21:52 18 Dezember 2018
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    Russlands Präsident Wladimir Putin bei Papst Franziskus (Archivfoto)US-Präsident Barack Obama am Rande des G7-Gipfels

    Putin beim Papst, Obama im Bayern-Stadl

    © Sputnik / Mikhail Klimentiev © AFP 2018 / Daniel Karmann
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    Rüdiger Göbel
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    Wer steht am Ende der Woche bei den Deutschen wohl dümmer da? Russlands Präsident Wladimir Putin nach der Privataudienz bei Papst Franziskus – oder sein US-amerikanischer Amtskollege Barack Obama nach der Disneyland-Inszenierung in Krün mit Lederhosen-Bayern, Dirndl-Dekolletés und alkoholfreiem Weißbier?

    Darf der das, der Papst? Nur zwei Tage nach der großen G7-Selbstbeweihräucherung einer "Wertegemeinschaft", zu der Russland partout nicht gehören soll, auf Schloss Elmau heißt Franziskus den Buhmann aus Moskau willkommen. Präsident Wladimir Putin ist zur Privataudienz im Vatikan, davor schaut er bei der Weltausstellung Expo in Mailand vorbei, trifft den italienischen Premier und den italienischen Präsidenten. Die internationale Isolierung des Russen will nicht gelingen.

    Wie im bayerischen Nobelhotel bei den Staats- und Regierungschefs der USA, Kanadas, Japans, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Deutschlands wird wohl auch beim Papst im Vatikan der Ukraine-Konflikt Hauptthema sein. Allerdings spricht letzterer mit dem Mann, der im Westen maßgeblich für den Konflikt verantwortlich gemacht wird, und nicht nur über ihn, wie die Sieben. Die haben Putin bekanntlich wegen des Loslösung der Schwarzmeerhalbinsel Krim von der Ukraine im vergangenen Jahr aus der Promi-Runde ausgeschlossen worden. Aus G8 wurde G7.

    Franziskus hat in der Vergangenheit immer wieder zu einer friedlichen Beilegung der Krise aufgerufen. Weil er Russland nicht ausdrücklich hervorgehoben hatte, musste er sich reichlich Kritik anhören. Die Nichtübernahme des eigenen Feinbildes war dem Papst von ukrainischer Seite als Parteinahme für Russland ausgelegt worden – zuletzt vom ukrainischen Außenminister Pawlo Klimkin.

    Für Empörung sorgt in Kiew vor allem, dass das Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken von einem "Brudermord" in der Ukraine spricht. Damit übernehme er einen Ausdruck der russischen Propaganda und verschleiere, dass Russland der Aggressor sei. Der Vatikan weist diese Anschuldigung souverän zurück.

    Das Absurde: Nach der 200 Millionen Euro teuren Tagung in blühenden Landschaften, mit potemkinscher Biergartenidylle, Gamsbart-Trägern und Albhornbläsern, geschützt hinter kilometerlangem Absperrzaun und tausenden Polizeischilden wirft ausgerechnet die bayerische Presse Putin eine "Propaganda-Show" vor.

    Die "bewusste Gegeninszenierung" verärgert das "Oberbayerische Volksblatt". Die Zeitung liebt das schlichte schwarz-weiß: "Es sind die Bilder, die in unserer modernen Medienwelt Meinung bilden. Ein US-Präsident in Hemdsärmeln etwa, der mit der deutschen Bundeskanzlerin in einem bayerischen Alpendorf ein Weißbier zischt und mit den Bürgern ratscht. Bilder, die um den Globus gehen. Idylle pur, fast kitschig. Die Bilder sagen: Seht her, wir sind die Guten, die Anständigen. Auf Tuchfühlung mit den Menschen. Demokratisch legitimiert. Weltpolitik zum Anfassen. Sechs Männer und eine Frau, die ihre politische Macht in den Dienst der Menschheit stellen; für Frieden, Sicherheit und Wohlergehen."

    Und dann gebe es da noch das "schwarze Schaf", das draußen bleiben müsse – und nun ausgerechnet beim Vatikan "aufschlagen" wird. "Die schönen Gipfelfotos aus Elmau sind dann überall gelaufen, die Kommuniqués abgedruckt, wenn Putin von Papst Franziskus empfangen wird. Auch von dort wird es dann farbenprächtige Bilder geben. Das Ergebnis der Gespräche lässt sich bereits jetzt vorwegnehmen: Putin wird dem Pontifex beipflichten, wenn dieser zum Frieden mahnt, er wird dessen neue Enzyklika zu Ökologie und Nachhaltigkeit loben, er wird sich mit seinem Gastgeber darüber einig sein, dass die Krisen dieser Erde nur durch Dialog zu lösen seien. Die mediale Botschaft, die mit diesem Besuch verbunden sein wird: Seht alle her, ihr Obamas und Merkels, ihr Hollands und Camerons – ihr könnt mich vielleicht aus Eurer Runde ausschließen, aber nicht isolieren."

    Das "Oberbayerische Volksblatt" fragt sich, "warum sich der diplomatisch sonst so versierte Heilige Stuhl auf eine Terminierung eingelassen hat, der ihn zwangsläufig zur Bühne für Putins Propagandashow macht".

    Vielleicht einfach, weil der Papst souveräner zu agieren imstande ist als Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die hat dem US-Präsidenten für das flächendeckende und zeitlich unbefristete Ausspionieren ihrer Landsleute durch die NSA und für die Nutzung amerikanischer Militärbasen in Deutschland zur Drohnenkriegsführung auch noch mit einem exklusiven Frühschoppen Danke gesagt. Bonuspunkte jedenfalls dürften Merkel und Obama mit dieser an Peinlichkeit nicht zu überbietenden Selbstdarstellung nicht gesammelt haben.

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    Tags:
    Propaganda, G7-Gipfel 2015, G8, G7, Pawel Klimkin, Barack Obama, Wladimir Putin, Papst Franziskus, Krim, Ukraine, Vatikan, USA, Russland