12:08 13 Dezember 2017
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    Tabak und Freiheit

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    Es geschah vor ein paar Jahren im Londoner Flughafen Heathrow. Bis zum Abflug hatte ich noch etwa anderthalb Stunden. „Wo darf man hier rauchen?“ fragte ich einen Angestellten. „Wo fliegen Sie hin?“ fragte er nicht gerade höflich zurück. „Nach Moskau.“ „Aha, dann werden Sie nächstes Mal in Moskau rauchen dürfen“, antwortete er und grinste hämisch.

    Es geschah vor ein paar Jahren im Londoner Flughafen Heathrow. Bis zum Abflug hatte ich noch etwa anderthalb Stunden. „Wo darf man hier rauchen?“ fragte ich einen Angestellten. „Wo fliegen Sie hin?“ fragte er nicht gerade höflich zurück. „Nach Moskau.“ „Aha, dann werden Sie nächstes Mal in Moskau rauchen dürfen“, antwortete er und grinste hämisch. 

    Wie stolz war ich in dem Augenblick auf mein freies Heimatland, wo man so gut wie überall immer noch rauchen darf. Selten wollte ich so sehr möglichst schnell weg aus diesem unfreien Westen.

    Nun will man aber Schluss machen mit dieser Freiheit in Russland: Der Präsident signierte ein entsprechendes Gesetz, das genauso rigoros ist wie die Anti-Tabak-Restriktionen im Westen.

    Ausgerechnet im Londoner „The Guardian“ liest man heute einen von heuchlerisch vorgetäuschtem Mitgefühl durchdrungenen Text: Ach, diese armen Russen, ihnen wird nun etwas ganz Wichtiges weggenommen: „Poverty, fatalism, and unbearably grey six-month winters may explain why Russians cling on to life's simple pleasures, notably cigarettes and booze.“

    Genauso frech drückt sich „The Times“ aus: „Das neue Gesetz wird eine der wenigen Freiheiten einschränken, auf die sich die Russen unabhängig von ihren politischen Überzeugungen verlassen konnten.“ 

    Leicht wird es bestimmt nicht sein, dem Volk diese „Freiheit“ zu entreißen: In Russland rauchen 70 Prozent der Männer und 26 Prozent der Frauen – keine Minderheit also. Das russische Sprichwort lautet aber: Die Strenge der russischen Gesetze wird durch die Unverbindlichkeit ihrer Befolgung gemildert.

    Ich erinnere mich an einen Skandal vor einigen Jahren im New Yorker Uno-Quartier, als der jetzige Außenminister Sergej Lawrow, damals noch der russische Uno-Botschafter, sich weigerte, das im Uno-Wolkenkratzer verhängte Rauchverbot zu befolgen. Er hat demonstrativ weiter geraucht – und niemand konnte etwas dagegen tun.

    Schließlich kann man es auch auf die sanfte Tour versuchen: Bei RIA Novosti haben die Nichtraucher jahrelang einen Nichtraucher-Lohnzuschuss bekommen. Immerhin umgerechnet 50 Euro im Monat. 

    Was mich anbelangt, habe ich schon vor Jahren mit dem Rauchen Schluss gemacht. Es ging einfach wie von selbst schrittweise weg. Ich weiß aber nicht, wie ich auf eine von oben verfügte Zwangsbeglückung in Form eines Rauchverbots reagiert hätte.

    Eine Parallele mit dem Anti-Alkohol-Kampf in Russland drängt sich auf. Kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges hat Zar Nikolaus II. eine Art Prohibition verfügt. Drei Jahre später kam die Revolution, die den Zaren stürzte. Mitte der 80er-Jahre versuchte Gorbatschow,  den Alkoholkonsum einzuschränken. Wenige Jahre später kam es zum Zerfall der UdSSR.

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