15:52 24 September 2017
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    Sieben Jahre Kosovo-„Unabhängigkeit“: fremdbestimmt ins Desaster

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    Brankica Ristic, Tanja Trikic
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    Vor sieben Jahren erklärte das Kosovo einseitig seine Unabhängigkeit von Serbien. Doch der Streit um den Status der südlichen serbischen Provinz bleibt weiterhin ungelöst.

    Belgrad und Pristina verhandeln zwar aktiv unter Vermittlung der EU, die Liste der umstrittenen Fragen wird jedoch zunehmend länger. Wegen der angespannten Wirtschaftslage in der Region wächst die Zahl der Albaner, die illegal in die EU einreisen.

    Abhängige Unabhängigkeit

    Der stellvertretende Regierungschef des Kosovo, Branimir Stojanovic, sagte gegenüber Sputnik, dass die Serben „derzeit wie vor sieben Jahren nicht mit der Unabhängigkeit des Kosovo einverstanden sind, doch unsere Verpflichtung als Vertreter der serbischen Bevölkerung in der Region ist, alles zu tun, damit die Serben auf diesem Territorium bleiben“.

    „Diese Jahre waren nicht einfach, insbesondere unmittelbar nach der Unabhängigkeitserklärung. Wir traten nicht für die Unabhängigkeit ein, forderten sie nicht – wir dulden die Folgen der getroffenen Entscheidung“, so Stojanovic.

    Der Politiker erinnert daran, dass das Kosovo im ehemaligen Jugoslawien die ärmste Region war. Seitdem hat sich nichts geändert.

    Das Mitglied der albanischen kosovarischen Partei „Selbstbestimmung“, Ilir Deda, ist der Meinung, dass das Kosovo zwar unabhängig sei, jedoch nur über eine „beschränkte Souveränität“ verfüge. Wirtschaftlich trete das Kosovo seit langem auf der Stelle, wobei dafür nicht nur Pristina, sondern auch seine wichtigsten Partner verantwortlich seien, so Deda. Ihm zufolge muss sich die EU weitaus mehr um das Kosovo und den Westbalkan kümmern.

    Laut dem Politologen Georgi Engelgardt ist das Kosovo mittlerweile einigen internationalen Organisationen beigetreten, vom IWF bis zum Olympischen Komitee, doch das ist vor allem der Verdienst Washingtons und Brüssels – sie lobbyieren das Kosovo, während Belgrad unter Druck gesetzt wird, die Unabhängigkeit anzuerkennen.

    „Das Kosovo hat sich nicht zum selbstständigen Akteur auf dem Balkan entwickelt. Wie vor sieben Jahren ist es eine Art internationale Kolonie der Supermächte“, so der Experte.

    Engelgardt zufolge ist Russland weiterhin nicht gewillt, die Unabhängigkeit des Kosovo anzuerkennen – auch jetzt, da Moskau ziemlich häufig auf den „Fall Kosovo“ verweist.

    Was kostete das Kosovo?

    Von 2000 bis 2010 investierte die internationale Gemeinschaft 40 Milliarden Dollar in das Kosovo. Insgesamt seien 100 Milliarden Dollar in die Unabhängigkeit des Kosovo geflossen, sagt der serbische Politologe und Vorsitzende des Belgrader Fonds für ethnische Beziehungen, Dusan Janic. Ihm zufolge ist das Projekt bislang nicht zu Ende geführt worden.

    „Das Projekt ist sehr kostspielig. Bislang ist unklar, wie es abgeschlossen wird – als ein einheitlicher albanischer Staat auf dem Balkan (zusammen mit Albanien) oder einfach als ein weiterer albanischer Staat. Vielleicht sind auch andere Kombinationen im Rahmen des ehemaligen Jugoslawiens möglich“, so der Experte.

    Laut dem Experten wäre die „Unabhängigkeit“ Kosovos ohne die Bombenangriffe auf Jugoslawien durch die Nato 1999 unmöglich gewesen, wonach die Region unter internationale Kontrolle genommen wurde.

    „Dieser so genannte ‚Europäische Krieg um das Kosovo’ kostete Europa nach BBC-Angaben rund 60 Milliarden US-Dollar, den USA, wenn man die abgeschossenen Flugzeuge, Hubschrauber und den Kraftstoff einkalkuliert, rund 1,4 Milliarden US-Dollar. Die menschlichen Opfer sind dabei nicht inbegriffen. Während es auf Seiten der Nato nur zwei ums Leben gekommene Piloten und weitere zehn Soldaten sind, sind es auf Seiten Serbiens 1.500 Soldaten und 500 Polizisten. Im Kosovo gab es mehr als 13.000 Opfer, darunter 10.500 Albaner, 2.500 Serben. Hinzu kommen Flüchtlinge aus dem Kosovo. Serbien meldete 220.000 Flüchtlinge, die UNHCR spricht von 90.000 Flüchtlingen. Rund 500.000 Menschen hatten das Kosovo verlassen, Zwei Drittel sind zurückgekehrt, vor allem Albaner“, so Janic. Kein einziger Staat, selbst wenn er sich als „demokratisch“ bezeichnet, würde genauere Angaben über die Ausgaben für den Krieg im Kosovo publik machen.

    „Nachdem die Nato de facto die Kontrolle über das Kosovo übernahm, strömten Investitionen in die Region. Innerhalb von zehn Jahren beliefen sie sich auf 40,7 Milliarden US-Dollar. Dennoch ist auffallend, dass trotz der wachsenden Investitionen die Einnahmen der Kosovaren zurückgingen. Es stellte sich heraus, dass das Projekt 100 Milliarden kostete. Keine Wirtschaft weltweit könnte solche Ausgaben in den kommenden 100 Jahren kompensieren. Übrigens investierte auch Serbien in die Region – über den Fonds zur Unterstützung der schwach entwickelten Regionen, Gemeinden – und verlor 40 Milliarden Dollar“.

    Bombenangriffe auf Jugoslawien für Jugoslawien

    Die Befürworter einer „humanitären Intervention“ (also Aggression gegen einen souveränen Staat) verkündeten, dass sich das Projekt schnell rechnen würde. Ihnen zufolge wäre der Krieg fortgesetzt worden und hätte zu größeren Verlusten geführt, vor allem auf der serbischen Seite, hätte es keine „humanitären Bombenangriffe“ gegeben.

    „Doch wären all diese Milliarden in Serbien und Kosovo investiert worden, würden unsere Staatsbürger jetzt wie in Westdeutschland leben“, sagt Janic.

    „Wenn man Serbien heute sagte, es könnte das Kosovo wieder haben, würde das bedeuten, Serbien ungerecht zu 200 Jahren Arbeit im Kosovo zu verurteilen. Denn es ist unmöglich, all diese Ausgaben zu decken und zwei Millionen Albaner zu lenken, die bereits gedacht hatten, einen eigenen Staat zu haben. Serbien hat diese Milliarden ohnehin nicht, selbst wenn sich das Kräfteverhältnis in der internationalen Arena ändern würde.“

    Zum Thema:

    Kosovo-Szenario in Ostukraine?
    Tags:
    IWF, EU, Georgi Engelgardt, Branimir Stojanovic, USA, Jugoslawien, Serbien, Kosovo
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