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11:20 19 Oktober 2019
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    Griechenland und EU

    Fährt Griechenland gegen die Wand?

    © AP Photo / Petros Giannakouri
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    Der Wahlsieg der Linksradikalen Koalition Syriza in Griechenland dokumentiert, dass die bisherigen Anpassungsstrategien im Euro-Raum gescheitert sind. Laut Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin tut eine nachhaltigere Strategie Not, um das Wachstum in die gesamte Euro-Zone zurückzubringen.

    Es müsste einfach klar sein, dass die bisherige Wirtschaftsstrategie einfach nicht aufgeht, sagte der Experte in einer Livesendung von Radio Sputnik. „Wir können nicht über Jahre hinaus soziale Leistungen kürzen, ohne dass sich etwas bessert und dann erwarten, dass die Wählerschaft das mit sich machen lässt.“ Jetzt habe man auf der einen Seite eine tiefe Wirtschaftskrise und auf der anderen die Erkenntnis, dass Strukturreformen eine lange Zeit brauchen. „Kurzfristig können von Strukturreformen sogar negative Effekte ausgehen. Gleichzeitig sind diese Reformen bei einbrechender Nachfrage durchgeführt worden. Das ist längerfristig nicht durchzuhalten. Da fährt man gegen die Wand.“

    Stattdessen müsste eine nachhaltigere Strategie entworfen werden. „Es gilt für die Politiker im gesamten Euro-Raum, dass man nachdenken muss, wie man eben das Wachstum in die Euro-Zone zurückbringt. Über Strukturreformen – sicher. Aber das Problem ist, dass sie eine lange Zeit brauchen.“ Zu möglichen Wirtschaftsfolgen für Deutschland sagte der Experte: Die Bundesrepublik sei einer der Hauptgläubiger Griechenlands und habe mit 29 Prozent einen erheblichen Anteil am europäischen Stabilitätsmechanismus. „Wenn Kredite ausfallen, sind die Gelder für die deutschen Steuerzahler tendenziell weg. Man muss jetzt verhandeln, was letztendlich gemacht wird.“ Eine Lösung könnte sein, die Rückzahlung Griechenlands von der wirtschaftlichen Situation im Lande abhängig zu machen. „Es gäbe dann nur Rückzahlungen, wenn es Wachstum gibt.“

    Der Experte glaubt nicht, dass Griechenland aus dem Euro aussteigen wird, denn das wäre für das Land mit hohen Nachteilen verbunden. „Viele Haushalte und Unternehmen haben sich in Euro verschuldet. Wie können sie das denn zurückzahlen, wenn sie Drachmen haben. Die Drachme würde sehr stark abgewertet.“

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Syriza-Partei, Deutschland, Griechenland