05:51 26 September 2017
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    Rubel auf Talfahrt: Bitte anschnallen!

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    Weltweite Finanzkrise (425)
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    Der russische Rubel schwankt weiter zwischen Hoffen und Bangen. Im Juni hat Russlands Zentralbank trotz großer Verkäufe der russischen Währung den Korridor zum Dollar-Euro-Währungskorb nicht verändert.

    Der russische Rubel schwankt weiter zwischen Hoffen und Bangen. Im Juni hat Russlands Zentralbank trotz großer Verkäufe der russischen Währung den Korridor zum Dollar-Euro-Währungskorb nicht verändert.

    Nach Angaben des stellvertretenden Vorsitzenden der Zentralbank, Sergej Schwezow, erfolgen derzeit kaum Eingriffe auf dem inländischen Währungsmarkt. Doch die Gelassenheit der Zentralbank bedeutet nicht, dass eine weitere Krisenwelle ausgeschlossen werden kann. Experten zufolge wird die Volatilität auf den Weltmärkten noch lange anhalten. Sie empfehlen den Kleinanlegern, sich sehr vorsichtig zu verhalten und die Ersparnisse in der Währung anzulegen, die sie im Alltag nutzen.

    Rubel: Platz 13 neben Rand, Yuan und schwedischer Krone

    Wie in den beiden vergangenen Monaten ist der Kurs der russischen Nationalwährung im Juli weiterhin starken Schwankungen unterlegen. Zu Beginn des Monats erstarkte der Rubel, weil der Ölpreis auf fast 100 Dollar pro Barrel gestiegen war.

    Doch am Mittwochmorgen verlor der Rubel wieder stark an Wert. In den ersten Minuten des Devisenhandels an der MICEX-RTS-Börse stieg der Dollar um zwölf Kopeken auf 32,27 Rubel und der Euro um neun Kopeken auf 40,63 Rubel.

    Wird der Rubel gegenüber Dollar und Euro an Wert verlieren? Diese Frage beschäftigt Investoren, Unternehmer und werktätige Russen, die ihr Geld für irgendwelche Anschaffungen auf die Seite legen.

    Experten und Vertreter der Finanzbehörden geben zwar verschiedene Prognosen ab, sind sich aber bei einem Thema einig: Die Kursschwankungen werden noch lange anhalten, was mit der Instabilität auf den weltweiten Finanzmärkten zusammenhängt.

    „Die Volatilität des Marktes wird wohl noch lange andauern. Sie hängt in vielerlei Hinsicht damit zusammen, dass jemand für das bis 2007 genutzte Modell zahlen muss, als Waren auf Kredit gekauft wurden und der maßlose Konsum die für die künftigen Generationen vorgesehene Produktion schluckte“, sagte Schwezow.

    Doch Schwezow betonte, dass der Kurs des Rubels gegenüber dem Euro und dem Dollar nicht entscheidend sei. Heute werde das Rubel-Dollar-Verhältnis eher aus Gewohnheit als Zeichen für die Stabilität der Nationalwährung angesehen, so der Experte.

    „Wenn man sich die Währungen der Schwellenländer, der BRICS-Länder, der Industrieländer genauer ansieht, ist die Situation nicht so eindeutig. Man kann kaum behaupten, dass der Rubel in diesem Jahr schwächer oder stärker geworden ist. Wir beobachten die Situation bei 18 Währungen. Am Montagabend lag der Rubel auf Platz 13. Die ersten neun Währungen erstarkten gegenüber dem Dollar. Umgekehrt lief es bei den restlichen neun. Am stärksten verloren der brasilianische Real, die japanische Yena, die indische Rupie, der Euro und der Schweizer Franken an Wert. Umgeben ist der Rubel vom südafrikanischen Rand, chinesischen Yuan und der schwedischen Krone“, sagte Schwezow.

    Ihm zufolge wird der Rubelkurs von der Zentralbank zurzeit kaum streng reguliert. „Vor zehn Jahren begann der Übergang zu einer fließenden Kurs-Bewegung. Als Orientierungspunkt wurde der Euro-Dollar-Korb eingeführt. Dadurch wurde die Wirtschaft davon abgebracht, den Dollar als nominellen Anker der Inflation zu sehen. Heute werden viele Transaktionen der russischen Exporteure und Importeure innerhalb der GUS in Rubel durchgeführt. Zudem nutzen wir den Euro und fördern den Rubel im Handel mit China“, sagte Schwezow.

    Russlands Zentralbank will den Dollar-Euro-Korridor bislang nicht antasten. Ende Mai lag er zwischen 32,15 und 38,15 Rubel.

    39 Rubel gegenüber Dollar-Euro-Korb möglich

    Dennoch widerspiegeln die Rubel-Schwankungen die Situation im Lande und hinterlassen Spuren bei der Wirtschaft und den Bürgern.

    Experten schließen nicht aus, dass die russischen Behörden den Rubel abwerten könnten, um ihre Haushaltsverpflichtungen zu erfüllen.

    „Die hohe Abhängigkeit der Einnahmen im Staatshaushalt von den weltweiten Ölpreisen (mehr als 50 Prozent) könnte dazu verführen, die Rubelabwertung zur Erhöhung der laufenden Haushaltseinnahmen und zur Aufwertung der im Reservefonds und im Wohlstandsfonds angelegten Mittel bei der Umrechnung in Rubel zu nutzen. Der Zentralbankchef lehnt diese Option zwar strikt ab, doch angesichts aller Umstände ist diese Variante offenbar nicht ausgeschlossen“, heißt es in einer neuen Ausgabe des Bulletins „Kommentare über Staat und Business“.

    „Wenn es einen weiteren langfristigen Rückgang der Ölpreise auf unter 90 Dollar geben wird, kann es zu einer Veränderung des Währungskurses und Währungskorridors kommen. In diesem Fall könnte der Rubel auf etwa 39 Rubel gegenüber dem Dollar-Euro-Korb abrutschen“, sagte die Vizepräsidentin der Gazprombank, Jekaterina Trofimowa.

    Ihr zufolge wird die Situation auf den Weltmärkten, darunter in der russischen Wirtschaft, nicht nur von den Problemen in der EU, sondern auch von der Situation in den USA abhängen.

    „Die USA, deren Wirtschaft und Währung immer noch dominieren, lösen immer mehr Befürchtungen aus. Am Jahresende kann sich dieses Thema erheblicher auf die Dynamik der Märkte auswirken. Dass die US-Staatsschulden die zulässige Obergrenze erneut überschreiten werden, ist nicht ausgeschlossen“, sagte Trofimowa. Die politische Situation in den USA sei derzeit sogar etwas angespannter als im Sommer des Vorjahres.

    „Die Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und den wichtigsten Parteien haben sich zugespitzt. Zudem wollen die USA zu Beginn des kommenden Jahres viele Steuerermäßigungen abschaffen. Nach unterschiedlichen Schätzungen kann dies zu einer massiven Verlangsamung des US-Wachstumstempos führen. Wenn es dazu kommen sollte, sind die Probleme der europäischen Wirtschaft ein Witz im Vergleich zu den Blasen an den US-Märkten“, sagte Trofimowa.

    Marktspiele nur für Profis

    Laut Schwezow ist die russische Wirtschaft jedoch besser gegen äußere Schocks als 2008 gewappnet.

    „Wir haben stabilere Finanzströme als vor 2008, als es große Blasen und eine erhebliche Dollarisierung der Kreditportfolios in den Geschäftsbanken gab. Nach 2008 hat die Wirtschaft ihre Lehren aus den Währungsrisiken gezogen und geht diese nicht mehr ein“, sagte Schwezow.

    Doch die Frage besteht darin, was mit den Ersparnissen in Russland geschehen werden soll. Dies beunruhigt sowohl Investoren als auch einfache Bürger.

    Laut Trofimowa soll man eine Zeitlang auf risikobehaftete Operationen sowohl am Währungsmarkt als auch an der Wertpapierbörse verzichten. „Der Markt ist derzeit nur etwas für Profi-Investoren. Für die Bevölkerung wäre es wohl am richtigsten, sich möglichst konservativ zu verhalten“, sagte die Expertin.

    Unter professionellen Investoren versteht Trofimowa nicht diejenigen, die sich darin gut auskennen, sondern diejenigen, die sich täglich 24 Stunden damit befassen. Wenn freie Mittel vorhanden seien, sollten sie in der Währung der bevorstehenden Ausgaben gehalten werden, so die Expertin.

    Die bei den Russen beliebten Devisengeschäfte seien derzeit sehr riskant. Es würden eher Verluste drohen, sagte Trofimowa.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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