15:40 26 April 2019
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    Aufmarsch von SS-Veteranen in Riga

    Gegen Russland: Nato-Truppen und SS-Veteranen Seit' an Seit'

    © AP Photo / Roman Kosarov
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    Rüdiger Göbel
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    Geschützt von der Polizei haben sich in der lettischen Hauptstadt Riga 1500 Veteranen der Waffen-SS versammelt, um an eine Schlacht gegen die Rote Armee im Zweiten Weltkrieg zu erinnern. Was sagt die EU zu dem Faschistenaufmarsch? Nichts. Und die USA? Schicken 3.000 Soldaten und Kampfpanzer zum Nato-Großmanöver ins Baltikum.

    „Liberty“, „Freiheit“ steht in großen Lettern am US-Transportschiff, das hunderte Panzer vom Typ „Abrams“ und „Bradley“-Kampffahrzeuge in den Hafen von Riga anlandet. Washington rüstet dieser Tage Lettland und die beiden anderen baltischen Staaten, Estland und Litauen, auf, „zur Abschreckung der russischen Aggression“, wie es heißt. Die US-Armee verlegt zudem 3.000 Soldaten in die Russland-Anrainerstaaten, die seit dem Jahr 2004 der Nato und der EU angehören.

    „Gegen Russland“ haben am 16. März in Riga auch gut 1.500 Nazikollaborateure Flagge gezeigt. An der Faschistenparade nahmen die letzten Überlebenden der 140.000 Letten teil, die im Zweiten Weltkrieg in der Waffen-SS gegen die Rote Armee gekämpft hatten. Geschützt von einem großen Polizeiaufgebot erinnerten sie an die Schlacht im Jahr 1944, in der die Lettische Legion – als Teil der deutschen Waffen-SS – den Vormarsch der sowjetischen Truppen aufzuhalten versuchte. Vergeblich. Lettland wurde vom Faschismus befreit und war bis 1991 Teil der Sowjetunion – was die dortigen „Patrioten“ Moskau bis heute nicht verzeihen.

    Waffen-SS-Veteranen marschieren durch Riga
    © AP Photo / Roman Koksarov
    Die jüdische Gemeinde, die russischsprachige Minderheit in dem EU-Staat und Russland bleiben mit ihrer Kritik am SS-Verherrlichen alleine. Kein Mitgliedsland der Europäischen Union geht auf Distanz zu dem Spuk in Riga. In den Mainstream-Medien Deutschlands wird der „Gedenkmarsch“ verharmlost oder gleich ganz ignoriert. Die Springer-Zeitung „Die Welt“ nennt ihn „umstritten“. Das wesentlich auflagenstärkere Boulevardblatt „Bild“ verschweigt ihn. Stattdessen gibt es Kiewer Kriegspropaganda satt. Pünktlich zu seinem Deutschland-Besuch wird der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko im „Exklusivinterview“ als Friedensengel inszeniert. Dabei lassen die Chefredakteure von „Bild“ und „Bild.de“ dem „Schokoladenkönig“ jede Lüge durchgehen.

    Beispiel: „Die Ukraine hat jeden einzelnen Vertragspunkt von Minsk erfüllt, der Waffenstillstand wurde von unserer Seite sofort umgesetzt“, behauptet Poroschenko, ohne Widerspruch zu ernten. Die „russischen Kämpfer“ hätten „genau das Gegenteil davon getan“.

    Beispiel: „Seit dem Sommer befinden sich reguläre russische Truppen in der Ukraine, Zehntausende Soldaten.“ Wohlwissend dass es keine gibt, hat keiner von „Bild“ Poroschenko nach Belegen gefragt.

    Aufmarsch von SS-Veteranen in Riga
    © Sputnik / Ilja Pitalev
    „Ich bin ein Präsident des Friedens, nicht des Kriegs“, diktiert der Kiewer Staatschef als Krönung in die Mikrofone der aus Berlin angereisten Claqueure. Die 6.000 Tote im Donbass sind da gerade einem journalistischen „Black out“ zum Opfer gefallen.

    Zum Verharmlosen von SS-Fans und Verherrlichen eines Kriegspräsidenten kommt die weitere Dämonisierung und Diffamierung des gemeinsamen Gegners in Moskau. Mittlerweile haben Gossengerüchte Einzug in die Hauptnachrichtensendungen gehalten: Präsident Wladimir Putin war seit Anfang März wahlweise an Krebs erkrankt, von einer Kreml-Fraktion entmachtet worden oder in Vaterschaftsferien im Schweizerischen Tessin gewesen.

    Jetzt ist der „Kreml-Chef nach Tagen wieder da“, rapportiert „Bild“ – aber er sei irgendwie nicht mehr der alte. „In seinem Auftritt zeigt sich der Kreml-Chef, der sonst gern den starken Staatsmann markiert, alles andere als souverän“, so das Boulevardblatt. Putin sei „blass, schwitzend und mit schwacher Stimme“.

    „Ohne Gerüchte wäre es langweilig“, scherzt der russische Präsident in Sankt Petersburg nach seinem „Comeback“. „Bild“ ist das zu wenig: „Nur 1 Satz. Ungewöhnlich für Putin, der für seine langen Monologe bekannt ist.“

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    Tags:
    Zweiter Weltkrieg, EU, NATO, Wladimir Putin, Petro Poroschenko, Lettland, Russland, Deutschland, Kiew, Ukraine, Riga, USA