02:17 24 Februar 2017
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    Deutsches Werk und Russlands Beitrag: Welt liest für Pussy Riot

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    Gerichtsprozess gegen Pussy Riot (176)
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    Das magische Datum 12. 12. 2012 – für viele ein idealer Hochzeitstermin. Die weltweite Fangemeinde der wohl berühmtesten queer-feministischen Punkband aller Zeiten hatte Besseres zu tun: Das Internationale Literaturfestival Berlin rief zu einer internationalen Lesung für Pussy Riot auf.

    Das magische Datum 12. 12. 2012 – für viele ein idealer Hochzeitstermin. Die weltweite Fangemeinde der wohl berühmtesten queer-feministischen Punkband aller Zeiten hatte Besseres zu tun: Das Internationale Literaturfestival Berlin rief zu einer internationalen Lesung für Pussy Riot auf.

    In Berlin, Hamburg, Innsbruck, Basel, aber auch in weiter entfernten Destinationen wie Melbourne, Casablanca, Santa Barbara, Toulouse und Straßburg, London oder Athen war man (und insbesondere auch frau) dem Aufruf gefolgt. Die Einnahmen aus den Soli-Veranstaltungen sollen den zu Haftstrafen verurteilten russischen Punkrockerinnen und der Demokratieentwicklung in Russland zugutekommen.

    In Moskau ticken die Uhren bekanntlich etwas anders. Die, die nicht gerade heirateten, saßen am 12/12/12 (um 12 Uhr 12 und 12 Sekunden) zu Tausenden vor den Fernsehern und lauschten dem russischen Präsidenten, der in seinem Jahresfazit die Landesbevölkerung unter anderem zum Kinderkriegen anhielt.

     

    „Mutter Gottes, werde Feministin"

    Die Adeptinnen der Moskauer Schule des Feminismus – laut Eigendefinition eine offene Selbstbildungseinrichtung von Frauen für Frauen – aber hielt am Abend nichts auf ihren vier Buchstaben. Durch den eisigen Wind, der die tatsächlichen minus 12 Grad zu gefühlten minus 21 machte, kämpften sie sich in eine kürzlich eröffnete Galerie unweit der Erlöserkirche, in der Pussy Riot ihr schicksalhaftes „Punk-Gebet“ aufgeführt hatten.

    So nahe an dem im Volksmund bereits als „Pussy-Riot-Kathedrale“ bezeichneten Gotteshaus galt es den Vorwurf zu dekonstruieren, dass Pussy Riot nur im Westen hofiert würden, während in der Heimat kein Hahn nach ihnen krähe.

    Einen Ort für eine derartige Veranstaltung zu finden war dabei gar nicht so leicht, erzählt die Frau hinter dem „Heimspiel“ für Pussy Riot, Olgerta  Kharitonova. Die Galerie Ümlaüt (auf Russisch mit in der Kyrilliza unüblichen Umlaut-Zeichen geschrieben), war nicht die erste Anlaufstelle. Menschenrechtsorganisationen hatten zuvor abgesagt – die einen mit Ausreden, die anderen wegen ideologischer Differenzen.

    Am Ort des Geschehens lasen vor etwa drei Dutzend ZuhörerInnen sieben Frauen in wechselnden Sturmhauben (von denen gab es nämlich nur sechs) etwa 40 Minuten lang aus den Gerichtsstatements des Künstlerinnenkollektivs.

     

    Being Pussy Riot

    Nein: „Die Echte“, Pussy-Riot-Mitglied Jekaterina Samuzewitsch, die im Oktober nach einem Berufungsverfahren freikam, war nicht dabei. Auch die anderen Frauen, wenngleich einige von ihnen mit aus dem Kontext der berühmten russischen feministischen Punkband  bekannten Nicknames vorgestellt wurden, gaben im Anschluss an die Lesung zu verstehen, dass sie nicht der „Originalbesetzung“ angehören. So schade das anwesende JournalistInnen (etwa ein Drittel des Publikums ist mit Kameras verschiedenster Größe ausgerüstet) auch fanden, spielt dieser Umstand in Wirklichkeit keine Rolle. Wie Fans aus aller Welt wissen, ist jede Frau in Sturmmaske quasi ein bisschen Pussy Riot. So gesehen könne der Abend als ein Pussy-Riot-Auftritt gelten – „in neuer Zusammensetzung und in neuem Format - statt im Punk-Genre im Genre Lesung“, heißt es am nächsten Tag auf der Facebook-Seite des Soli-Events.

    „Alle wollten einfach zeigen, dass, selbst wenn der Staat zwei Pussy-Riot-Mitglieder eingesperrt und einer weiteren eine Bewährungsstrafe angehängt hat, dies nicht bedeutet, dass die Behörden damit das Problem der Proteste gelöst haben. Die Worte von Pussy Riot, ihre Message und ihre Gedanken klingen weiter.“

     

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