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    Inselstreit zwischen Japan und China: Angst vorm Domino-Effekt

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    Gebietsstreit zwischen China und Japan (69)
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    Der japanisch-chinesische Konflikt um die umstrittene Inselgruppe im Ostchinesischen Meer könne schwelende Territorialstreitigkeiten in Asien auflodern lassen, so Valeri Kistanow, Leiter des Zentrums für japanische Forschungen am Fernostinstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften.

    Der japanisch-chinesische Konflikt um die umstrittene Inselgruppe im Ostchinesischen Meer könne schwelende Territorialstreitigkeiten in Asien auflodern lassen, so Valeri Kistanow, Leiter des Zentrums für japanische Forschungen am Fernostinstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften.

    Der Inselstreit zwischen China und Japan hatte sich vor einer Woche zugespitzt, als die japanische Regierung drei von insgesamt fünf Inseln der Inselgruppe Senkaku (chinesisch: Diaoyutai-Inseln) von einem privaten Besitzer kaufte. In China brachen daraufhin anti-japanische Proteste aus. Die chinesischen Behörden riefen Tokio dazu auf, den Kauf der umstrittenen Inseln rückgängig zu machen.

    „Falls etwas Ernsthaftes um die Senkaku-Inseln geschieht, wird sich dies nach dem Domino-Prinzip auf andere Konflikte ausdehnen. Die ganze Region wird explodieren“, sagte Kistanow.

    Die Senkaku-Inseln  werden neben China und Japan auch von Taiwan beansprucht. Im Südchinesischen Meer streiten sich sechs Länder (China, Taiwan, Vietnam, Malaysia, Philippinen und Brunei) um die Spratly-Inseln. In der Nähe befinden sich die Paracel-Inseln, die von China, Taiwan und Vietnam beansprucht werden. Um die im Japanischen Meer gelegenen Dokdo-Inseln streiten sich Japan und Südkorea. Japan beansprucht vier Kurilen-Inseln, die nach dem Zweiten Weltkrieg an die Sowjetunion und später an Russland gegangen waren.

    Die Angst vor einer Kettenreaktion sei ein Argument, dass es trotz der angespannten Beziehungen zwischen Peking und Tokio nicht zu einem militärischen Konflikt kommen wird.

    „Ich denke nicht, dass es zu einem Krieg oder einer militärischen Konfrontation kommen wird“, sagte Kistanow. Sowohl Tokio als auch Peking seien nicht an einem militärischen Konflikt interessiert.

    Zudem seien Japan und China wirtschaftlich zu eng miteinander verbunden, um einen Krieg vom Zaun zu brechen. China ist Japans wichtigster Handelspartner. In China sind mehr als 30.000 japanische Unternehmen tätig. Laut Kistanow hat Japan mehr oder weniger problemlos die Weltwirtschaftskrise von 2008 überstanden. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass Japan seine Waren  auf dem boomenden chinesischen Markt absetzt, während die Märkte Europas und Nordamerikas stagnieren.

    Ein weiterer zurückhaltender Faktor ist das Sicherheitsbündnis zwischen Japan und den USA. „Beide Länder wissen, dass Japan bei einem ernsthaften Konflikt im Kampf gegen China nicht allein gelassen wird, weil Japan mit den USA durch einen Sicherheitsvertrag verbunden ist“, sagte der Experte. Er betonte, dass die USA laut diesem Vertrag Japan helfen müssen, falls es angegriffen wird.

    Dem Experten zufolge wollen sowohl Peking als auch Tokio den Konflikt friedlich beilegen. Bislang sind keine Kriegsschiffe aufgetaucht. Zu den umstrittenen Inseln wurden lediglich Fischer- und Patrouillenboote geschickt. „Trotz des großen Ausmaßes der anti-japanischen Aktionen in China bin ich der Ansicht, dass dies der Höhepunkt des Konfliktes ist. Demnächst werden sie nachlassen“, sagte Kistanow.

    Laut Kistanow werden sich die chinesisch-japanischen Beziehungen aus innenpolitischen Gründen nicht sofort normalisieren. In China wird demnächst der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei abgelöst. In Japan wird die Auflösung des Parlaments erwartet. Doch viele japanische Experten seien der Ansicht, dass China wirklich nicht daran interessiert sei, dass die anti-japanischen Stimmungen zunehmen, weil sie sich auf die chinesische Regierung ausweiten könnten, sagte der russische Wissenschaftler.

    Laut Sergej Osnobischtschew, Direktor des Instituts für strategische Einschätzungen, wird der Konflikt um die Diaoyutai-Inseln kaum zum Ausbruch von anderen latenten Gebietsstreitigkeiten führen.

    Ein Domino-Effekt sei nicht zu erwarten. Es komme selten vor, dass die Anführer anderer Länder nach der Zuspitzung von Territorialstreitigkeiten zwischen anderen Ländern zur Lösung der eigenen Konflikte greifen, so der Experte.

    „Jeder territoriale Streit hat eigene Ursachen, eine eigene Logik, eine eigene Geschichte und eigene alte Kontroversen“, so Osnobischtschew.

    Dabei betonte er, dass der Gebietsstreit zwischen Peking und Tokio zu ernsthaften Komplikationen führen könne. „Sowohl China als auch Japan sind sehr starke Mächte. Es handelt sich um orientalische, ehrgeizige, selbstbewusste Mächte. Im schlimmsten Fall kann es zu direkten Zusammenstößen führen. Er hoffe jedoch, dass dies verhindert werden kann.

    Doch dabei handelt es sich nicht um eine militärische Konfrontation. „Das Nationalgefühl bewirkt bei  Menschen immer Handlungen. Jetzt sind chinesische Fischerboote auf dem Weg zu den umstrittenen Inseln. Japanische Schiffe sind dort wohl auch zu erwarten… Das ist der Osten mit seiner speziellen Mentalität. Das ist schwierig aufzuhalten“, so Osnobischtschew.

    Peking und Tokio streiten um die Grenze der Hoheitsgewässer um die Inseln. Tokio fordert, in der Mitte des Gewässers die Grenze zu ziehen. Peking will die Grenze weiter in Richtung Japans Küste verschieben.

    Laut Japan sind die Inseln bereits seit 1895 in seinem Besitz. China erinnert jedoch daran, dass die Diaoyutai-Inseln auf japanischen Karten von 1783 und 1785 als chinesisches Territorium gekennzeichnet sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg befanden sich die Inseln unter Kontrolle der USA und wurden 1972 an Japan übergeben. Taiwan und China sind der Ansicht, dass Japan die Inseln illegal kontrolliert. Laut Japan beanspruchen China und Taiwan diese Inseln seit den 1970er-Jahren, als sich plötzlich herausstellte, dass es in diesem Gebiet viele Bodenschätze gibt.

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