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03:35 14 Oktober 2019
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    Fahrzeuggestützte Langstreckenraketen des Typs RS-24 Jars während der Militärparade auf dem Roten Platz.

    Militärparade und Manöver: Nein zur monopolaren Welt

    © Sputnik / Host photo/ Vladimir Pesnya
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    70. Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg (108)
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    Mit der größten Militärparade seiner Geschichte hat Russland den Sieg der Sowjetunion über Hitlerdeutschland vor 70 Jahren gefeiert. Die Großveranstaltung auf dem Roten Platz war auch ein »Njet« zu den Dominanzbestrebungen von USA und NATO. Eine gemeinsame Übung der russischen und chinesischen Marine im Mittelmeer soll dies unterstreichen.

    Russland demonstriert dieser Tage Selbstbewusstsein und Stärke, und das ist gut so. Die Berichte über die Militärparade zum »Tag des Sieges« haben sich in den militärischen Details überschlagen: Strategische Bomber wie die Tupolew Tu-60 (»größtes Militärflugzeug der Welt«) sind nur 300 Metern Höhe über die Zwiebeltürme der Basilius-Kathedrale geflogen. Erstmals ist der neue »Superpanzer« T-14 »Armata« der Weltöffentlichkeit präsentiert worden. »Die rund 50 Tonnen schwere Kampfmaschine wird von den Streitkräften als Inbegriff einer neuen Panzer-Generation angepriesen« und »kann auch tauchen« … Und dann auch noch die imposanten Kernwaffen, die Krönung bei »Putins Protzparade« (»Bild«).

    Gleichzeitig gibt das Springer-Blatt ein überraschendes Stimmungsbild ab: »Abertausende stehen Spalier, fotografieren, filmen, winken, schwenken Fähnchen. Es ist ein bisschen wie 2006 bei der WM in Deutschland, dem Sommermärchen.«

    Die 27 Millionen Menschen der Sowjetunion, die für den Sieg über den Hitler-Faschismus ihr Leben gelassen haben, sie sollen nie vergessen werden. Und das Land soll nie wieder solche Opfer bringen müssen, diese Haltung eint die Bevölkerung über elf Zeitzonen.

    Wenn die russische Führung die atomar bestückbare Interkontinentalrakete RS-24 »Jars« vor der Ehrentribüne und Weltöffentlichkeit vorbeirollen lässt – dann nicht, weil irgendwer im Kreml irgendwen in der Welt mit einem Nuklearschlag bedrohen, sondern eben diesen verhindern will. Wer zuerst schießt, ist als zweiter tot – der alte Merksatz aus dem Kalten Krieg soll seine Gültigkeit behalten, gerade wenn von den damaligen Militärblöcken nur noch der des Westens vorhanden ist.

    Die politische Botschaft Russlands zum 9. Mai ist in der hiesigen Berichterstattung weitgehend untergegangen. In seiner Ansprache rief Präsident Wladimir Putin zur Schaffung eines weltweiten Sicherheitssystems ohne militärische Blöcke auf. Die Prinzipien der Nachkriegsordnung seien in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger verletzt worden, konstatierte er. Versuche, eine »monopolare Welt« zu schaffen, würden zunehmen. Nötig sei aber ein System, das gleiche Sicherheit für alle Staaten garantiere: »Nur dann werden wir Frieden und Ruhe auf dem Planeten gewährleisten.«

    Und auch Chinas Staatschef Xi Jinping hat der Welt die Hand gereicht. In seiner Grußbotschaft anlässlich des 9. Mai erinnert er daran, dass China und Russland beide als Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs hätten dienen müssen. Mit der gemeinsamen Feier des Sieges über den Faschismus wolle man den Willen demonstrieren, die antifaschistische Gesinnung und das Streben nach Gerechtigkeit in der Welt auch in Zukunft zu wahren. Die Tragödien des Krieges dürften sich nicht wiederholen. China und Russland müssten in der Welt eine Vorbildfunktion für die Wahrung des Friedens und die bilaterale Zusammenarbeit erfüllen.

    Frieden statt NATO, auf diesen kurzen Nenner lassen sich die Botschaften der beiden Staatsmänner bringen, die immerhin gut eineinhalb Milliarden Menschen repräsentieren.

    Nach Manövern der westlichen Militärpakts im Schwarzen Meer in den vergangenen Monaten haben Russland und China nun eine gemeinsame Marineübung im Mittelmeer gestartet. »Die Übung richtet sich nicht gegen eine Dritte Partei und hängt nicht mit der politischen Lage in der Region zusammen«, hat Russlands Vize-Verteidigungsminister Anatoli Antonow in Moskau betont. Ziel der bis zum 21. Mai andauernden Übung sei es, Maßnahmen zum Schutz der Schifffahrt zu entwickeln. Ein weiteres gemeinsames Seemanöver der beiden Länder ist im August im Japanischen Meer geplant.

    Die Aufregung über das bilaterale Militärtraining von gerade mal zehn Schiffen ist groß: »Russland und China rasseln mit den Säbeln«, wettert der Fernsehsender n-tv, vergessend zu erwähnen, dass die USA allein rund 40 Schiffe und 175 Flugzeuge ihrer Kriegsmarine im Mittelmeer stationiert haben.

    Auch das Onlineportal »Spiegel online« warnt vor russisch-chinesischem »Kanonengrollen im Mittelmeer«. Was da passiere, dürfe »getrost als militärischer Machtbeweis verstanden werden – in Richtung Washington«. »Mit der gemeinsamen Aktion wollen Moskau und Peking ihre strategische Partnerschaft vertiefen. Die beiden schweißt ein gemeinsamer Gegner zusammen. Zusammen wollen sie den weltweiten Einfluss der USA zurückdrängen.«

    Wenn das mal keine Friedensbotschaft ist.

    »Spiegel online« zitiert den Marine-Historiker Sergej Gorbatschow mit den Worten, hätte Russland 1999 eine ähnlich moderne Flotte gehabt wie heute »hätte es keine Bombenangriffe auf Jugoslawien gegeben«.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Themen:
    70. Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg (108)
    Tags:
    Faschismus, 70. Jahrestag des Sieges, NATO, Wladimir Putin, Xi Jinping, Adolf Hitler, Anatoli Antonow, Deutschland, USA, Russland, China