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    Wegen Williams-Witz: Strafe gegen russischen Verbandschef

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    Die Weltranglistenerste Serena Williams hat am Sonntag empört auf einen Scherz des Präsidenten des russischen Tennisverbands, Schamil Tarpischtschew, reagiert. Tarpischtschew wurde von der Spielerinnenorganisation WTA für ein Jahr gesperrt. Williams bezeichnete seine Äußerungen als sexistisch und rassistisch. Trotz seiner Entschuldigung konnte Tarpischtschew den Ärger in der Tenniswelt damit nicht aus der Welt schaffen.

    Die Weltranglistenerste Serena Williams hat am Sonntag empört auf einen Scherz des Präsidenten des russischen Tennisverbands, Schamil Tarpischtschew, reagiert. Tarpischtschew wurde von der Spielerinnenorganisation WTA für ein Jahr gesperrt. Williams bezeichnete seine Äußerungen als sexistisch und rassistisch. Trotz seiner Entschuldigung konnte Tarpischtschew den Ärger in der Tenniswelt damit nicht aus der Welt schaffen.

    Der Scherz und seine Folgen

    Am 7. Oktober waren der russische Verbandspräsident Schamil Tarpischtschew und die ehemalige Tennisspielerin Jelena Dementjewa in der russischen Late-Night-Show „Wetscherni Urgant“  als Gäste aufgetreten. Als der Moderator Iwan Urgant über seine Reise zu den Olympischen Spielen in London erzählte, sagte er: „… da spielte Marija Scharapowa gegen einen der…“. Da fügte Tarpischtschew „…Williams-Brüder“ hinzu.  Er sprach damit die physischen Eigenschaften der US-Tennisspielerinnen Serena und Venus Williams an. Der Präsident des russischen Tennisverbands FTR wurde von der WTA zudem mit einer Strafe von 25.000 US-Dollar belegt.

    Die WTA reagierte zehn Tage nach der Ausstrahlung der Sendung auf die verbale Entgleisung Tarpischtschews. „Die Äußerungen von Schamil Tarpischtschew im russischen Fernsehen über zwei der größten Athletinnen in der Geschichte des Damentennis sind beleidigend, erniedrigend und haben absolut keinen Platz in unserem Sport. Tarpischtschews Worte beschädigen unseren großartigen Sport und zwei unserer Champions. Für seine Kommentare muss er bestraft werden“, sagte WTA-Chefin Stacy Allaster in einer Pressemitteilung.

    Die WTA forderte eine Entschuldigung Tarpischtschews an die Williams-Schwestern. Tarpischtschew reagierte einige Stunden später auf die Aufforderung der WTA. „Mit den Äußerungen wollte ich niemanden der Sportlerinnen kränken. Die Williams-Schwestern sind zweifellos hervorragende Sportlerinnen und zeigen Tennis der Spitzenklasse, sozusagen auf einem anderen Niveau. Dank ihren Erfolgen und ihrer Leistung werden sie in der Tennis- und der Sportwelt für immer im Gedächtnis bleiben. Sie verkörpern Kraft und Hartnäckigkeit“, sagte Tarpischtschew.

    Myskina und Safin verteidigen Tarpischtschew

    In der russischen Tenniswelt wird die Sperre Tarpischtschews als ein Missverständnis bewertet. „Ein Williams-Fan hat daraus einen Skandal gemacht. Dies geschah absichtlich vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse. Meines Erachtens sollten wir alle darüber schmunzeln und daran glauben, dass dies nicht aus böser Absicht getan wurde, und Serena und Venus bei ihren Spielen weiter unterstützen“, sagte die Kapitänin des russischen Fed-Cup-Frauenteams, Anastassija Myskina.
    „Wenn man den Wunsch hat, kann man diesen Konflikt größer machen als er ist. Wir haben bereits von einer Strafe und der Entschuldigung  Tarpischtschews gehört. Ich bin davon überzeugt, dass er sich entschuldigt, weil niemand etwas Böses im Sinn hat“, so Myskina.

    Der ehemalige russische Tennisspieler Marat Safin bezeichnete die Reaktion der WTA auf die Äußerungen Tarpischtschews in einer humoristischen Show als unsinnige Aktion. „Ich verstehe nicht, warum darüber überhaupt diskutiert wird. Das ist totaler Wahnsinn, geschaffen aus dem Nichts. Das sind erwachsene Menschen, man benimmt sich aber wie Kinder. Ich bin davon überzeugt, dass niemand jemanden kränken wollte.  Niemand hier ist ein Rassist, niemand hat etwas Böses gewollt. Man sollte versuchen, den Tennissport in den Vordergrund zu stellen statt darüber zu reden, wer was gesagt hat“, sagte Safin.

    „Die WTA sollte sich mit anderen Dingen beschäftigen. Das ist alles Nonsens“, fügte Safin hinzu. „Alle kennen Tarpischtschew und wissen genau, dass er nichts Böses gemeint hat. Das sind anerkannte Leute, sie beschäftigen sich jedoch mit unsinnigen Sachen“.

    Scharapowa kritisiert Tarpischtschew

    Bei Serena Williams kam die Entschuldigung nicht an. Bei einer Pressekonferenz am Sonntag vor dem WTA-Finale in Singapur bezeichnete sie die Äußerungen Tarpischtschews als sexistisch und rassistisch. „Für eine Person in so einer verantwortungsvollen Position ist das inakzeptabel“, sagte Williams. „Ich war nicht besonders glücklich, als ich diese Worte hörte. Ich denke, viele haben ähnlich gefühlt. Doch die WTA und der US-Tennisverband leisten eine tolle Arbeit – sie gaben zu verstehen, dass solche Äußerungen von Personen in verantwortungsvollen Positionen in unserer heutigen Zeit inakzeptabel sind.“

    Auch Tennisspielerin Maria Scharapowa kritisierte Scharpischtschews Äußerungen als verantwortungslos. „Das ist eine äußerst respektlose Äußerung. Sie entspricht gar nicht seinem Posten. Das ist eine verantwortungslose Äußerung“, sagte Scharapowa, die von Ben Rothenberg, Journalist der „New York Times“, in Twitter zitiert wurde.
    Eine Lösung des Vorfalls scheint nicht in Sicht. Als Turnierchef des Kremlin Cups nahm Tarpischtschew an der Verleihungszeremonie mit der russischen Turniersiegerin Anastassija Pawljutschenkowa sowie den Siegerinnen im Doppelwettbewerb, der Schweizerin Martina Hingis und der Italienerin Flavia Pennetta, nicht teil.

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