunderte Millionen Curie von radioaktiven Stoffen (Die Radioaktivität eines Stoffes ist eine Curie (Ci) groß, falls dort jede Sekunde 3,7 radioaktive Zerfälle geschehen) in die Luft ausgestoßen.

    Nach der Explosion stürzten das Dach und einige an der Nordseite befindliche Wände des Reaktors ein. Auch die oberen Stockwerke einer naheliegenden Entlüftungsanlage brachen zusammen. Das Dach des Maschinenraums, wo sich die Turbogeneratoren befanden, brach ebenfalls teilweise zusammen. Acht von 140 Tonnen radioaktiven Brennstoffen gelangten in die Luft. Eine Dampf- und Staubsäule stieß stündlich Zehntausende Curie aus.

    Der radioaktive Ausstoß hing damit zusammen, dass nach der Havarie die Barriere- und Sicherheitssysteme zerstört wurden, die die Umwelt vor Radionukliden (im bestrahlten Brennstoff enthalten) schützen. Die Ausstöße dauerten vom 26. April bis zum 6. Mai und sanken danach um das Tausendfache.

    Trotz der Havarie und der radioaktiven Verseuchung, wurde die sowjetische Bevölkerung und die Weltgemeinschaft von Moskau in den ersten Tagen nicht über die Havarie informiert. In den ersten Tagen wurden sogar die Maßnahmen zur Geheimhaltung der Havarie und ihrer Folgen getroffen. Eine Fläche von fast 160.000 Quadratkilometern wurde verseucht. Der nördliche Teil der Ukraine, Weißrussland und der westliche Teil Russlands waren betroffen. Unmittelbar nach der Katastrophe kamen 31 Menschen ums Leben. 600.000 Liquidatoren, die an der Löscharbeiten beteiligt waren, wurden bestrahlt.

    Nach amtlichen Angaben vom 1. März 2011 waren mehr als 194.000 Liquidatoren im Einsatz, bei 134.000 von ihnen wurden überhöhte Strahlenwerte festgestellt.

    Ein Tag nach der Havarie beschloss die Regierungskommission, die Einwohner der nahegelegenen Ortschaften in Sicherheit zu bringen. Bis Ende 1986 wurden aus 188 Ortschaften rund 116.000 Menschen in Sicherheit gebracht.

    Mitte Mai 1986 verkündete die Regierungskommission, Block 4 langfristig zu konservieren, um den Ausstoß von Radionukliden zu verhindern. Das Ministerium für mitteschweren Maschinenbau wurde beauftragt, Block 4 und die dazugehörenden Gebäude zu begraben. Das Objekt wurde „Shelter“ genannt, auch als „Sarkophag“ bekannt. Am 30. November 1986 wurde es fertig gestellt.

    Im Herbst 1993 wurde nach einem Brand Block 2 gestoppt. In der Nacht zum 1. Dezember 1996 wurde gemäß einem Memorandum, unterzeichnet im Jahr 1995 zwischen der Ukraine und den G7-Staaten, Block 1 gestoppt. Am 6. Dezember 2000 wurde wegen Defekte im Schutzsystem Reaktor 3, der letzte funktionierende, eingestellt.

    Im März 2000 ordnete die ukrainische Regierung eine Verordnung an, AKW Tschernobyl zu schließen. Das AKW wurde am 15. Dezember 2000 um 13.17 Uhr gestoppt. Die Oberste Rada (Parlament) billigte das Programm zur Außerbetriebnahme des AKW Tschernobyl. Demnach soll das AKW im Jahr 2065 völlig liquidiert werden. Bei der ersten Etappe 2010/2013 wird der nukleare Brennstoff aus dem AKW in Depots gebracht. Von 2013 bis 2045 ist eine geringere Radioaktivität in den Reaktoranlagen zu erwarten. Von 2045 bis 2065 werden die Anlagen demontiert. Der Ort, wo sich das AKW befand, soll geräumt werden. Das Objekt „Shelter“ soll dann ungefährlich für die Umwelt sein.

    In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Versuche unternommen, das Wesen der Tschernobyl-Havarie und deren Ursachen zu klären. Bislang gibt es jedoch keine endgültige und experimentell bestätigte Version.

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