03:27 26 März 2017
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    Russischer Klassiker als Bestseller-Autor in der Schweiz

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    Der Züricher Verlag Dörlemann riskierte vor zehn Jahren seinen Start mit einer Erzählung des russischen Klassikers Iwan Bunin aus dem Jahre 1923. Das Buch kam überraschend auf die Bestsellerliste. Von dem Zeitpunkt an bleibt die Verlagsgründerin Sabine Dörlemann dem Thema Russland treu.

    Wer hätte das geahnt: 50 Jahre nach seinem Tod schafft es der russische Klassiker Iwan Bunin 2003 auf deutschsprachige Bestsellerlisten!

    Wirklich plötzlich und zufällig: Die Züricherin Sabine Dörlemann riskierte den Start ihres frisch gegründeten Verlages Dörlemann mit Bunins Meistererzählung „Ein unbekannter Freund“ (1923). Der schlicht elegante dunkelblaue Band fiel dem deutschen Fernsehen auf, das über das randlose Büchermeer die Frankfurter Buchmesse berichtete.

    Iwan Bunin. Ein unbekannter Freund. Deutsch von Swetlana Geier

    Dies war ein absoluter Glücksfall, gibt Frau Dörlemann zehn Jahre später in einem Gespräch mit RIA Novosti zu.  Dank der lobenden Erwähnung im Fernsehen habe das Buch Verkaufszahlen erreicht, mit denen der Newcomer-Verlag bei seinem Erstling nicht einmal im Traum rechnen konnte. Es war insofern ein perfekter Traumstart.

    Mit der kurzen Erzählung von Bunin habe der Verlag den russischen Klassiker für das deutschsprachige Publikum faktisch neu entdeckt, so Dörlemann. „Die wenigsten wussten nämlich, dass Bunin der erste russische Literatur-Nobelpreisträger war.“

    Der kleine Züricher Verlag machte den Geheimtipp Bunin zu einem Dauerbrenner: In den darauf folgenden Jahren brachte er weitere Bunin-Bände mit Werken heraus, die zum Teil erstmals ins Deutsche übersetzt wurden. 

    „Der Verlag hat mich angefragt, ob ich mir vorstellen könne, eine mehrbändige Ausgabe von Prosa Iwan Bunins zu übersetzen“, so Dorothea Trottenberg, namhafte Züricher Literatur-Übersetzerin. „Inzwischen zieht sich das Projekt schon über mehrere Jahre hin, ich beginne gerade die Arbeit am sechsten Band, Erzählungen von 1912.“

    Marina Rumjanzewa. Auf der Datscha. Eine kleine Kulturgeschichte und ein Lesebuch

    „Bunin war für mich eine Entdeckung – ich hatte vorher nur wenige Werke von ihm gelesen -, aber vor allem auch für den deutschsprachigen Leser“, so Trottenberg in einem Interview mit RIA Novosti. „Bunin war der erste Literaturnobelpreisträger aus Russland (1933), aber auf dem deutschsprachigen Markt völlig in Vergessenheit geraten. Ich hoffe, dass wir – ich als Übersetzerin, Thomas Grob als Herausgeber und der Dörlemann-Verlag - ihn neu positionieren können. Wir wollen dabei nicht nur Texte übersetzen, die es früher schon auf Deutsch gab, sondern auch diejenigen Texte, die bisher noch nie übersetzt waren. So haben wir mit ‚Verfluchte Tage‘ und ‚Der Sonnentempel‘ zwei Bände publiziert, die es auf Deutsch bisher noch nie gab.“

    „Bisher scheint das Konzept gelungen, die Resonanz ist durchwegs sehr positiv, und die Bunin-Ausgabe stößt auf großes Interesse“, stellt die Übersetzerin fest.

    Der überraschende Erfolg von „Oldtimer“ Bunin war sicherlich einer der Gründe, warum sich Dörlemann zur Herausgabe von Werken anderer Russen entschloss: „Familienglück“ und „Hadschi Murat“ von Lew Tolstoj sowie weniger bekannte Titel Iwan Turgenevs(1818-1883) und Valentin Katajews (1897-1986).

    Von Sweltana Geier, die seinerzeit ihrer guten Freundin Sabine Dörlemann ihre Übersetzung von Bunins „Der unbekannte Freund“ geschenkt und damit den sensationellen Firmenstart „vorprogrammiert“ hatte, erschien im Verlag 2013 das Buch „Statt einer russischen Literaturgeschichte. Puschkin zu Ehren“.

    Sicherlich wäre Dörlemann, wie sie selbst gesteht, nicht abgeneigt, nicht so tief in der russischen Literaturgeschichte graben zu müssen. Die im deutschsprachigen Raum bekannten zeitgenössischen russischen Autoren wie Wladimir Sorokin oder Viktor Pelewin stehen aber bereits bei deutschen Mammut-Verlagen unter Vertrag.

    Dennoch fand Dörlemann einen Weg, ihre „russische Serie“ weiterzuführen: Vor einigen Jahren erschien in ihrem Verlag ein Essay der die in Zürich lebenden Journalistin Marina Rumjanzewa (übrigens eine ehemalige Mitarbeiterin von RIA Novosti) unter dem Titel „Auf der Datscha“ - eine historische Abhandlung über das russische Phänomen des Vorort-Domizils, dem literarische Texte russischer Klassiker wie Tolstoj, Dostojewski, Puschkin und Tschechow wie auch einiger zeitgenössischer Autoren beigefügt wurden, in denen die Datscha im Mittelpunkt steht oder zum Ort der Handlung wird.

    Ein weiteres Buch der Wahl-Züricherin – wieder zu einem Russland-Thema – soll 2015 erscheinen.

    Und was Nobelpreisträger anbelangt - für die hat Sabine Dörlemann offenbar einen Riecher: 2013 war sie prompt auf dem Markt mit Büchern der frisch gebackenen Preisträgerin Alice Munro - Übersetzungen hatte sie bereits „auf Lager“. Oder was dies, genauso wie mit Bunin, bloß ein Zufall?

     

     

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