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    Beziehungen Russlands mit den Nato-Staaten (247)
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    Panzer, Helikopter, Kampfflugzeuge – willkommen beim NATO-Manöver "Noble Jump", ehrenhafter Sprung, in Polen. "NATO probt Krieg gegen Russland", schlagzeilt Bild, "Feuer aus allen Rohren" die Agentur AFP. Und mittendrin rührt die deutsche Verteidigungsministerin die Werbetrommel für Washingtons Aufrüstungspläne im Osten. Nur die Linke hält dagegen.

    Vor wenigen Wochen noch hat man in Deutschland mit Sondersendungen im Fernsehen, mit Sonderseiten in Zeitungen und einer Gedenkstunde im Bundestag an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren erinnert und die Rolle Russlands bzw. der Sowjetunion bei der Befreiung vom Hitler-Faschismus gewürdigt. Jetzt, gut einen Monat später, werden gegen Moskau medial wieder die Schützengräben ausgehoben.

    "Mit ohrenbetäubendem Lärm dröhnen drei Blackhawk-Helikopter über die Besuchertribüne", begeistert sich das Boulevardblatt Bild über das jüngste NATO-Manöver im Nachbarland. Soldaten aus neun Nationen proben "die Einsatzbereitschaft für den Krisenfall". "Sie sind Teil der schnellen Eingreiftruppe der NATO, die hier übt, wie schnell sie auf die neue Bedrohungslage im Osten reagieren kann." Die Übung "Noble Jump" solle beweisen, "dass die schnelle Eingreiftruppe anders als bisher nicht mehr einen Monat braucht, um mobilisiert werden zu können, sondern nur wenige Tage." Hintergrund sei die Ukraine-Krise, "die Angst, dass Russland den Konflikt doch noch ins Nato-Gebiet ausweitet". Im Klartext, so Bild: »Die NATO probt den Kampf gegen Putin…!"

    Das würde beim Manöver so natürlich keiner sagen, man wolle ja nicht weiter provozieren, so das Springer-Blatt. "Und deshalb hat sich das Bündnis auch für seine Gefechtsübung in Polen einen Feind ausgedacht, der nicht etwa ›Wladimir‹ heißt, sondern den filmreifen Namen ›Birdman‹ trägt."

    Am Ende wird "Birdman" von der NATO-Eingreiftruppe – natürlich – gefangen. "Militärs und Politik zufrieden", heißt es im Bild-Kriegssteno weiter. Der NATO-Oberbefehlshaber Philipp M. Breedlove ist stolz auf die Soldaten. "Sie haben einen hervorragenden Job gemacht. "Der US-General in die Zukunft gerichtet: "Wir sind bereit."

    Auch die Nachrichtenagentur AFP war mit bei der Gefechtsübung und rapportiert: "Die Bilder sollen um die Welt gehen: Mit großem Aufwand hat die NATO am Donnerstag demonstriert, dass sie willens und nach eigener Ansicht auch in der Lage ist, ihre Mitglieder gegen Angriffe von außen zu verteidigen. Im westpolnischen Zagan fuhr die Allianz auf, was sie zu bieten hat." Und weiter: "Gefeuert wurde unter anderem aus Panzerrohren und Maschinengewehren, mit Panzerfäusten und von Scharfschützen. An der Schlagkraft sollte dass umfangreiche Manöver, an dem sich etwa 2100 Soldaten aus Deutschland, Belgien, Litauen, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Tschechien, Ungarn und den USA beteiligten, keinen Zweifel lassen."

    "Die Speerspitze ist einsatzfähig", freut sich am Ende Polens Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak.

    Neben NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg ist auch Deutschlands Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zur Truppeninspektion nach Polen gekommen. Dort bekundet die CDU-Politikerin, die gerade bei der elitären Bilderberg-Konferenz im österreichischen Telfs war und von vielen als künftige Bundeskanzlerin gehandelt wird, reichlich Verständnis für das Vorhaben der USA, dauerhaft schweres Kriegsgerät in die Nachbarländer Russlands zu verlegen. "Es ist eine angemessene, defensive Maßnahme", behauptet von der Leyen. Die USA seien schließlich "geografisch sehr weit entfernt". "Das heißt, sie müssen Truppen und Gerät nach Europa bringen", so die Ministerin – man stelle sich vor, die sowjetische Führung unter Nikita Chruschtschow hätte 1962 bei den Raketenstationierungplänen in Kuba derart argumentiert …

    US-Verteidigungsminister Ashton Carter jedenfalls wird sich über die warmen Worte aus der Berliner Regierung wenige Tage vor dem NATO-Treffen in Brüssel freuen. Dort soll die »Neuausrichtung« des westlichen Militärpakts in Osteuropa zentrales Thema sein.

    Die Linke, größte Oppositionskraft im Bundestag, ruft die Friedensbewegung in Deutschland angesichts der martialischen Rhetorik und des von der NATO propagierten Wettrüstens dazu auf, "Druck von der Straße zu entfalten«. Das Manöver in Polen sei "Teil einer koordinierten Konfrontationspolitik gegen Russland", erklärt der stellvertretende Fraktionschef Wolfgang Gehrcke. Das Militärbündnis verstoße "mit der geplanten Stationierung von schwerem Gerät, also Panzerkampfverbänden, in den baltischen Staaten und Polen alle Vereinbarungen der NATO-Russland-Akte über Bord". Die Beziehungen zwischen EU/NATO und Russland seien unter den Gefrierpunkt gesunken. Die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel trage »dafür eine große Mitverantwortung«.

    Das NATO-Manövermotto "Ehrenhafter Sprung" erinnert Gehrcke an den historischen "Panthersprung", mit dem Kaiser Wilhelm ein Kanonenboot nach Marokko entsandt habe – und am Ende im Ersten Weltkrieg landete. Der Linke-Politiker: "Die Manöver im Westen Russlands verschärfen die Gefahr kriegerischer Auseinandersetzungen mit Russland. Daran ist nichts ehrenhaft."

    Vor dem Hintergrund der NATO-Konfrontationspolitik habe die Modernisierung der russischen Atomwaffen "reaktiven Charakter", erklärt Gehrcke. Gleichwohl sei sie Teil eines "neuen gefährlichen Wettrüstens. Offensichtlich soll die Strategie der NATO im Kalten Krieg, die Sowjetunion sich totrüsten zu lassen, neu aufgelegt werden. Dieser unheilvolle Teil der Geschichte Europas darf sich ebenso wenig wiederholen wie die Kanonenbootpolitik Kaiser Wilhelms."

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Zweiter Weltkrieg, EU, CDU/CSU, NATO, Wolfgang Gehrcke, Angela Merkel, Nikita Chruschtschow, Jens Stoltenberg, Ashton Carter, Ursula von der Leyen, Wladimir Putin, USA, Washington, Berlin, Ukraine, Russland