03:25 26 März 2017
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    Vor 80 Jahren errichtet: KZ Dachau das Schreckenslager

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    80 Jahre sind seit der Einrichtung des ersten Konzentrationslagers im damaligen faschistischen Deutschland vergangen.

    80 Jahre sind seit der Einrichtung des ersten Konzentrationslagers im damaligen faschistischen Deutschland vergangen.

    Am 22. März 1933 verkündete der Gestapo-Chef und damalige Innenminister Bayerns, Heinrich Himmler, die Eröffnung des KZ Dachau in der Nähe von München.

    Bis 1945 wurden mehr als 250 000 Menschen aus 24 Ländern nach Dachau deportiert.

    Das KZ wurde von seinem künftigen Kommandanten Theodor Eicke an der Stelle eines alten Munitionsbetriebs konzipiert. Es galt als Vorbild für alle anderen Konzentrationslager, die in Deutschland später eingerichtet wurden: Viele Foltermethoden wurden dort erstmals angewandt. Eicke entwickelte ein System, bei dem Häftlingen die Funktion des Aufsehers überlassen wurde, die dann die anderen Insassen noch rabiater behandelten, nur um ihr eigenes Dasein zu erleichtern.

    Ursprünglich sollten im KZ Dachau nur Männer untergebracht werden, überwiegend Hitlers politische Gegner. Dann folgten jene, die die „Reinheit der arischen Rasse“ gefährdeten: Kommunisten, Sozialisten, Drogensüchtige, Prostituierte und Geisteskranke. Die Dachau-Häftlinge arbeiteten ohne Entgelt in nahegelegenen Betrieben, darunter in den Fabriken des Konzerns IG Farbenindustrie.

    Himmler war von Eicke als Kommandant des KZ Dachau und als Anhänger der nazistischen Ideologie beeindruckt und beförderte ihn am 30. Januar 1934 zum SS-Brigadenführer. Im Mai wurde Eicke beauftragt, andere Konzentrationslager nach dem Vorbild Dachaus zu reorganisieren.

    Seit 1935 wurden alle Verurteilten direkt nach Dachau oder in andere KZs gebracht. Die ersten Juden in Dachau waren auch politische Gegner des Dritten Reichs. Sie wurden deutlich schlechter als andere Häftlinge behandelt. Kurze Zeit später kamen nach Dachau auch Roma (die neben Juden zu den niedrigsten Rassen gezählt wurden) sowie Homosexuelle, Zeugen Jehovas (die den Wehrdienst verweigerten), Priester (die gegen die Kontrolle der NSDAP über die Kirche protestierten) und viele andere Menschen, die Kritik am Nazi-Regime geübt hatten.

    Die Juden wurden immer intensiver verfolgt, und dementsprechend wuchs ihre Zahl in Dachau: Nach der Kristallnacht am 9. November 1938 wurden mehr als 10 000 deutsche Juden inhaftiert. Nach der „Endlösung der Judenfrage“ 1942 führte ihr Schreckensweg aus Dachau und anderen deutschen Konzentrationslagern hauptsächlich in die Vernichtungslager in Polen.

    Im Sommer 1939 trafen Züge mit mehreren tausend Österreichern in Dachau ein. Unter ihnen waren Juden, Widerstandskämpfer, Priester und andere Menschen, die nicht mit den Nazis kooperieren wollten.

    Im Laufe des Zweiten Weltkriegs folgten derartige Transporte aus allen von Deutschland besetzten Ländern.

    Das KZ Dachau war von einem elektrifizierten Zaun und einem Wassergraben umgeben. Mit der Ankunft im Lager wurden die Häftlinge zu Rechtlosen: Ihnen wurden die persönlichen Habseligkeiten weggenommen und der Kopf geschoren. Dann mussten sie die gestreifte Lageruniform anziehen. Jeder Häftling bekam seine eigene Identifikationsnummer und ein entsprechend farbiges Dreieck, das seine Kategorie (Jude, Roma, Homosexueller usw.) anzeigte. Die Häftlinge wurden rund um die Uhr von Wächtern kontrolliert und konnten jederzeit grausam bestraft werden. Aufgrund der minimalen Essensration war bitterer Hunger ihr ständiger Begleiter.

    Die KZ-Häftlinge wurden von den Nazis als kostenlose Arbeitskraft ausgenutzt: Sie mussten Straßen bauen, in Steinbrüchen arbeiten, Sümpfe trockenlegen usw.

    Mit der Intensivierung der Kriegshandlungen wurde die Waffenproduktion zunehmend wichtiger. Zu diesem Zweck wurden Tausende Juden aus Ungarn, der Tschechoslowakei, Polen und der Sowjetunion nach Dachau gebracht, um dort in den Rüstungsfabriken zu arbeiten. Um die 37 000 Häftlinge unterzubringen, wurden 36 große Lager an Dachau angeschlossen. Auch Privatunternehmen nahmen die Zwangsarbeiter in Anspruch. Die Häftlinge arbeiteten bis zum Umfallen. Danach wurden sie durch gesündere ersetzt.

    Außerdem wurden an den Häftlingen von Dachau neue Medikamente getestet. NS-Arzt Sigmund Rascher untersuchte beispielsweise den Einfluss der Höhe und des Luftdrucks auf den menschlichen Organismus. Zu diesem Zweck wurden die getesteten Häftlinge in eine Druckkammer eingesperrt. Der bekannte Tropenmediziner Klaus Schilling leitete in Dachau ein Labor zur Malaria-Forschung. Bei der Suche nach Medikamenten gegen diese Krankheit wurden nahezu 1000 Häftlinge mit Malaria angesteckt. Zudem wurden in Dachau zahlreiche pseudowissenschaftliche Experimente durchgeführt: Einige Häftlinge wurden vergiftet, um ihre Reaktion auf neue Medikamente zu testen. Anderen wurde in die Haut geschnitten, um blutstillende Mittel zu erproben. Zudem wurden an den Häftlingen von Dachau die Wirkungen der Einnahme von Meerwasser getestet. Auch ein Tuberkuloselabor gab es.

    Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele sowjetische Soldaten nach Dachau gebracht. Sie wurden in der Regel sofort erschossen, ohne registriert zu werden. Wie Theodor Eicke sagte, durften seine Soldaten keine anderen Götter außer Hitler haben und mussten töten, ohne mit der Wimper zu zucken. Um neue Soldaten zu testen, wurde in Dachau ein Übungsplatz mit einer Betonmauer eingerichtet. In den Kriegsjahren wurden in dem KZ mehr als 7000 sowjetische Kriegsgefangene getötet.

    Die letzten Monate vor der Befreiung waren für die Dachau-Häftlinge besonders schrecklich. Während der Offensive der Alliierten wurden tausende Häftlinge aus anderen Lagern nach Dachau gebracht. In den für höchstens 200 Gefangene vorgesehenen Baracken wurden bis zu 1600 Menschen untergebracht. Die Typhus-Seuche raffte jeden Tag 100 bis 200 Menschen dahin.

    Die Häftlinge gründeten ein geheimes internationales Komitee. Am 28. April 1945 brach in Dachau ein Aufstand aus, um die Auslöschung des Lagers durch die SS zu verhindern. Am 29. April wurden die am Leben gebliebenen Häftlinge (insgesamt 30 000) von den US-Truppen befreit.

    Im Laufe von zwölf Jahren wurden mehr als 250 000 Menschen aus 24 Ländern nach Dachau gebracht. 70 000 von ihnen, darunter 12 000 sowjetische Bürger, starben oder wurden getötet.

    Nach dem Krieg wurden 40 SS-Soldaten aus dem Wachdienst des KZ Dachau verhaftet. Zwischen 15. November und 14. Dezember 1945 wurden sie von den Amerikanern vor Gericht gestellt. 36 von ihnen wurden zum Tode verurteilt.

    1960 wurde in Dachau ein Mahnmal für die Opfer des Faschismus eingeweiht.

    1965 wurde auf Initiative von früheren Häftlingen und unter Mitwirkung der bayerischen Landesregierung die KZ-Gedenkstätte Dachau gegründet. An der Stelle der früheren Baracken richteten ehemalige Häftlinge eine Pappelallee ein. An der Stelle des Krematoriums steht heute ein Gedenkstein mit der Aufschrift „Denket daran, wie wir hier starben“.


    Für diesen Artikel wurden offene Quellen verwendet.

     

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