11:38 19 Februar 2020
SNA Radio
    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 935
    Abonnieren

    Rund 16-Stunden-Marathon für den Frieden - die Krise in der Ukraine kann nicht über Nacht gelöst werden, zeigt der Gipfel in Minsk. Die Verhandler sollten sich lieber die Bilder von Donezk anschauen, und nicht nur gegenseitig in die Augen, meint Vize-Fraktionsvorsitzender der Linken, Wolfgang Gehrcke.

    Er hat die Bundeskanzlerin in zehn Jahren nie gelobt. Bis auf das jetzige Nein zur Waffenlieferung, das Angela Merkel geäußert hat. Eine für Wolfgang Gehrcke lobenswerte Entscheidung: „Für mich gibt es keine Alternative dazu, dass es Schießen aufhören muss. Ich habe in zehn Jahren die Bundeskanzlerin nie gelobt, das ist jetzt für mich eine richtige Premiere. Ich fand das völlig richtig, dass sie zusammen mit dem französischen Präsidenten diese Initiative ergriffen hat, das war auch mutig.“  Diese Entscheidung müsse man auch gegen die USA durchhalten, was nicht immer einfach sei, sagt  Gehrcke im Studio-Gespräch mit Sputnik-Korrespondenten Marina Piminowa und Nikolaj Jolkin. „Die Waffenlieferung wäre jetzt die größte Dummheit, die man machen kann. Am Ende steht dann ein unausweichlicher Krieg. Eine militärische Lösung gibt es nicht.“

    Der Fraktionsvorsitzende der Linken ist selbst in die Ukraine und nach Südrussland gereist, um dem Konflikt näher zu kommen, was auch für die Verhandler in Minsk zu empfehlen sei: „Ich rate den Verhandlern, nicht nur gegenseitig sich in die Augen zu schauen, sondern man muss sich auch die Bilder von Donezk anschauen, damit man weiß, worüber man verhandelt“.

    Was ihm bei der Reise in Kiew und in Odessa aufgefallen ist, sei „der ungeheure Hass, mit dem man über die Menschen im Osten gesprochen hat“. „Ich kenne das aus den frühen Jahren in der Bundesrepublik, da war der Begriff „Russe“ immer etwas abfällig. Und das hat sich geändert in Deutschland. Und in Kiew habe ich es wieder wahrgenommen, dass man sehr abfällig über Bürgerinnen und Bürger im eigenen Land spricht, die russischer Herkunft sind“, so Wolfgang Gehrcke. Für diesen Hass gebe Gehrcke zufolge es keine Argumente. „Man hat 70 Jahre besser oder schlechter zusammengelebt, man hat sich umarmt, man hat sich gestritten. Warum muss man sich nach dieser Zeit gegenseitig umbringen?“, meint er weiter.

    • Wolfgang Gehrcke, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE
      Wolfgang Gehrcke, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE
      © Sputnik /
    • Wolfgang Gehrcke mit Sputnik-Korrespondenten Marina Piminowa und Nikolaj Jolkin
      Wolfgang Gehrcke mit Sputnik-Korrespondenten Marina Piminowa und Nikolaj Jolkin
      © Sputnik /
    1 / 2
    © Sputnik /
    Wolfgang Gehrcke, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE

    Der Konflikt wird noch lange nicht vom Tisch sein, der einzige Weg bisher sei es, ihn einzufrieren, sagt der Abgeordnete. „Man muss den Konflikt einfrieren. Besser ein eingefrorener Konflikt, als ein heißer Krieg. Der zweite Schritt ist eine Souveränität, ein föderatives System der Region. Das müssen die Bürgerinnen und Bürger selber entscheiden. Dann muss man unbedingt humanitär helfen“, so Gehrcke.

    Das deutsche Nein zur Waffenflieg sei zu loben, die Grundrichtung in der deutschen Russland-Politik stimme allerdings leider nicht mehr, meint der Linke-Politiker: „Das Ganze ist aus den Gleisen geraten. Wir werden Sicherheit und Vernunft in Europa haben, wenn es eine gute Zusammenarbeit Deutschland-Russland und EU-Russland gibt.“ Er habe es für einen Grundfehler gehalten, dass man die Ukraine vor die Entscheidung gestellt hat: Eurasische Union oder Europa, „als ob Russland nicht zu Europa gehört“.

    Gehrcke hält es ebenfalls für einen Grundfehler, Russland aus dem Europäischen Verbund rausdrängen zu wollen. Am Russland sei unglaublich viel zu entdecken und diese Neugier sei bei der Mehrheit der deutschen Bevölkerung vorhanden.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Gehrcke: Jazenjuk auf Kalter-Kriegs-Reise
    Linke-Vizefraktionschef Gehrcke: Russland-Sanktionen sind Kalter Krieg
    Bundestagsabgeordnete über Schicksal ukrainischer Flüchtlinge entsetzt
    Erdogan mit Russland-Türkei-Gesprächen unzufrieden – Militäreinsatz in Idlib nur Frage der Zeit
    Tags:
    EU, Die LINKE-Partei, Angela Merkel, Wolfgang Gehrcke, Deutschland, Russland, Ukraine