03:37 15 November 2018
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    Zweiter Weltkrieg Monat für Monat: Mai 1942

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    In den dreißig Tagen des 33. Monats im Zweiten Weltkrieg brachten die deutschen Truppen der Roten Armee mehrere schwere Niederlagen bei und übernahmen wieder das Heft des Handels.

    In den dreißig Tagen des 33. Monats im Zweiten Weltkrieg brachten die deutschen Truppen der Roten Armee mehrere schwere Niederlagen bei und übernahmen wieder das Heft des Handels.

    Der Wehrmacht gelang es, ins Vorgebirge des Kaukasus und bis nach Stalingrad vorzustoßen. Im Pazifik führten die Alliierten erbitterte Seeschlachten gegen die Japaner.

    Manstein vs. Koslow und Mechlis

    Das Hauptgeschehen im Mai spielte sich in der südlicher Richtung der sowjetisch-deutschen Front ab: auf der Krim und im Raum Charkow. Auf der Halbinsel Kertsch startete am 8. Mai ein Gegenangriff der 11. Feldarmee unter General Manstein auf die Krim-Front. Durch die vorherigen ergebnislosen Angriffe von Januar bis April 1942 ohnehin geschwächt, wurden die sowjetischen Truppen vom Beginn des Unternehmens „Trappenjagd“ (Codename der deutschen Angriffsoperation) überrascht.

    Manstein musste die Soldaten des Feindes auf der Halbinsel Krim vertreiben, um unmittelbar den Sturm auf Sewastopol einzuleiten –im November 1941 war es nicht gelungen, diese „harte Nuss“ zu knacken.

    Die Aufgaben der Krim-Front unter General Koslow waren genau entgegengesetzt: im Osten der Halbinsel Stellung zu beziehen und, die Wehrmacht sollte von Sewastopol ferngehalten oder sogar von der Krim verjagt werden.

    Manstein war sich darüber klar, dass ein Frontalangriff auf die im Verlaufe von Monaten gefestigten Stellungen der Krim-Front ihm keinen Erfolg bringen würde. Zudem hatte Koslow mehr Soldaten. Doch Erich von Manstein war einer der besten Feldherren der Wehrmacht (kein anderer als er hatte vorgeschlagen, in den schwer zugänglichen Ardennen anzugreifen, was 1940 die Niederlage Frankreichs zur Folge gehabt hatte), während Koslow nur einer von vielen Generäle der Roten Armee war.

    Die Situation wurde durch den Umstand zugespitzt, dass Manstein der unumschränkte Befehlshaber der ihm unterstellten Truppen war, während die Krim-Front von einer Doppelherrschaft zerfressen wurde: Die Leiter des Frontstabs wussten nicht recht, wessen Befehle sie ausführen sollten: die von Koslow oder die des Vertreters des Hauptquartiers des Oberbefehlshabers, in diesem Fall des Armeekommissars ersten Ranges (entsprach dem Rang des Armeegenerals) Lew Mechlis. Er war herrschsüchtig und eigensinnig. Er ignorierte nicht nur Koslow, sondern auch seine unmittelbaren Vorgesetzten Marschall Budjonny, Oberbefehlshaber der Roten Armee im Nordkaukasus. Mechlis behauptete, er sei unmittelbar Stalin unterstellt.

    Dort zuschlagen, wo es nicht erwartet wird

    Im Ergebnis griff Manstein dort an, wo die deutschen Truppen am wenigsten erwartet wurden: am südlichen Abschnitt. Unterstützung bekam er durch eine Einheit der Marineinfanterie und hatte die im Voraus erkundeten Stäbe der sowjetischen Verbände, die lange Zeit ihre Stellung nicht gewechselt hatten, massiv bombardiert (bei einem Luftangriff kam der Befehlshaber der 51. Armee, General Lwow, ums Leben).

    Die deutschen Truppen durchbrachen an einer schwachen Stelle die sowjetische Verteidigung, störten dadurch die Koordination der Truppen und wendeten sich nordwärts, was der 47. und der 51. Armee den Rückzugsweg abschnitt. Ihren Gipfel erreichte die Verwirrung, als im Rücken der 44. Armee eine deutsche Luftlandetruppe abgesetzt wurde.

    Am 13. Mai brach die Krim-Front zusammen. In der Nacht zum 14. Mai wurde die Order gegeben, die sowjetischen Truppen von der Halbinsel Kertsch zu evakuieren. In kurzer Zeit beklagten die Verbände von Koslow mehr als 160 000 Tote, Verletzte und Gefangene. Nur etwa 140 000 Soldaten und Kommandeure konnten auf der Taman-Halbinsel gerettet werden. Die deutschen Truppen gaben 10 000 Soldaten und Offiziere als Verluste an.

    Wegen der Katastrophe von Kertsch konnten die Deutschen nicht nur bald zum Sturm auf Sewastopol übergehen, das nach kurzer Zeit erobert wurde, sondern auch den Weg zur Invasion in den Nordkaukasus verkürzen: über die Straße von Kertsch und die Taman-Halbinsel.

    Es folgte die Auflösung der Krim-Front, ihre Kommandeure wurden durch einen Beschluss des Hauptquartiers (sprich Stalins) degradiert. Mechlis verlor den Posten des stellvertretenden Verteidigungskommissars und des Leiters der politischen Hauptverwaltung der Roten Armee und wurde zu einem Korpskommissar herabgesetzt. Koslo wurde zum Generalmajor degradiert, wurde als Oberbefehlshaber der Front gefeuert und wurde Zeit seines Lebens nicht mehr für entsprechende Posten berücksichtigt.

    Verlorengegangene Aufmarschgebiete

    Noch schlimmer war die Situation in der Gegend um Charkow, wo die Rote Armee am 12. Mai mit den Kräften der Brjansker, der Südwest- und der Südfront einen Angriff unternahm, um die Heeresgruppe Süd ans Asowsche Meer zu drängen und zu vernichten. Als wichtigste Aufmarschbasis diente dazu der Frontvorsprung bei Barwenkowo, die während der Winteroffensive am Westufer des Nord-Donez eingerichtet wurde und den sowjetischen Truppen die Möglichkeit eines Angriffs auf Charkow bot.

    Zu Beginn hatten die Angreifenden Erfolg: Mehreren Einheiten der sowjetischen Armee gelang es, die Verteidigungslinie der Deutschen durchzubrechen.

    Im Stabder Heeresgruppe Süd brach zwischenzeitlich sogar Panik aus. So zweifelte der Generalfeldmarschall von Bock stark, dass die 1. Panzerarmee von General von Kleist in der Lage ist, den sowjetischen Angriff bei Charkow abzuwehren. Doch der Stabschef des Oberkommandos des Heeres (OKH), General Halder, überzeugte Bock den Sowjet-Truppen Widerstand zu leisten. Wie die nachfolgenden Ereignisse zeigen sollten, hatte er Recht.

    Der Panzerangriff von Kleist am 17. Mai, der in den Rücken der angreifenden Truppen der Roten Armee geführt wurde, durchbrach die Verteidigung der Südfront und schnitt danach den sowjetischen Truppen die Rückzugswege ab. Der Vertreter des Chefs des Generalstabs General Wassilewski schlug am nächsten Tag (18. Mai) dem Hauptquartier vor, die Truppen aus Barwenkowo abzuziehen, doch Stalin antwortete abschlägig darauf. Im Ergebnis sah sich eine beträchtliche Anzahl von sowjetischen Verbänden im "Kessel" von Barwenkowo umzingelt. Bis zum Ende des Monats unternahmen sie mehrere erfolglose Versuche, auszubrechen und die anderen Truppen einzuholen.

    "Kessel" im Süden und Norden

    In den schweren dreiwöchigen Kämpfen beklagte die Rote Armee 270 000 Tote, Verletzten und Gefangene. In einem Kessel kamen mehrere Generäle ums Leben bzw. galten als spurlos verschollen, darunter Kostenko, stellvertretender Oberbefehlshaber der Südwest-Front und Gorodnjanski, Befehlshaber der 6. Armee Gorodnjanski sowie Podlas, Befehlshaber der 57. Armee Podlas.

    Der stürmische Einbruch in die feindlichen Stellungen gelang den Deutschen auch deshalb, weil die sowjetischen Truppen eine langgezogene Staffel bildeten und in der Tiefe keine Reserven hatten.

    Die Tiefe der taktischen Verteidigung lag nicht bei mehr als drei bis vier Kilometer und war zudem technisch schwach ausgerüstet.

    Nach Ansicht von Marschall Bagramjan, damaliger Stabschef der Südwest-Front, war das Kommando der Südfront maßgeblich dafür verantwortlich, insbesondere ihr Oberbefehlshaber, General Malinowski, der zugelassen habe, dass ein großer Teil seiner Kräfte für einen (letztlich erfolglosen) Teilangriffseinsatz abkommandiert worden sei, so dass er auf einen Gegenangriff der Deutschen nicht vorbereitet war.

    Durch die schwere Niederlage der sowjetischen Truppen bei Charkow erhielt die Wehrmacht die Möglichkeit, eine strategische Offensive am südlichen Abschnitt der sowjetisch-deutschen Front zu starten, was sie im Sommer 1942 auch tat.

    Keinen Trost brachten im Mai auch die Kämpfe im Norden, an der Leningrader Front, wo die Wehrmacht die Schlinge um die eingekesselte 2. Stoßarmee immer weiter zuzog. Nachdem die Armeeflagge mit einem Flugzeug ins Hinterland befördert worden war, begann im Grunde der Todeskampf dieses Verbandes. Die Armee trat ihren Rückzug über den "Korridor" bei Mjasnoi Bor an, wo es zu schrecklichen Kämpfen kam. Am 30. Mai gingen Truppenteile der Wehrmacht mit Unterstützung der Bomber- und der Schlachtflieger zum Angriff über und riegelten am nächsten Tag den "Korridor" ab, wodurch sie den Deckel des "Kessels", in dem mehr als 40 000 Menschen gefangen waren, endgültig schlossen.

    Schlacht der Seegiganten

    Während in Europa gigantische Schlachten auf dem Festland tobten, kam es auf den anderen Schauplätzen des Zweiten Weltkrieges hauptsächlich zu Seekämpfen. Das war durch die Notwendigkeit bedingt, in erster Linie die Stoßkraft Japans – seine Seekriegsflotte – außer Gefecht zu setzen. Vom 4. bis 8. Mai ereignete sich in der Korallensee eine große Schlacht zwischen der japanischen und der amerikanisch-britischen Marine, bei der auf beiden Seiten erstmals große Verbände mit Flugzeugträgern zum Einsatz kamen. Im Ergebnis verloren die Seiten je einen Flugzeugträger und je einen Zerstörer sowie mehrere Dutzend Flugzeuge. Die Zahl der Toten belief sich bei den Alliierten auf mehr als 600, bei den Japanern auf mehr als 900 Menschen.

    Obwohl ein Remis, wurde die Schlacht für die Japaner zum Misserfolg, weil sie auf ihre Pläne verzichten mussten, die Hauptstadt Neuguineas einzunehmen.

    Auf dem Festland sah es weit besser für die Japaner aus. Am 1. Mai eroberten sie die zweitgrößte Stadt Burmas, Mandalay, und am 5. Mai die Seefestung Corregidor auf den Philippinen.

    Am 5. Mai begann die Operation "Panzerschiff": die Einnahme Madagaskars (das dem mit Deutschland verbündeten Vichy-Frankreich gehörte). Im Einsatz waren die Streitkräfte Großbritanniens, Australiens und der Südafrikanischen Union. Das wichtigste Ziel bestand darin, die Japaner daran zu hindern, einen Flottenstützpunkt auf der Insel einzurichten. Die ungebetenen Gäste stießen auf erbitterten Widerstand, der mehrere Monate später gebrochen werden sollte. In den Kämpfen, die bis zum 6. November 1942 dauerten, verloren beide Parteien etwas mehr als 250 Soldaten. Verglichen mit der Ostfront handelte es sich um lokale Gefechte.

    In Nordafrika startete die von General Rommel geführte Panzerarmee einen erneuten Angriff. In der Nacht zum 27. Mai griff der berühmte "Wüstenfuchs" die britischen Stellungen westlich von Tobruk an und durchbrach sie. Allerdings sollte Tobruk, sein sehnlichster Wunsch, erst knapp einen Monat später fallen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

     

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