20:58 29 März 2017
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    Lage in Damaskus immer instabiler Augenzeugenberichte

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    Die Situation in Damaskus hat sich nach Ansicht von Einwohnern der Stadt nach der Ankunft der ausländischen Beobachter wesentlich verschlechtert. Faktisch jede Nacht greifen bewaffnete Gruppierungen Kontrollposten der Armee an der Einfahrt in die Stadt und Vertreter der Sicherheitskräfte an.

    Mussa (28), Journalistin, Damaskus:

    Die Situation in Damaskus hat sich nach Ansicht von Einwohnern der Stadt nach der Ankunft der ausländischen Beobachter wesentlich verschlechtert. Faktisch jede Nacht greifen bewaffnete Gruppierungen Kontrollposten der Armee an der Einfahrt in die Stadt und Vertreter der Sicherheitskräfte an.

    Nicht selten kommen dabei Zivilisten ums Leben. Vorstadteinwohner, die die bewaffnete Opposition unterstützen und allgemeine Unzufriedenheit im Lande provozieren wollen, blockieren mehrmals am Tag die in die Hauptstadt führenden Fernstraßen mit brennenden Autoreifen. Immer häufiger kommt es zu Überfällen auf Privatautos und zu Entführungen.

    Die meisten Einwohner, die von RIA Novosti befragt wurden, sehen im aktuellen Geschehen nichts anderes als Provokationen, die auf eine Torpedierung des Plans von Kofi Annan gerichtet sind. Den Höhepunkt dieser Provokationen bilde das Massaker am 25. Mai in Hula.

    Viele von denen, die in der syrischen Regierung und in der Armee die Hauptschuldigen gesehen hatten, haben inzwischen ihre Haltung revidiert und sprechen immer häufiger von einer „dritten Kraft“ (Terroristen, die von außen finanziert werden). Vor diesem Hintergrund wächst auch die Sympathie für die Armee.

    Ein anderer Teil der Befragten (hauptsächlich Sunniten oder Kommunisten) sehen allerdings in der jetzigen Entwicklung einen Weg zum Sieg und betrachten den Terror als eine begründete Reaktion auf das Vorgehen der Behörden.

    Anbei einige Stimmen aus Damaskus und Deraa

    Ahmad (40), Distributor, Damaskus:

    Die Situation in der Hauptstadt hat sich in den letzten Monaten stark verändert. Vor neun Monaten hatte ich sechs Angestellte, alle Geschäfte in der Stadt waren geöffnet. Heute habe ich nur noch zwei Mitarbeiter, und die Geschäfte brauchen meine Arbeit als Warenlieferer nicht mehr, weil alles sehr teuer geworden ist. Selbst das türkische Olivenöl ist heute billiger als das syrische. In Damaskus haben die Menschen weniger Angst um ihre Sicherheit als vor einer Verschlechterung der Wirtschaftssituation. Sie wissen nicht, was weiter kommt.

    Aisha (60), Hausfrau, Deraa:

    Wir verlassen unser Haus kaum noch, höchstens um Lebensmittel oder Medizin zu kaufen - oder Gasflaschen, die defizitär geworden sind. Die Preise sind so unglaublich hoch geworden, dass sich eine Durchschnittsfamilie nicht einmal Hühnereier leisten kann.

    Deraa ist eine Agrarregion, wir haben stets von unserem Acker gelebt. Jetzt ist aber die Ernte hin, weil sich niemand entschließen kann, das Haus zu verlassen und den ganzen Tag auf dem Feld zu verbringen. Nach Sonnenuntergang geht niemand mehr aus dem Haus.

    Ahmad Al Khatib (49), Mitglied des revolutionären Kommandorates, Damaskus: Die Situation in Damaskus unterscheidet sich vom restlichen Land, weil dort hauptsächlich Beamte und Offiziere leben, die Assad unterstützen. Die Leute gehen noch in Cafés und Restaurants, aber viel weniger als früher. Die Händler sehen indessen ein, dass sie mit dem jetzigen Regime nicht überleben, und schließen sich dem Protest an. Kürzlich hat der größte Markt in Damaskus gestreikt, dies war der erste derartige Streik seit die Baath-Partei an der Macht ist. Die Wirtschaftssituation verschlechtert sich mit jedem Tag.

    Ahmed (48), politischer Kommentator, Damaskus:

    Ich bestreite nicht, dass es bewaffnete Gruppierungen gibt, die wirklich Menschen entführen, um damit Geld zu erpressen, und die ohne Abstimmung mit der Armee der Aufständischen agieren. Viele sehen aber ein, dass diese Gruppierungen ein Resultat des Regimes sind, das dieses völlige Chaos im Lande zugelassen hat. Für viele in Damaskus war das Massaker in Hula der Wendepunkt in ihrer Einstellung zum Regime und zur Opposition.

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