04:15 20 Januar 2018
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    Wladimir Putin und Viktor OrbanJan Mainka vor seiner Redaktion

    Ungarn in Angst: „Ukraine-Konflikt europäisch lösen!“

    © Sputnik/ Sergey Guneev © Foto: Jan Mainka
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    In Budapest hat der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán dazu aufgerufen, schnellstmöglich das Verhältnis zwischen der EU und Russland wieder zu normalisieren. Dabei könnte Ungarn eine „glaubwürdige, hilfreiche und friedensstiftende Rolle“ einnehmen, sagt Jan Mainka, Chefredakteur und Herausgeber der „Budapester Zeitung“.

    "Die Situation erfüllt uns hier in Ungarn mit Sorge“, so Mainka im Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Marcel Joppa. „Die Ukraine ist unser Nachbarland, dort gibt es eine 200 000 Köpfe starke ungarische Minderheit. Und die Ukraine ist für uns ein wichtiges Transitland für Energielieferungen aus Russland."

    Hauptverantwortlich für die Krise sind für Mainka eindeutig die USA: "Deswegen wurde der Maidan ja erst von den Amerikanern verursacht. Sie haben kein Interesse an einer stabilen Ukraine, wie sie unter Janukowitsch bestand. Also eine Ukraine als Brückenland, als Nicht-Nato-Mitglied. Und damit ergo nicht als Stützpunkt-Land. Und jetzt zu glauben, dass wenn der Amerikaner am Verhandlungstisch sitzt, eine friedliche Lösung herauskommt, das gehört in das Reich der Illusionen. Deswegen ist Ungarn sehr, sehr skeptisch."

    Eine besondere, diplomatische Rolle könnte für Mainka jetzt Ungarn einnehmen: "Einem Land wie Ungarn kann man keine schlechte Interessenlage unterstellen, was die Konfliktlösung betrifft. Wenn es im Nachbarland Ukraine knallt, haben wir hier nicht nur mit Flüchtlingen große Probleme. Auch mit dem, was sich militärisch dann an den Grenzen abspielt. Und deshalb hat Ungarn ein wirklich ehrliches Interesse daran, dass in der Ukraine wieder friedliche Verhältnisse einkehren. Und bei Merkel kann man eben gerade nicht erkennen, ob sie gerade einmal wieder die deutschen Interessen vertritt, oder amerikanische Interessen."

    Die EU-Wettbewerbshüter haben jüngst eine Untersuchung zu dem russisch-ungarischen Vertrag über den Bau von zwei neuen Reaktorblöcken im Atomkraftwerk Paks eingeleitet. Mainka sieht hierin klar politisch motivierte Ziele: "Das ist ein großer Auftrag, und den hätte man natürlich auch in Westeuropa gerne. Namentlich Siemens und eine französische Firma machen da Druck. Und jetzt wird vom Westen so getan, als ob sich Ungarn künstlich in eine Abhängigkeit von den Russen begeben würde. Aber die Abhängigkeit ist jetzt schon gegeben, die meisten unserer Energieträger beziehen wir aus Russland. Aber es wird natürlich auch von der liberalen ungarischen Opposition verwendet — die auch mit westlichen Kreisen in Kontakt steht — um die Regierung Orban anzugreifen.“

    Dass sich Putin und Orban bei ihrem jüngsten Treffen auch über eine South Stream-Alternative unterhalten haben, ist für Mainka ein positives Zeichen: „Es wurde überlegt, wie man ein South Stream unter verlässlichen Partnern machen kann. Also über die Türkei, Griechenland, Serbien und Ungarn. Dann lässt man halt die Bulgaren aus dem Spiel, wenn sie sich so leicht von den Europäern und Amerikanern erpressen lassen.“  

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    Tags:
    Atomkraftwerk Paks, EU, Wladimir Putin, Jan Mainka, Viktor Orban, USA, Russland, Ukraine, Ungarn