01:15 24 April 2018
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    Trübe Aussichten für Russlands Wirtschaft

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    Im zweiten Quartal 2014 ist keine Besserung für die russische Wirtschaft in Sicht. Die Industrie stagniert weiter, Großprojekte werden auf Eis gelegt, die Inflation steigt wegen des abgewerteten Rubels.

    Im zweiten Quartal 2014 ist keine Besserung für die russische Wirtschaft in Sicht. Die Industrie stagniert weiter, Großprojekte werden auf Eis gelegt, die Inflation steigt wegen des abgewerteten Rubels.

    Nur der Kapitalabfluss kann sich angesichts der Stabilisierung der Lage auf der Krim verlangsamen. Doch das allein reicht nicht aus, um den Investoren die Angst vor massiven Verlusten zu nehmen.

    Finanzanalysten und Investmentfirmen rechnen damit, dass Russlands BIP-Wachstum im zweiten Quartal bei 0,45 Prozent und das Wachstum der Industrieproduktion bei 0,3 Prozent liegen wird. Die Investitionen ins Grundkapital würden um 1,7 Prozent zurückgehen. Die Inflation wird zum 1. Juni bei 6,7 Prozent liegen (statt der prognostizierten fünf bis 5,5 Prozent).

    Experten zufolge wird der Kapitalabfluss im Vergleich zum ersten Quartal um 50 bis 70 Prozent zurückgehen.

    „Das zweite Quartal wird die erste Periode einer Rezession seit der akuten Krisenphase 2008-2009 sein. Der Rückgang der Wirtschaftsaktivitäten wird einer der Gründe sein, weshalb das Wachstum der Verbraucherpreise bremsen und die Inflationsrate im Jahresausdruck stark zurückgehen wird“, so der Wirtschaftsexperte von AFK Sistema, Jewgeni Nadorschin. Der Experte erwartet einen BIP-Rückgang von 1,2 Prozent im zweiten Quartal.

    Rezession unvermeidbar?

    Laut Natalja Akindinowa von der Moskauer Wirtschaftshochschule  ist keine Besserung für Russlands Wirtschaft im zweiten Quartal zu erwarten.

    „Die Wiederbelebung im Februar (BIP-Wachstum von 0,3 Prozent) war eine vorübergehende Erscheinung. Das war eine Korrektur nach den schlechten Zahlen vom Januar. Die Behörden kümmern sich nicht so sehr um bessere Wachstumszahlen, sondern legen ihren Schwerpunkt auf die Lösung der  Krim-Krise und anderer Aufgaben“, sagte Akindinowa.

    „Im zweiten Quartal ist eine technische Rezession wegen der Verschiebung der Investitions- und Konsumentscheidungen angesichts der Ungewissheit und der zurückhaltenden Haushalts- und Währungspolitik zu erwarten“, sagte Darja Issakowa von VTB Kapital. Der BIP-Rückgang würde im zweiten Quartal bei 0,1 Prozent liegen, am Jahresende wird es ein Nullwachstum geben. Damit könne gerechnet werden, falls die EU und die USA keine harten Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängen, so die Expertin.

    Laut Kirill Tremassow von der Nomos-Bank befindet sich die russische Wirtschaft auf einer Talfahrt, es handele sich nicht um eine Stagnation, sondern um eine Rezession.

    Im ersten Quartal habe die Rubel-Abwertung die Russen zu größeren Ausgaben bewegt, jetzt würden sie mehr sparen, so Tremassow. Im zweiten Quartal würde der Rückgang der Verbrauchernachfrage deutlicher zu spüren sein. Das sei der Hauptfaktor bei der Verschlechterung der makrowirtschaftlichen Zahlen, so der Experte.

    Vergebliches Warten auf Investitionswachstum

    Im Januar und Februar gingen die Investitionen ins Grundkapital um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück, auch wenn sich der Rückgang im Februar etwas verlangsamte.

    Einer der Gründe für diesen Rückgang ist neben der Ukraine-Krise die Tatsache, dass viele Staatskonzerne ihre Investitionsprojekte beendet und neue Projekte auf Eis gelegt haben. Zudem habe eine striktere Geldpolitik zum weiteren Investitionsrückgang geführt und das Wirtschaftswachstum maßgeblich beeinflusst, so Dmitri Sawtschenko von der Nordea Bank.

    Falls die EU und die USA ihre Sanktionen gegen Russland verschärfen, würden die Investitionen noch weiter zurückgehen, weil es strengere Finanzierungsbedingungen und einen weiteren Vertrauensverlust seitens der Wirtschaft geben würde, so die Agentur S&P.

    Laut Expertin Akindinowa wird in diesem Jahr sehr zurückhaltend zu Investitionen gegriffen. „Die staatlichen Investitionen würden nicht zurückgehen, wenn die geplanten Projekte auf der Krim gestartet werden und in Projekte investiert wird, die mit Mitteln aus dem Nationalen Wohlstandsfonds mitfinanziert werden. Doch insgesamt sind sie schwach“, so die Expertin.

    Wie der russische Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew in der vergangenen Woche betonte, soll die Finanzierung der ersten sieben Projekte mit Geldern aus dem Wohlstandsfonds bereits in diesem Jahr beginnen.

    Kapital fließt ab

    Der reine Kapitalabfluss lag im ersten Quartal bei mehr als 60 Milliarden Dollar. Sollten die russischen Behörden den Rubel-Kurs stabilisieren und die Investoren davon überzeugen, ihr Kapital nicht aus Russland abzuziehen, kann der Abfluss verringert werden.

    „Der Kapitalabfluss wird unvermeidlich sinken, wenn sich die geopolitische Situation um die Ukraine stabilisiert. Das kann im zweiten Quartal passieren. Doch der Abfluss wird zum Jahresende auf einem hohen Niveau bleiben“, so Sawtschenko. Im zweiten Quartal sei ein Abfluss von 15 Milliarden Dollar und am Jahresende von 100 Milliarden Dollar zu erwarten.

    „Wir erwarten nicht, dass ein ständiger Kapitalabfluss zur Normalität wird. Der Rubelkurs muss sich auf dem aktuellen Niveau stabilisieren. Der Kapitalabfluss wird sich verlangsamen und mäßig sein“, so S&P.

    Inflation grassiert weiter

    Die russischen Finanzbehörden haben bereits zugegeben, dass die prognostizierte Inflationsrate von fünf bis 5,5 Prozent für dieses Jahr nicht erreicht wird. Finanzminister Siluanow erwartet eine Inflationsrate von knapp sechs Prozent. Nach Angaben der russischen Statistikbehörde Rosstat wuchs die Inflation bis zum 24. März um zwei Prozent. Am Ende des Jahres soll sie bei 6,4 Prozent liegen.

    Wirtschaftsminister Uljukajew rechnet damit, dass die prognostizierte Jahresinflation von sieben Prozent bereits Mitte des Jahres erreicht wird. Im zweiten Halbjahr dürfte die Inflation wieder sinken. „2014 sollte sich die durchschnittliche Inflationsrate auf 6,8 Prozent belaufen“, so die S&P-Experten. Eine Verlangsamung des Inflationswachstums sei 2015 zu erwarten, wenn die Rubel-Abwertung an Einfluss verliert.