23:12 17 Januar 2018
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    Spaniens Wirtschaft: Diagnose gestellt

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    Spaniens Wirtschaft bewegt sich weiter auf den Abgrund zu. In dieser Woche hat die spanische Zentralbank den Beginn einer technischen Rezession angekündigt. Die Internationale Ratingagentur Standard&Poor’s hat das langfristige souveräne Ranking auf BBB+ gesenkt. Bis zum „Müll-Niveau“ sind es nur noch wenige Stufen.

    Spaniens Wirtschaft bewegt sich weiter auf den Abgrund zu. In dieser Woche hat die spanische Zentralbank den Beginn einer technischen Rezession angekündigt. Die Internationale Ratingagentur Standard&Poor’s hat das langfristige souveräne Ranking auf BBB+ gesenkt. Bis zum „Müll-Niveau“ sind es nur noch wenige Stufen.

    IWF-Experten haben der spanischen Regierung geraten, dringend Maßnahmen für die Verbesserung des finanziellen Zustandes zu treffen. Trotz aller Warnungen versichern die spanischen Behörden den europäischen Politikern und Investoren, dass sie die Wirtschaftssituation im Lande kontrollieren und das Sparprogramm umsetzen werden. Vielen Experten zufolge führt diese Politik dazu, dass Spanien nicht mehr in der Lage sein wird, seine Staatsschulden selbstständig zu finanzieren.

    Dinge beim Namen nennen

    In der Nacht zum Freitag hat die Agentur S&P die Senkung der langfristigen und kurzfristigen souveränen Rankings Spaniens angekündigt. Es handelt sich bereits um die zweite Herabstufung in diesem Jahr. Letztes Mal wurde Spaniens Kreditwürdigkeit Mitte Januar herabgestuft.

    Das langfristige Ranking wurde um zwei Stufen von „A“ auf „BBB+“ und das kurzfristige Ranking um eine Stufe auf „A-2“ gesenkt. Laut S&P droht den Iberern eine weitere Herabstufung, falls sich die Situation im Finanzsektor so stark verschlechtert, dass die spanische Regierung den Bankensektor fiskalisch unterstützen muss, und der BIP-Rückgang größer als erwartet sein wird.

    „Die Flugbahn von Spaniens Haushalt wird sich angesichts des Wirtschaftrückgangs in dem Land voraussichtlich verschlechtern. Zugleich ist es möglich, dass die spanische Regierung die Banken fiskalisch unterstützen muss. Deswegen sind wir der Ansicht, dass Risiken für einen Schuldenanstieg bei Spanien zu erkennen sind“, so die Experten der Ratingagentur.

    Laut S&P hängt der spanische Finanzsektor sehr stark von den offiziellen Kreditgebern ab. Dies zeige der starke Anstieg der Kredite, die von der europäischen Zentralbank vergeben werden. Im März lag deren Umfang bei 316 Milliarden Euro gegenüber 170 Milliarden Euro im Februar.

    Die Depression im Finanzsektor führte dazu, dass andere Branchen kaum noch Kredite bekamen, wodurch Wachstumstempo deutlich gebremst wird.

    Angesichts dieser Situation und des allgemein schwachen Zustands der Eurozone, hat S&P ihre BIP-Prognosen für Spanien geändert. Die Agentur erwartet einen BIP-Rückgang von 1,2 Prozent in diesem Jahr und von 0,5 Prozent im nächsten Jahr. Vorher hatte S&P ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent in diesem Jahr und von einem Prozent im nächsten Jahr prognostiziert.

    „Im Zusammenhang mit den wachsenden Risiken, die wir auf dem Weg zur Wiederherstellung Spaniens sehen, erörtern wir auch ein negatives Szenario, das zu einer weiteren Herabstufung führen kann“, heißt es in der Mitteilung von S&P.

    Ein negatives Szenario sieht den BIP-Rückgang um vier Prozent in diesem Jahr und um ein Prozent im nächsten Jahr vor.

    Wolkenloser Himmel über ganz Spanien?

    Die spanische Wirtschaft befindet sich bereits in ihrer zweiten Rezession in den vergangenen drei Jahren. Neben dem schwachen Finanzsektor wird die Situation durch die ständig steigende Arbeitslosenquote und die langwierige Krise auf dem Immobilienmarkt erschwert.

    Spaniens Zentralbank teilte diese Woche, dass das BIP im 1. Quartal um 0,4 Prozent im Vergleich zum 4. Quartal 2011 (Rückgang von 0,3 Prozent) gesunken ist.

    Für Unruhe sorgten die am Freitag veröffentlichten Arbeitslosenzahlen. Laut der spanischen Statistikagentur Ine ist die Arbeitslosenquote im 1. Quartal von 22,9 auf 24,44 Prozent gestiegen, damit wurde seit 1990 ein Rekordwert erreicht. „Die Zahlen sind schrecklich für jeden Menschen und für die Regierung… Spanien steckt in einer sehr schlimmen Krise“, sagte Spaniens Außenminister José Manuel Garcia-Margallo im Interview mit einem spanischen Radiosender.

    Die Behörden sind fest davon überzeugt, dass das beschlossene Sparprogramm das Wachstum fördern wird. Laut dem Haushaltsentwurf 2012 will Spanien 27,3 Milliarden Euro einsparen. Das soll durch die Einfrierung der Beamtenlöhne sowie die Kürzung der Etats der Ministerien und Behörden um durchschnittlich 16,9 Prozent erreicht werden. Die Regierung in Madrid rechnet damit, das Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf 5,3 Prozent des BIP (von 8,5 Prozent im Vorjahr) zu kürzen.

    Laut vielen Experten verstärkt der massive Abbau der Staatsausgaben den Druck auf das Wirtschaftswachstum. Alle Ausgaben sind ein Bestandteil des BIP. Ohne ein stabiles Wirtschaftswachstum sei es schwierig, die Staatsschulden zu bezahlen. Laut dem spanischen Wirtschaftsministerium werden die Staatsschulden in diesem Jahr auf 78,5 Prozent des BIP steigen (von 68 Prozent zu Jahresanfang).

    Nachdem die Kreditwürdigkeit Spaniens auf das Niveau des Schuldners Irland („BBB+“/A-2)  gesenkt wurde, stellt sich die Frage, wie Madrid seine Verpflichtungen finanzieren wird.Irland darf sich nicht auf dem Kreditmarkt bedienen und bekommt günstigere Kredite von internationalen Kreditgebern wie der EU und der IWF.

    Erste Schwalben

    Die Investoren haben bereits im vergangenen Jahr in Bezug auf Spanien Alarm geschlagen, als sich angesichts der rasanten Finanzkrise in Griechenland  auch die Rentabilität der Aktien dieser viertgrößten Wirtschaft Europas gestiegen ist.

    Damals tauchten die Gerüchte auf, dass sich Spanien demnächst an internationale Kreditgeber  wenden müsse. Diese Spekulationen wirkten sich negativ auf die Märkte aus. Die Anleger wussten sofort, dass die vorhandenen Mittel der IWF und der EU für die Finanzierung von Spaniens Wirtschaft nicht ausreichen.

    Im April hat die Einträglichkeit der auf zehn Jahre laufenden spanischen Staatsanleihen bereits zum siebten Mal die psychologisch wichtige Marke von sechs Prozent im Jahr überschritten. Als Griechenland, Irland und Portugal diese Grenze überschritten hatten, wendeten sie sich an internationale Kreditgeber.

    Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens ist zwar ein negativer Faktor für die Märkte, führte jedoch nicht zu ihrem Einsturz.

    Die Einträglichkeit der zehnjährigen Staatsanleihen stieg zwar auf 6,02 Prozent, doch der Kurs des Euro gegenüber dem Dollar und die Indizes der führenden europäischen Börsen stiegen an. Die Investoren hatten seit langem Fragen zur Kreditfähigkeit Spaniens. Deswegen kam Herabstufung weniger überraschend.


    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.