10:09 11 Dezember 2017
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    Kampfjets F-22 Raptor

    Neue US-Waffen nach Europa: Stärkung der Sicherheit oder Vorspiel zum Kalten Krieg?

    © Foto: US Air Force / Kevin J. Gruenwald
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    Nikolaj Jolkin, Igor Belov
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    Die USA wollen Jagdjets der fünften Generation F-22, auch „Raptor“ genannt, in Europa stationieren. Dies solle die Stärke der Allianz als eine Antwort auf die Handlungen Russlands demonstrieren, das Luft-Patrouillen in der Nähe der Grenzen von NATO-Ländern verstärkt habe, hieß es dabei.

    Medien zufolge haben die USA ihre Bomber B-2 und B-52 schon in Großbritannien stationiert. Geplant ist, ihre Zahl zu erhöhen und die Rotation zu stärken. Und jetzt werden noch die modernsten und teuersten Kampfjets nach Europa gebracht. Wie Militärexperten behaupten, verfügen sie über viele Eigenschaften, die andere Flugzeuge nicht haben. Bei der Reichweite ihrer Waffen ist ein F-22 anderen Kampfflugzeugen weit überlegen. Ein F-22 kann feindliche Flugzeuge vernichten, ohne in die Reichweite ihrer Waffen zu kommen. Natürlich trägt er Atomwaffen. Und seine Anflugzeit bis zu lebenswichtigen Zentren in Russland ist sehr kurz.

    Zuvor wurden auch die US-Pläne bekannt, schwere Militärtechnik nach Osteuropa zu bringen. Polen und Litauen führen bereits Verhandlungen darüber mit Washington. Estland hat ebenfalls die Bereitschaft verkündet, amerikanische Waffen auf seinem Territorium zu stationieren. Damit werden die USA zum ersten Mal seit dem Ende des Kalten Kriegs über Kampfpanzer in dem postsowjetischen Raum verfügen.

    Inzwischen hat das russische Außenministerium erklärt, dass die US-Pläne, schwere Waffen und Tausende Soldaten in Osteuropa zu stationieren, gegen die Nato-Russland-Grundakte von 1997 verstoßen. Das Abkommen verbietet ja eine dauerhafte Präsenz von Militärgerät in osteuropäischen Staaten. Moskau wird zwangsläufig mit der forcierten Stationierung der atomwaffenfähigen Iskander-Kurzstreckenraketen in Kaliningrad antworten. Neue vervollkommnete Radarstationen und die Erhöhung des nuklearen Potentials hat Wladimir Putin schon angekündigt. Allein in diesem Jahr sollen die russischen Streitkräfte mindestens 40 neue Raketen erhalten, sagte er. Diese seien in der Lage, selbst die modernsten Abwehrsysteme zu überwinden.

    Nato-Manöver in Rumänien
    © AP Photo/ Andreea Alexandru/Mediafax via AP
    Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, die dieser Tage in Wien tagte, hat Russland und die NATO vor militärischen Muskelspielen gewarnt. Sputniknews gegenüber sagte er diplomatisch, dass „die NATO an den Verpflichtungen, die sich aus der NATO-Russland-Grundakte ergeben, präzise festhalten sollte. Und diese sagt, dass die NATO keine substanziellen Kampftruppen in die neuen NATO-Länder verlegen wird. Wenn es amerikanische Pläne gibt, bestimmtes Material in bestimmten NATO-Staaten zu lagern, so wäre das kein Verstoß gegen die NATO-Russland-Grundakte. Die Entscheidung darüber ist bisher weder in Washington noch im Bündnis getroffen worden.“

    „Wir haben nächste Woche eine Sitzung der NATO-Verteidigungsminister. Wenn man in Washington dazu ringen sollte, diesen Gedanken als amerikanischen Vorschlag einzubringen, dann wird er in der NATO zu diskutieren sein. Dann wird man zu einer gemeinsamen Beschlussfassung kommen wollen“, sagte Ischinger.

    Nach den Worten des Kreml-Beraters Juri Uschakow ist Russland „grundsätzlich“ gegen jeden neuen Rüstungswettlauf mit den USA. Moskau versuche, „auf mögliche Bedrohungen zu reagieren, aber ohne darüber hinaus zu gehen“. Denn das würde seine „wirtschaftlichen Fähigkeiten schwächen“, fügte Uschakow hinzu.

    Laut einer Umfrage des US-amerikanischen Forschungsinstituts Pew Research sind lediglich 26 Prozent der Befragten in den NATO-Ländern positiv zu Russland eingestellt — elf Prozent weniger als vor zwei Jahren. Dabei sprachen sich 58 Prozent der Deutschen gegen militärische Hilfe für einen Nato-Partner im Fall eines hypothetischen Krieges gegen Russland aus. Die größte Ablehnung unter allen NATO-Ländern! Aber auch in Italien (51 Prozent) und in Frankreich (53 Prozent) lehnt über die Hälfte der Befragten eine solche Hilfe ab.

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    Tags:
    Atomwaffen, Waffen, B-52, B-2, F-22 Raptor, Iskander-M, Münchner Sicherheitskonferenz 2015, EU, NATO, Juri Uschakow, Wolfgang Ischinger, USA, Russland, Estland, Litauen, Polen
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