22:44 19 August 2017
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    NATO-Übungen

    Die NATO übt und Moskau „provoziert“

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    Rüdiger Göbel
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    Die NATO hält das größte Manöver seit 25 Jahren ab. Die Waffenschau dauert vier Wochen und wird vom US-Kommando im bayerischen Grafenwöhr koordiniert. Kritik an der Machtdemonstration gegenüber Russland weißt der Militärpakt zurück. Der Boulevard macht derweil wieder einmal Moskau als Provokateur aus.

    Militärmanöver ist nicht gleich Militärmanöver: Die NATO hat gerade ihre größte Militärübung seit der Auflösung der Sowjetunion und des Warschauer Vertrages gestartet. Knapp 5.000 Soldaten aus elf NATO-Ländern nehmen daran teil. Wie das US-Kommando in Grafenwöhr in Bayern mitteilt, findet das Spektakel in Deutschland, Bulgarien, Rumänien und Italien statt und es soll noch bis zum 13. September dauern. Ein „Höhepunkt“, so die österreichische „Kleine Zeitung“, wird der Absprung von mehr als1000 Fallschirmspringern über dem deutschen Hohenfels in der letzten Augustwoche angepriesen.

    Die NATO will nach eigenem Bekunden Möglichkeiten zu „schnellen Einsätzen für ein starkes und sicheres Europa“ demonstrieren. Einen Hinweis auf den Ukraine-Konflikt mit Russland gebe es nicht, rapportiert der Kommerz-TV-Nachrichtensender n-tv brav den US-Sprech.

    Die Zahl der NATO-Manöver ist in den vergangenen Monaten geradezu explodiert. Eine reine Friedensmaßnahme, glaubt man dem westlichen Militärpakt. „NATO-Militärmanöver machen einen Krieg in Europa nicht wahrscheinlicher“, dekretierte etwa eine Sprecherin des Bündnisses, nachdem das Londoner Institut European Leadership Network (ELN) einen kritischen Bericht veröffentlicht hatte. Titel: „Vorbereiten auf das Schlimmste: Machen die Militärübungen Russlands und der NATO einen Krieg in Europa wahrscheinlicher?“ Das ELN-Institut kommt darin zu dem Schluss: „Russland bereitet sich auf einen Konflikt mit der Nato vor, und die NATO bereitet sich auf eine mögliche Konfrontation mit Russland vor.“ Die Autoren warnten vor einer weiteren Eskalation und raten, Brüssel und Moskau sollten doch lieber die Kommunikation verbessern.

    Das Problem: An der russischen Führung würden die Empfehlungen nicht scheitern. Doch die Transatlantikpresse ist bemüht, den schwarzen Peter ein ums andere Mal Moskau zuzuschieben.

    Das auflagenstärkste Boulevardblatt  „Bild“ etwa schlagzeilt vom NATO-Großmanöver dreist ablenkend: „Russland und China üben gemeinsam Krieg“.

    Tatsächlich starten die chinesische und russische Marine in dieser Woche mit „Joint Sea 2015 II“ im Pazifik ihr bisher größtes gemeinsames Seemanöver. Laut „Bild“ sollen 20 Kriegsschiffe in See stechen. „Geplant sind Übungen zur U-Boot-Abwehr sowie gemeinsame Anlandemanöver im Japanischen Meer und vor der Küste Wladiwostoks, Russlands wichtigster Hafenstadt im Pazifik.“ Klarer Fall, für das im Kalten Krieg groß gewordene Boulevardblatt ist das eine „neue Provokation gegenüber dem Westen“.

    China und Russland hätten in den vergangenen zehn Jahren etwa fünf solcher Großmanöver durchgeführt. „Nach Expertenmeinung“, munkelt man im Hause Springer weiter, „fahren die beiden Länder bei 'Joint Sea 2015 II' auch mehr Militär auf als je zuvor.“

    Immerhin, „Bild“ klärt auch darüber auf, was China und Russland mit derlei Manöver erreichen wollen: „Mit den gemeinsamen Aktionen wollen Moskau und Peking strategisch enger zusammenrücken und gemeinsam den weltweiten Einfluss der Seemacht USA im Mittelmeer und im Pazifik zurückdrängen.“

    Das Blatt verweist zudem darauf, dass Russland auf die Spannungen mit dem Westen kürzlich auch mit einer Änderung seiner Marine-Doktrin reagiert hat. „In dem 46 Seiten starken Dokument definiert Russland freundschaftliche Beziehungen zu China als Ziel seiner Aktivitäten im Pazifik. Wegen des Streits mit dem Westen in der Ukraine-Krise wirbt Russland auch wirtschaftlich offen um gute Kontakte zu der asiatischen Atommacht. Wie der Kreml mitteilte, liegen die wichtigsten Akzente auf der Arktis und dem Atlantik. Mit dem Dokument erwidere Russland die Annäherung der NATO an die russischen Grenzen durch die Osterweiterung. Außerdem passe sich die Doktrin an die 'Wiedervereinigung' mit der Schwarzmeerhalbinsel Krim an, hieß es.“

    Dem Gros der „Bild“-Leser dürfte dieses Ziel gar nicht so unsympathisch sein. Und: Eine „Provokation“ Moskaus lässt sich aus den Ausführungen nicht ableiten, es sei denn, man ist gut dotierter Journalist mit Transatlantikschlagseite.

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    Tags:
    Waffen, NATO, Moskau, Russland, Ukraine, China, Krim
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