10:47 22 Oktober 2020
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    Man meint allgemein, in der Welt würde jetzt ein terroristischer „Staat“ existieren. In Wirklichkeit sind es schon mehrere. Und sie alle sind gleichermaßen gefährlich und grausam.

    Ein effektiver Kampf zur Liquidierung eines „Territoriums des Terrors“ ist jetzt nur im Irak und in Syrien gegen den Islamischen Staat im Gange. An ihm beteiligen sich viele Staaten, Militärs mit fester Motivation, einen Sieg zu erringen. Es werden die modernsten Waffen und die modernste Technik eingesetzt. Strategisch wichtige Objekte konnten bereits zurückerobert, viele Funktionäre und Feldkommandeure vernichtet werden. Allerdings ist es den Terroristen gelungen, riesige Territorien zu besetzen, und selbst hier sind zur endgültigen Zerschlagung dieses „Kalifats“ noch mehrere Jahre erforderlich.

    Terroranschlag in Peschawar
    © REUTERS / Khuram Parvez
    Terroranschlag in Peschawar

    Am 16. Dezember wurde in einer Schule in Peschawar ein ungeheuerlicher Terroranschlag verübt. Er forderte mehr als 140 Opfer, darunter 133 Kinder, und erinnerte die Welt an einen anderen Herd des Terrorismus. Die Selbstmordattentäter aus der Gruppierung Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP) rächten sich mit diesem Anschlag an der pakistanischen Armee für deren Operation, um den ewig widerspenstigen Teil Pakistans – Nord-Waziristan – unter ihre Kontrolle zu bringen. Dort war schon im Februar 2006 die Unabhängigkeit und die Gründung des „Islamischen Emirats Waziristan“ ausgerufen worden. Faktisch eines „Staates“ der pakistanischen und afghanischen Taliban.

    Die Letztgenannten verurteilten den Terroranschlag in Peschawar, aber sie erwähnten dabei auch ihre offizielle Bezeichnung – „Islamisches Emirat Afghanistan“. Noch lange vor dem „Islamischen Staat“ im Irak existierte hier bereits fünf Jahre lang das „Emirat“, wo Terroristen aus aller Welt Zuflucht fanden. Bis zum Ende des Krieges gegen dieses „Emirat“ ist es noch weit – anderthalbtausend Taliban kämpfen gegenwärtig um die Kontrolle über die afghanische Provinz Kunar. Ohne moderne Technik, die die westliche Koalition bei ihrem Abzug mitgenommen hat, ohne eine Koordinierung der Aktivitäten mit der pakistanischen Armee ist es in dieser Gebirgslandschaft schwierig, auf einen baldigen Sieg zu hoffen. Diese zwei „Emirate“ werden noch lange die leidgeprüfte Bevölkerung dieser Länder terrorisieren.

    In Afrika stehen die Dinge von Gruppierungen, die danach streben, einen Staat auszurufen, recht unterschiedlich. Die Gruppierung „Boko Haram“ will ein „Kalifat“ auf einem großen Teil  des Nordostens von Nigeria, auf einem Teil des Territoriums von Kamerun, Tschad und Niger gründen. Die nigerianische Armee kämpft so schlecht gegen diese Gruppierung, dass die Lokalbehörden die Bevölkerung aufrufen, sich und ihre Dörfer selbst zu verteidigen. Man könnte ihnen ebenso helfen wie zum Beispiel die USA im Irak. In Afrika gibt es eine Truppengruppierung – die AFRICOM. Ihre Führung erklärt, ihr Ziel sei es, die Stabilität zu erhalten. Aber aus irgendeinem Grunde werden die dortigen Armeen schlecht ausgebildet, und in der Not stehen sie keinem bei. Der Botschafter Nigerias in Washington beklagte sich sogar vor kurzem und sagte Folgendes: „Uns fällt es schwer zu verstehen, wie und warum es ungeachtet der Präsenz (des Militärs) der USA mit ihrer komplizierten Militärtechnik in Nigeria der ‚Boko Haram‘ gelingt, ihre Einflusszone zu erweitern und noch bedrohlicher zu werden.“

    Die Einflusszone der somalischen Gruppierung Ash-Shabab wird von den Regierungstruppen Kenias und Somalias unentwegt eingeschränkt. Seinerzeit kontrollierte sie weite Gebiete des Landes und war bestrebt, das ganze Territorium von Somalia zu erobern. Jetzt zieht sie sich in entlegene Gebiete zurück. Aber hier entsteht bereits ein Problem, mit dem man sich unweigerlich auch nach der Zerschlagung der Gruppierung Islamischer Staat konfrontiert sehen wird. Die Ash-Shabab geht in den Untergrund und wird von dort aus grausame Schläge bereits gegen das Territorium von Kenia führen.

    „Die Trainingslager hören und sehen alle“, sagt der Stammesälteste aus der Umgebung der libyschen Stadt Darnah. Hier waren schon im April die ersten Vertreter der Gruppierung Islamischer Staat aufgetaucht. Wie der Stammesälteste sagt, sei eine große Anzahl von Kämpfern der IS vieler Nationalitäten über das Meer in Libyen eingetroffen. „Jetzt verstecken sie sich nicht mehr und spazieren gern durch die Stadt“, sagte er. Allerdings sieht der Befehlshaber der AFRICOM bisher ihrerseits keinerlei Bedrohung. Er sagte, wenn sich IS-Kämpfer auch in Libyen befinden sollten, so nur, um ihre Anwesenheit zu demonstrieren.

    Wie derartige Gruppierungen ihre Anwesenheit demonstrieren, zeigte vor kurzem der Terroranschlag in Peschawar. Und nicht nur er allein. Am 28. November hatten Kämpfer der Boko Haram die Große Moschee in der Stadt Kano angegriffen. Es gab 120 Tote und 270 Verletzte. Zwei Selbstmord-Attentäterinnen haben sich auf einem Basar in die Luft gesprengt und 21 Menschen mit in den Tod gerissen. Bei einem Sprengstoffanschlag auf eine Busstation gab es 40 Tote. Und Anfang Dezember töteten Kämpfer der Ash-Shabab in Kenia 36 Menschen.

    Wie die Zeit gezeigt hat, demonstriert eine jede neue Generation von fanatischen Anarchisten immer mehr Grausamkeit und Unkalkulierbarkeit. Und um es einer solchen nächsten Generation nicht zu erlauben, groß zu werden, muss man ihr,  im direkten Sinne des Wortes, den Nährboden nehmen. So bald wie möglich, und nicht allein im Irak.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Taliban, Boko Haram