09:23 06 Dezember 2019
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    Ukrainisch-amerikanische Kommando- und Stabsübungen „Fearless Guardian 2015“

    Kiew im Glück: Trainingsprogramm und Todesschwadron

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    Entwicklung in der Ukraine (April 2015) (79)
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    Das im Februar ausgehandelte Abkommen Minsk II für die Ukraine sieht den Abzug aller ausländischen Truppen vor. Das schert Washington nicht weiter. In dieser Woche haben 300 US-Soldaten damit begonnen, die ukrainische Armee fit für den Krieg zu machen. Eine faschistische Terrorgruppe ermordet derweil Kiew-Kritiker.

    Ukrainisch-amerikanische Kommando- und Stabsübungen „Fearless Guardian 2015“
    © AP Photo / Efrem Lukatsky
    Die "Hilfsmission" ist Chefsache und ein "Kampf um die Freiheit". Der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko hat es sich nicht nehmen lassen, die Operation "Furchtloser Wächter" ("Fearless Guardian") mit großem Pressetross zu eröffnen. 300 US-Fallschirmjäger sollen unweit des westukrainischen Lwow in den kommenden Monaten 900 Soldaten der Nationalgarde die Kriegführung gegen den abtrünnigen Osten des Landes trainieren. Auch aus anderen NATO-Ländern, unter anderem aus Kanada und Großbritannien, sollen "Militärausbilder" Kiew an die Seite gestellt werden. Gepanzerte Fahrzeuge, Nachtsichtgeräte, Schutzwesten und Radarsysteme gibt es frei Haus.

    Der Kampf um den Donbass sei "nicht nur ein Krieg für die Unabhängigkeit der Ukraine, sondern ein Kampf um Freiheit und Demokratie in Europa und in der ganzen Welt", behauptet Poroschenko zur Freude von US-Botschafter Geoffrey Pyatt. Mit weniger als der ganzen Welt gibt sich der prowestliche Staatschef nicht zufrieden. Mahnende Stimmen aus Russland und aus dem Osten der Ukraine, westliche Militärs ließen eine neue Gewalteskalation befürchten, wischt er beiseite. Die Militärschulung sei "eine der größten und wichtigsten Solidaritätsbekundungen" der USA für die Regierung in Kiew, so Poroschenko. Das ukrainische Militär werde nun neu aufgestellt und "nach einer langen Zeit" wie ein Phoenix aus der Asche zurückkehren, zitiert ihn die "Welt".

    Washingtons Truppenentsendung ist ein offener Affront gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francois Hollande, die in einem Verhandlungsmarathon in Minsk im Februar eine Feuerpause für den Donbass mit der Perspektive einer Friedenslösung erwirkt hatten. "Minsk II" sieht ausdrücklich vor: "Alle ausländischen Kämpfer und Waffen sollen das Land verlassen." In den westlichen Medien ist das offensichtlich einzig auf ausländische Kämpfer, vornehmlich aus Russland, auf Seiten der Aufständischen bezogen worden.

    Wohlweislich schweigen die Mainstreammedien sich darüber aus, wer da genau von Washington für eine effektivere Kriegführung gegen die eigene Bevölkerung trainiert wird. "Die Nationalgarde untersteht dem ukrainischen Innenministerium und setzt sich vor allem aus früheren Maidan-Kämpfern zusammen", heißt es etwa lapidar bei "Zeit online". Die meisten militanten "Maidan-Kämpfer" kamen von faschistischen Gruppierungen – in der später gegründeten Nationalgarde und in Freikorps kamen sie in Lohn und Brot. Der Chef des "Rechten Sektors", Dmitry Jarosch, ist mittlerweile zum "Berater" des ukrainischen Generalstabschefs berufen worden.

    Aus dem braunen Sumpf hat sich nun eine Gruppe namens "Ukrainische Aufständische Armee" (UPA) zu einer Mordserie an Kiew-kritischen Journalisten und Politikern bekannt. Die Anhänger des Hitler-Kollaborateurs, Judenmörders und Russenhassers Stepan Bandera haben die Verantwortung für die Todesschüsse auf den früheren Abgeordneten Oleg Kalaschnikow (Partei der Regionen) und den Journalisten Oles Busina in der vergangenen Woche übernommen. Auch der Tod der Politiker Michail Tschetschetow, Alexander Pekluschenko und Stanislaw Melnik soll auf das Konto der UPA gehen.

    In ihrem Kampf für die Freiheit der Ukraine – "Die Zeit des Volkszorns ist gekommen" – hat die Faschistengruppe damit gedroht, weitere "antiukrainische" Personen zu töten, sollten diese nicht das Land innerhalb von 72 Stunden verlassen. Das Ultimatum ist am Abend des 20. April, dem Geburtstag von Adolf Hitler, abgelaufen.

    Anton Geraschtschenko vom Innenministerium in Kiew nennt die Absender als "Psychopathen". Die Abgeordneten der Rada sind da politisch ehrlicher. Am 9. April haben sie in der Rada ein Gesetz verabschiedet, laut dem die Kämpfer von Stepan Banderas UPA als Helden anerkannt werden, deren Erinnerung gepflegt werden soll.

    US-Soldat
    © Foto : Department of Defense / Staff Sgt. Russell Lee Klika
    Derlei Zusammenhänge stellt die Qualitätspresse nicht her, sie verbreitet lieber Bilder von der US-Hilfe im Tarnfleck und kolportiert Kiewer Verschwörungstheorien, denen zufolge Russland – wer sonst auch – für die Mordserie an Regierungskritikern in der Ukraine verantwortlich sein soll.

    Rufen wir bei der Gelegenheit in Erinnerung: Washington hat jahrzehntelange Erfahrung im Aufstellen und Ausbilden von Todesschwadronen. In Guatemala, El Salvador, Brasilien, Nicaragua, dem "Hinterhof" in Lateinamerika, haben in den 1970er und 1980er Jahren Killerkommandos, von "Militärausbildern" an der "School of the Americas" trainiert, Linke und andere Oppositionelle verschleppt und ermordet …

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Militärausbilder, Fearless Guardian 2015, Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA), NATO, Adolf Hitler, Stanislaw Melnik, Michail Tschetschetow, Alexander Pekluschenko, Geoffrey Pyatt, Petro Poroschenko, USA, Ukraine