03:59 19 August 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Mephisto ist tot

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 501

    Einmal sah ich Boris Beresowski im Theater. Er stand im Foyer, den linken Arm lässig auf die Schulter seiner Frau gelegt, und lächelte leicht schelmisch. Es gefiel ihm anscheinend, dass die Zuschauer rundherum ihn mit seiner wesentlich jüngeren hübschen Begleiterin anglotzten. Es war Ende der 90er-Jahre, Beresowskis Macht und Einfluss waren auf ihrem Höhepunkt. Der Niedergang war nicht mehr weit entfernt.

    Einmal sah ich Boris Beresowski im Theater. Er stand im Foyer, den linken Arm lässig auf die Schulter seiner Frau gelegt, und lächelte leicht schelmisch. Es gefiel ihm anscheinend, dass die Zuschauer rundherum ihn mit seiner wesentlich jüngeren hübschen Begleiterin anglotzten. Es war Ende der 90er-Jahre, Beresowskis Macht und Einfluss waren auf ihrem Höhepunkt. Der Niedergang war nicht mehr weit entfernt.

    Die schreibende Zunft verglich ihn hin und wieder mit Mephisto: allmächtig, undurchsichtig, hinterlistig – und mit dem deutlichen Hang, Menschen zu verführen, für sich zu gewinnen und dann zu manipulieren. Auch sein Äußeres ließ ihn eher zu den Kreaturen der Schattenwelt zählen. 

    Verwunderlich insofern, wie oft er Menschen aus seinem engen Kreis falsch einschätzte. Die bekanntesten Fälle sind seine dritte Ehefrau Jelena Gorbunowa, sein früherer Geschäftspartner Roman Abramowitsch und Wladimir Putin, den Beresowski gern für seinen politischen Zögling ausgab. Beresowski verlor gegen alle drei – im privaten, im geschäftlichen und im politischen Leben. Die ersten zwei haben ihn ausgenommen, der dritte hat ihn als Politiker demontiert.

    Nicht nur die Kreml-loyalen Medien – auch Menschen um den Kreml herum haben Beresowski gern dämonisiert. Ihm wurden oft Ränkespiele und sonstige gegen Russlands Staatsspitze gerichtete Gemeinheiten zugeschrieben, die in Wirklichkeit gar nicht seine waren. Für die Rolle des Russland-Feindes war er absolut geeignet.

    Man hat Beresowski in den letzten Jahren sichtlich vermisst, als ihm anscheinend nach all den Gerichtsprozessen, Verlusten, Niederlagen und anderen Strapazen die Puste ausging. Sein böser Geist hatte sich schon seit längerer Zeit weitgehend verflüchtigt. 

    2000 floh er nach England. Dass die innenpolitische Landschaft Russlands gleich mit Engeln bevölkert wurde, sobald der Böse weg war, kann man bei Gott nicht behaupten. Das Böse verlor dafür an dämonischem Charme.