00:22 26 September 2017
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    US-Militär in Südkorea

    Nach 65 Jahren droht erneut ein Korea-Krieg

    © REUTERS/ Kim Hong-Ji
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    Iwan Sachartschenko
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    Nordkoreas Nationaler Verteidigungsausschuss hat anlässlich des 65. Jahrestages des Korea-Krieges eine Erklärung abgegeben, in der es heißt, dass die USA erneut Militäraktionen provozieren wollen.

    Vor genau 65 Jahren begann auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg, der formell nicht beendet wurde. Nach drei Jahren Kämpfen war damals ein von allen heutzutage vergessenes Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet worden. Bis heute wurde jedoch kein Friedensvertrag unterzeichnet.

    Der Grund ist die nationale Spaltung des einst einheitlichen Staates: Koreas, das nach dem Ende des Weltkriegs bei der Befreiung von der japanischen Herrschaft zwischen der Sowjetunion und den USA, wie damals geplant wurde, “vorübergehend” in zwei Teile geteilt wurde. 1948 wurde im Süden unter US-Schirmherrschaft die kapitalistische Republik Korea und im Norden unter Mitwirkung der Sowjetunion die Demokratische Volksrepublik Korea gegründet.

    Über den Beginn des Korea-Krieges wurde erstmals am 25. Juni 1950 berichtet. Südkorea meldete die Intervention der nordkoreanischen Kommunisten, Nordkorea den Angriff der südkoreanischen Truppen. Bereits am 28. Juni nahm die Koreanische Volksarmee Seoul ein. Nach 80 Tagen hatte sie 90 Prozent des gesamten Territoriums der Republik Korea “befreit”.

    Anschließend griffen die USA, die mit Seoul Anfang 1950 ein Verteidigungsabkommen unterzeichnet hatten, mit der UNO als Schutzmacht ein. Die Sowjetunion blieb damals den Sitzungen des UN-Sicherheitsrats mit der Begründung fern, dass dem kommunistischen China seine Rechte als UN-Vetomacht entzogen worden waren.

    Die USA starteten eine militärische Intervention in Korea und drückten am selben Tag ohne Beteiligung Russlands und der Sowjetunion an den Sitzungen des Sicherheitsrats eine UN-Resolution zum Schutz Südkoreas gegen Nordkorea durch. Die nordkoreanische Armee zog sich anschließend zurück. Als sie von den US-Streitkräften zur faktischen Grenze Chinas gedrängt wurde, kamen chinesische Volksfreiwillige den Nordkoreanern zur Hilfe. Mit ihrer Unterstützung rückte die Koreanische Armee erneut zum 38. Breitengrad vor, an dem die Insel in zwei Teile geteilt wird. Auf Initiative der Sowjetunion begannen Verhandlungen über den Waffenstillstand.

    Das Waffenstillstandsabkommen wurde am 27. Juli 1953 unterzeichnet. In Nordkorea wurde der Sieg über den amerikanischen Imperialismus verkündet. Die südkoreanischen Behörden zeigten sich enttäuscht, dass sie nicht die gesamte Halbinsel unter ihre Gewalt bekommen hatten. Die südkoreanische Regierung verweigerte eine Unterzeichnung des Waffenstillstandabkommens. Das Abkommen wurde nur von Nordkorea, China und den USA im Namen der Vereinten Nationen unterzeichnet.

    Anschließend schlug Nordkorea den USA mehrmals vergeblich vor, statt dieses Abkommens einen Friedensvertrag zu unterzeichnen.

    Derzeit sind in Südkorea etwa 28 000 US-Soldaten stationiert – mit der Begründung, sich „vor der nördlichen Gefahr“ schützen zu müssen. Dafür bekommen die USA jedes Jahr eine Milliarde Dollar von den südkoreanischen Steuerzahlern. In Wahrheit ist diese Militärpräsenz aber nicht gegen Nordkorea gerichtet, sondern hat vielmehr das Ziel, China und Russland im Asien-Pazifik-Raum einzudämmen.

    Trotz gemeinsamer Regierungsabkommen hat Südkorea jegliches Zusammenwirken mit seinem nördlichen Nachbarn eingestellt. Nur in der Industriezone Kaesong wird sporadisch miteinander kooperiert.

    Der Stillstand ist auf Nordkoreas Atomprogramm zurückzuführen, das es gestartet hat, um sich nicht in einen „zweiten Irak“ zu verwandeln. Mit der Entwicklung von Atomwaffen befasste sich Nordkorea, nachdem der damalige US-Präsident George Bush dieses Land zur „Achse des Bösen“ gezählt hatte und nachdem ein Abkommen von 1994 über den Bau eines modernen Atomkraftwerkes in Nordkorea gescheitert war. Bei diesem Projekt sollte Pjöngjang auf eigene Atomforschungen verzichten.

    Die späteren Sechser-Verhandlungen in Peking unter Beteiligung von Diplomaten aus Russland, den USA, China, Japan, Nord- und Südkorea konnten wegen politischer Kontroversen und der Versuche, Pjöngjang unter Druck zu setzen, nicht verhindern, dass die Nordkoreaner eigene Atomwaffen entwickeln.

    In letzter Zeit sorgen die militärischen Aktivitäten sowohl Südkoreas und der USA als auch Nordkoreas für große Beunruhigung.

    Wie der russische Botschafter in Seoul, Alexander Timonin, in einem Interview für RIA Novosti äußerte, „balanciert die Halbinsel nach wie vor am Rande einer militärpolitischen Krise, bei der jeder kleinste Funken einen richtigen Konflikt auslösen kann.“

    Die umfassenden Militärübungen der USA und Südkoreas werden in Pjöngjang als Probe eines Kriegs gegen Nordkorea wahrgenommen. Nordkoreanische Medien behaupten häufig, es gehe „nicht darum, ob es auf der Halbinsel Korea einen Krieg gibt, sondern wann er beginnt“.

    Auf die Übungen im Süden reagiert Pjöngjang mit demonstrativen Tests von neuesten ballistischen und Anti-Schiffs-Raketen – trotz der Sanktionen des UN-Sicherheitsrats, die unter Mitwirkung Russlands verabschiedet wurden.

    Nordkoreas Nationales Verteidigungskomitee veröffentlichte zum 65. Jahrestag des Korea-Kriegs ein Erklärung, aus der hervorgeht, dass die USA wieder versuchen, neue Kriegshandlungen zu provozieren. In diesem Zusammenhang kündigte Pjöngjang den Beginn einer „neuen Phase des gesamtnationalen Volkskampfes gegen Amerika“ an. Nordkorea sei „sowohl zum konventionellen als auch zum Atomkrieg sowie zum Krieg im Cyberraum bereit“, heißt es in der Erklärung.

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    Tags:
    Waffen, UN-Sicherheitsrat, Uno, Alexander Timonin, George Bush, Nordkorea, China, USA, Südkorea
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