22:37 18 Februar 2018
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    Neue Marschflugkörper für Russlands Luftwaffe und Marine

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    Die russischen Luftstreitkräfte werden bis Ende dieses Jahres neue strategische Flügelraketen (Marschflugkörper) erhalten.

    Die russischen Luftstreitkräfte werden bis Ende dieses Jahres neue strategische Flügelraketen (Marschflugkörper) erhalten.

    Das kündigte der russische Vizeverteidigungsminister Alexander Suchorukow am Mittwoch an. 

    Um welchen Typ von Flügelraketen es sich handelt, präzisierte Suchorukow nicht. Vermutungen sind jedoch möglich.

    „Was die Flugzeugbewaffnung angeht, so haben wir ein neues Raketenmodell. Die ersten zwei Starts waren sehr erfolgreich. Im August werden zwei neue Tests unternommen, dann nehmen wir diese Rakete in die Bewaffnung auf“, so Suchorukow.

    Er unterstrich, dass es sich um eine strategische Flügelrakete handle. Zudem informierte er, dass in diesem Jahr zusätzlich eine neue Hyperschallrakete getestet werden soll. Konkrete Code- und Herstellernamen nannte Suchorukow zwar nicht, aber die Auswahl ist sehr begrenzt.

    Nachfahren der sowjetischen Pendants der US-„Tomahawk“-Raketen

    Vermutlich ist die Rede von einer neuen Modifikation der Raketenfamilie X-101/X-102, die vom Konstruktionsbüro Raduga in Dubna (gehört dem Konzern „Taktische Raketenrüstung“ an) entwickelt wurde. Dabei handelt es sich um Unterschall-Flügelraketen großer Reichweite (über 5000 Kilometer), die auf der Basis der Flugzeugraketen X-55 gebaut worden waren.

    Mitte der 1970er-Jahre hatte sich die Sowjetunion für eine „symmetrische Antwort“ auf die hochpräzisen US-Marschflugkörper vom Typ Tomahawk entschieden. In den 1980er-Jahren wurden die Modelle S-10 Granat (seegestützt) und RK-55 Relief (bodengestützt) - entwickelt vom Konstruktionsbüro Nowator in Swerdlowsk (heute Jekaterinburg) - in die Bewaffnung der sowjetischen Streitkräfte aufgenommen. Parallel wurden die nach Größe, Gewicht und Zweckbestimmung ähnlichen Flugzeugraketen X-55 in Dienst gestellt.

    Na endlich!

    Laut offen zugänglichen Quellen unterscheiden sich die Raketen X-101 und X-102 durch die Bewaffnung: Das Modell 101 kann mit konventionellen und das Modell 102 mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden. Die Langstrecken-Bomber Tu-95MS, Tu-160 und möglicherweise modernisierte Tu-22M3 können mit diesen Waffen ausgerüstet werden.

    Wann die Entwicklung dieser Waffen genau begonnen hat, ist nicht bekannt, aber ihr technischer Entwurf wurde spätestens 1995 auf Basis der sowjetischen Entwicklungen der 1980er-Jahre konzipiert. Bei ihnen handelt es sich also nicht um besonders neue Raketen. Damit hat jedoch die lange Wartezeit auf die Neuausrüstung der strategischen Fernfliegerkräfte endlich ein Ende gefunden.

    Die russischen und ausländischen Medien hatten schon häufig über den Beginn der Serienproduktion dieser Raketen berichtet, was allerdings von offizieller Seite nie bestätigt wurde. Erst im März 2012 teilte Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow mit, dass „eine neue luftgestützte Flügelrakete großer Reichweite“ inzwischen in die Bewaffnung aufgenommen worden sei.

    Demnach ist nicht auszuschließen, dass der erste neue Raketentyp (laut Serdjukow) bereits in Serie hergestellt wird und der zweite (von dem Suchorokow sprach) kurz davor steht.

    Hyperschallraketen in Sicht

    Darüber hinaus informierte Suchorukow, dass demnächst ein Test der neuen Hyperschallrakete stattfinden werde. „Vorläufige Tests sind schon in diesem Jahr geplant“, betonte er.

    Gemeint ist voraussichtlich ein prinzipiell neuer Angriffsraketenkomplex, von dem in verschiedenen offenen Quellen unter dem Codenamen „Zirkon“ bereits häufig gesprochen wurde.

    Es soll sich dabei um eine Anti-Schiffs-Rakete handeln. Daran könnte etwas wahr sein, denn in Russland wurden seegestützte Flügelraketen häufig nach Edel- bzw. Halbedelsteinen benannt. Das könnten die neuen „Flugzeugträger-Killer“ sein, wie sie in Sowjetzeiten genannt wurden.

    Im August 2011 hatte der Generaldirektor des Konzerns „Taktische Raketenrüstung“, Boris Obnossow, den Beginn der Entwicklung einer Rakete angekündigt, die eine Geschwindigkeit von Mach zwölf bis 13 (also zwölf- bis 13-mal schneller als die Schallgeschwindigkeit) erreichen könnte. Derzeit erreichen die der russischen Marine zur Verfügung stehenden Raketen eine Geschwindigkeit Mach zwei bis  2,5. (Die Testmodelle aus den 1980er-Jahren erreichten Mach drei.)

    Unklar ist jedoch, ob die von Obnossow angeführten Daten etwas mit „Zirkon“ oder mit einer anderen Hyperschallrakete zu tun haben. Der Hyperschall kommt in greifbare Nähe: Die USA testen derzeit den Prototyp X-51 Waverider, der die 5-Mach-Geschwindigkeit bereits erreicht hat. Nicht auszuschließen ist also, dass die Russen nicht nur ein Zirkon-Modell, sondern gleich mehrere Modifikationen von Hyperschall-Angriffsraketen bauen werden.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.