08:45 19 Juni 2019
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    Weltwirtschaftsforum 2015

    „Tiefdunkle Wolken über Davos“: Weltwirtschaftsforum in den Zeiten der Krise

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    Oleg Sewergin
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    Mit seiner Teilnehmerzahl – 2 500 Personen, darunter etwa 40 hochrangige Staatsmänner und Politiker – hat das diesjährige 45. Weltwirtschaftsforum in Davos Treffen einen neuen Rekord aufgestellt. Rekordmäßig ist aber auch der Umfang der Probleme, die es zu behandeln hat.

    Wie „Der Tagesspiegel“ mit gewisser Ironie bemerkt, sind „schwammige Slogans“ ein „fester Bestandteil des Forums“ geworden. Der diesjährige lautet „Der neue globale Kontext“. Die Zeitung erinnert daran, dass die Tagesordnung des Forums im Jahr 2006 als „Der kreative Imperativ“ formuliert war. Und vor vier Jahren polemisierten seine Teilnehmer um das Thema „Gemeinsame Regeln für die neue Realität“. Kann man die heutige Formulierung als verständlicher und konkreter betrachten?

    Vorerst, wie ein Kommentator ebenfalls nicht ohne Ironie bemerkte, kann man mit Bestimmtheit nur eines sagen: In Davos liegt Schnee. „Sonne und blauer Himmel“, so beschreibt zum Beispiel die deutsche Geschäftszeitung „Wirtschaftswoche“ die Situation in Davos und fährt fort: „Nur über dem Kongresszentrum in Davos hängen tiefdunkle Wolken. Unsichtbar zwar, aber allgegenwärtig in den Köpfen hunderter Topmanager und Spitzenpolitiker, die zum 45. Weltwirtschaftsgipfel in die Schweiz reisen.“

    Tatsächlich erinnert der „globale Kontext“, über den sich die führenden Vertreter des Weltbusiness und der Politik austauschen wollen, keineswegs an den blauen wolkenlosen Himmel über den Schweizerischen Alpen. Das schwache Wirtschaftswachstum, die sich vertiefende Kluft zwischen Arm und Reich, die steigende Arbeitslosigkeit und schließlich die Kriege, die Krisen, die zunehmende Terrorismusgefahr seitens des radikalen Islams – über einen Mangel an Problemen braucht man sich auf dem Planeten kaum zu beklagen.

    Im Vorfeld des Forums hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für das globale Wachstum um 0,3 Punkte auf 3,5 Prozent nach unten korrigiert. Nach einer Umfrage, die die internationale Organisation „Global CEO Survey“ mit Sitz in London in 77 Ländern durchführte, erwarten lediglich etwas mehr als ein Drittel der 1 300 befragten Unternehmenschefs eine Belebung der Weltwirtschaft. In Europa glauben nur 16 Prozent der Topmanager an eine Wirtschaftsbelebung.

    Analysten sprechen von der Gefahr einer Wiederkehr der Euro-Krise, was eine Zunahme der Arbeitslosenzahl bewirken wird. Wie dem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zu entnehmen ist, wird es zum Jahr 2019 in der Welt 219 Millionen Arbeitslose geben, im Jahr 2014 waren es 201 Millionen. Das bezieht sich auch auf Europa. In Portugal hat die Arbeitslosenzahl 13,7 Prozent der Erwerbsfähigen erreicht, in Spanien – 22,9 Prozent, in Griechenland – 26,4 Prozent. Es wächst auch die Kluft zwischen Arm und Reich. Wie die Chefin der Hilfsorganisation Oxfam, Winnie Byanyima, erklärte, die ebenfalls am Forum in Davos teilnimmt, würden bald nur ein Prozent der Superreichen auf der Erde so viel Vermögen angehäuft haben wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen.

    Das ursprüngliche Anliegen des Forums bestand darin, in Davos und ebenso bei regionalen Zusammenkünften prägnante Vertreter der wirtschaftlichen, politischen und intellektuellen Eliten zu versammeln. Diese Zusammenkünfte finden seit 1971 statt, haben jedoch merklich an Prägnanz und Attraktivität verloren. Darunter auch für Russland. 

    Der namhafte Moskauer Europa-Experte Dr. Wladislaw Below ist in Bezug auf das diesjährige Forum skeptisch: „Es werden die allgemeinsten Äußerungen ertönen“, sagte in einem Sputnik-Interview. „Darüber, dass man etwas tun müsse, dass man im Rahmen der Weltwirtschaft irgendwelche Maßnahmen treffen müsse. Aber ich erwarte keinerlei konkrete neue Ideen. Und wir hier in Russland werden nichts anders können, als diesen ‚Roman‘ fortzusetzen. Es geht um den Dialog, um unsere Präsenz auf den verschiedensten Ebenen, wo man uns erwartet oder auch nicht. Aber es ist nicht mehr die Lösung konkreter Probleme.“

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    Tags:
    Global CEO Survey, Weltwirtschaftsforum 2015, Oxfam, IWF, Winnie Byanyima, Wladislaw Below