18:45 25 September 2017
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    Weltuntergang 2012: Salz, Streichhölzer und Angstverbot

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    Kein Hahn krähte bis Ende November nach dem zentralrussischen Städtchen Omutninsk, jetzt aber kennen sogar die Amerikaner diesen Namen. Berühmtheit erlangte der Ort dank dem in der Lokalzeitung unter Berufung auf einen tibetischen Mönch annoncierten drohenden Blackout und der Leichtgläubigkeit der Einwohner.

    Kein Hahn krähte bis Ende November nach dem zentralrussischen Städtchen Omutninsk, jetzt aber kennen sogar die Amerikaner diesen Namen. Berühmtheit erlangte der Ort dank dem in der Lokalzeitung unter Berufung auf einen tibetischen Mönch annoncierten drohenden Blackout und der Leichtgläubigkeit der  Einwohner.

    Wegen Hamsterkäufen sind die Regale in den Läden des Ortes wie leergefegt. Die Einwohner horten Streichhölzer, Kerzen, Salz, Petroleumlampen, Nudeln und Konserven. Für die Panik sorgte ein Artikel der Lokalzeitung „Omutninskije Westi“  (Omutninsker Nachrichten) über einen tibetischen Mönch, der ab dem 21. Dezember eine drei bis vier Tage lange Finsternis prophezeit. Dabei könnten zehn Prozent der Weltbevölkerung sterben. Die Überlebenden sollten sich deshalb einen Lebensmittelvorrat für zwei Monate anschaffen, die Städte verlassen und meditieren.

    Wohlgemerkt: In dem Beitrag, der übrigens als Lückenfüller auf der letzten Seite der Zeitung neben dem Kreuzworträtsel in der Rubrik Vermischtes erschien, ging es nicht einmal um den berüchtigten Maya-Kalender, der angeblich am 21.12.12. zu Ende geht, was weltweit als das Datum des Weltuntergangs ausgelegt wird.

    „Salz und Streichhölzer“ – das ist die Überlebensformel, die die Russen im Zuge der zahlreichen Erschütterungen im 20. Jahrhundert  mit Revolutionen und Kriegen, Hungersnot und Repressalien längst auswendig gelernt haben. In der Luxus-Variante kommen noch Seife und Kerzen dazu. Handlich und hält lange, diese harte Währung für die Krisenzeit, gegen die alles – von Mehl bis Diamanten – zu tauschen ist. Der von den leidgeprüften Vorfahren überlieferte Reflex setzte sofort ein, als die Weisheiten des tibetischen Mönchs den Einwohnern von Omutninsk zu Ohren kamen.            

    Die Einwohner der sibirischen Industriestadt Tomsk sind da schon besser informiert – jedenfalls wissen sie bereits seit langem über die Probleme mit dem Maya-Kalender Bescheid. Eine dortige Firma bietet dort bereits – abnehmergerecht – „Weltuntergang-Sets“, schön verpackt, im Handel an: Kerzen, Streichhölzer, Fischkonserven, Notizblock mit Bleistift, Strick und Seife sowie noch ein paar Kleinigkeiten. Für umgerechnet rund 22 Euro.

    Der russischen Regierung gefällt diese Entwicklung anscheinend gar nicht. Zunächst musste der Zivilschutzminister den Landsleuten erklären, dass kein Grund zur Panik bestehe. Die Behörde verfolge die Entwicklung aufmerksam und erwarte keine Erschütterungen infernalen Charakters.

    Russlands Chefsanitätsarzt sprach schon strenger mit dem Volk. Er wisse absolut sicher, dass es keinen objektiven Grund gebe, ernsthaft von einem Weltuntergang zu sprechen. Solche Diskussionen und Medienberichte verfolgten lediglich das Ziel, „die öffentliche Meinung zu beunruhigen und die ohnehin durch negative Information überhitzte Situation weiter zu erhitzen“.

    „Es handelt sich um eine unmittelbare Beeinflussung der Gesundheit der Menschen, wenn ihnen eingetrichtert wird, dass in weniger als einem Monat alles vorbei sei“, betonte der Arzt. „Die Zeit wird kommen, und wir werden die Menschen, die diese Gerüchte verbreiten, vor Gericht stellen.“ 

    Die Staatsduma richtete indes ein spezielles Schreiben an die Chefs der größten Fernsehsender mit der „Bitte“, von der Verbreitung „pseudowissenschaftlicher Informationen über den Weltuntergang“ Abstand zu nehmen. Diese würden sich negativ auf den psychophysischen und emotionalen Zustand vieler Menschen auswirken und  einige von ihnen zu inadäquaten Handlungen provozieren, während tausende von Schurken, Pseudozauberern und „Propheten“ das populär gewordene Thema ausnutzen, um die Stimmungen leichtgläubiger Menschen zu missbrauchen.

    Salz und Streichhölzer, Drohungen und Verbote, Strick und Seife – jeder bereitet sich in Russland auf seine eigene, unbedingt aber spezifisch russische Art auf den Weltuntergang vor.

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