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09:33 21 Oktober 2019
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    Syrien-Krieg: Blutbad bei der taz, Bombenstimmung bei Bild

    © AFP 2019 / Odd Andersen
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    Russland vs. Islamischer Staat (888)
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    Dank russischer Luftangriffe ist Syriens Armee dabei, von islamistischen Kampfgruppen besetzte Gebiete zu befreien. Je erfolgreicher die Anti-Terror-Operation, desto aggressiver die Medien hierzulande. Die Olivgrünen baden Putin und Assad in Blut, der Boulevard setzt auf Boden-Luft-Raketen für die Aufständischen.

    In der vergangenen Woche ist Syriens Präsident Baschar Al-Assad nach Moskau geflogen. Er dankte seinem Amtskollegen Wladimir Putin für den militärischen Beistand Russlands. Die Unterstützung habe geholfen, »den Terrorismus« einzudämmen, so Assad. Und er stellte klar: »Natürlich müssen auf das militärische Vorgehen politische Schritte folgen.« Im Gegensatz zu der vom Westen unterstützten syrischen Exilopposition unterstützt die syrische Führung vom UN-Unterhändler Staffan de Mistura angestoßene Vermittlungsgespräche.

    Der Dank aus Damaskus hat Medien in Deutschland, die sich dem Regime Change verschrieben haben, zur Höchstform auflaufen lassen. Die Berliner Alternativzeitung taz, die bisher noch jede NATO-Intervention zum humanitären Hilfseinsatz umdekliniert hat, schlagzeilte zum »Wellnesstrip nach Moskau« mit einer Kriegstreiberkarikatur auf der Titelseite. Sie zeigt Assad und Putin beim vergnügten Planschen in einer Badewanne voll Blut. Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama schauen dabei »ratlos« zu, wie ein »international Geächteter« »außenpolitische Aufwertung« erfahre. Dazu hervorgehoben der Hinweis: »Je dramatischer die Flüchtlingskrise, desto größer Russlands Macht.« 

    So geht das nicht, dekretiert Silke Mertins: »Mit dem Empfang Assads zeigt Putin seine Stärke. Der Westen sollte ihn damit nicht durchkommen lassen.« Und dann die taz-Order: »Weiter herumwurschteln ist keine Option mehr.«

    Das Blatt lässt der Hetze freien Lauf: Die sich da in Moskau treffen, das sind für die taz »zwei Autokraten, denen Demokratie und Menschenrechte so viel bedeuten wie Eiterbeulen am Allerwertesten«. Für Putin gehe es »um weit mehr als nur den Syrienkonflikt und die russischen Interessen in der Region«. Russlands Staatschef sei »davon getrieben, Macht und Stärke zu zeigen – besonders gegenüber dem Westen« 

    Und wer hat den Westen verraten? Sozialdemokraten! »Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) hat bereits eine Lockerung der Sanktionen gegen Moskau ins Gespräch gebracht, um eine Kooperation im Syrienkonflikt zu erreichen«, wettert die taz gegen die friedenspolitische Realpolitik des Wirtschaftsministers. Das wundert kaum, die Grünen-nahe Zeitung hat sich schon 2011 der Regime-Change-Initiative »Adopt a Revolution« verschrieben und macht medial für den Umsturz an der Levante mobil.

    Und als wären die westlichen Interventionen nicht für die Zerstörungen ganzer Länder wie Irak und Libyen verantwortlich, ergeht von der taz die nächste Interventionsorder: »Die USA und Europa müssen sich nicht nur darüber klar werden, welche Lösung sie für Syrien wollen. Sie sollten auch Konsequenzen folgen lassen, wenn die russische Luftwaffe vom Westen unterstützte gemäßigte Rebellen bombardiert – bis hin zu weiteren Sanktionen.« Und eigentlich darüber hinaus. Für die vor den Kampfhandlungen Fliehenden trage die westliche Welt eine »Schutzverantwortung« – das neue Codewort für die Legitimierung von Militärinterventionen. 

    Die gleiche Diktion beim taz-Nachbarn im Springer-Hochhaus: »Massenmörder trifft Kalten Krieger«, schlagzeilte Bild nach dem Assad-Besuch im Kreml. Und: »Dieser Handschlag schickt noch mal 100.000 Flüchtlinge.«

    Bild-Onlinechef Julian Reichelt erklärt, »warum es für uns gefährlich ist, auf Despoten und ihren Schutzpatron Putin zu setzen«. Das große Boulevardblatt barmt über die deutsche Außenpolitik. »Ohne Putin wird es in Syrien keine Lösung geben«, heiße es im Auswärtigen Amt. Kanzlerin Merkel habe US-Präsident Obama gebeten, mit Putin über Zusammenarbeit in der Syrien-Krise zu verhandeln. »Die Logik«, kritisiert das Boulevardblatt: »Nur Putin, nicht mehr der Westen, ist stark genug, ›Stabilität‹ wiederherzustellen.« Die Botschaft komme an, »vor allem bei den Unterdrückern dieser Welt. Wer Putins Schutz genießt, hat vom Westen nichts zu befürchten. Auf Putin ist Verlass. Putin lässt niemanden fallen. Putin setzt zur Not auch sein Militär ein, um seine Interessen gegen westliche Interessen durchzusetzen.«

    Und so erklärt Reichelt den russischen Präsidenten zum »globalen Paten der Finsternis«. Die westliche und deutsche Politik müssten endlich beachten: »Putin und seine Despoten-Freunde« sind »nicht unsere Partner, sondern unsere Widersacher«.

    Die gilt es notfalls auch militärisch niederzuringen, nicht zuletzt zum Eigenschutz: »In der vernetzten, flachen Welt führen alle Flüchtlingsrouten nach Deutschland. Wenn wir den Menschen in ihrer Heimat keinen Schutz gewähren – mit finanziellen, politischen und auch militärischen Mitteln –, dann kommen sie zu uns.« 

    Und sie kommen in Massen. »Assad-Putin-Pakt löst neue Flüchtlingswelle aus«, haut Bild-Reporter Julian Röpcke in die Tasten. »Bis zu 350.000 werden Region um Aleppo verlassen.« – Eine reife Leistung, die Zahl binnen Stunden um eine Viertel Million in die Höhe zu treiben.

    Röpcke nennt eine wirklich zuverlässige Quelle: »Bild erreichte den Militärkoordinator der Syrischen Nationalen Koalition, der in engem Kontakt zur Freien Syrischen Armee (FSA) südlich von Aleppo steht. Seinen Angaben nach entvölkern die russischen Luftschläge und syrisch-iranische Bodenoffensive in der Region ganze Städte.« Und weiter: »Die FSA würde Zehntausende Menschen derzeit nach Westen evakuieren, weg von der Front. Aber auch Kilometer von der Front entfernt würden die Menschen jetzt flüchten.« Das ist insofern erstaunlich, als selbst Washington die Freie Syrische Armee als praktisch nicht mehr existent bezeichnet.

    Am Montag fragte Röpcke fast begeistert: »Wird der syrische Luftraum für russische Kampfjets bald zur Gefahrenzone?« Wie Bild nämlich »aus Kreisen der gemäßigten ›Freien Syrischen Armee‹ erfuhr, rechnen die gegen Assad, ISIS und jetzt auch Russland kämpfenden Rebellen mit dem Eintreffen von modernen Flugabwehr-Waffen. Damit wollen sie sich gegen die andauernden Luftschläge zur Wehr setzen.« Die anonyme Plaudertasche verrät via Bild auch gleich das Geheimnis, woher die Waffen stammen würden, »nämlich von der amerikanischen CIA«.

    Die gewünschten tragbaren Boden-Luft-Raketen, sogenannte MANPADS, würden bald, sehr bald, vielleicht schon nächste Woche kommen, »aus Saudi-Arabien über die Türkei nach Syrien«, wo die »Freie Syrische Armee«« sie in Empfang nehme und anschließend im Kampf einsetze.

    Springers Politik-Redakteur ist geradezu euphorisiert. Via Kurznachrichtendienst Twitter bewirbt der Bild-Krieger:

    Röpcke verschickt über seinen »privaten« Twitter-Account täglich Dutzende derartige Jubelnachrichten von antisyrischen Kampfgruppen – auf mehr als 60.000 Tweets in vier Jahren bringt es @JulianRoepcke, Propaganda-Fotos und Videos inklusive. Bis hin zu Wetterkarten aus den Kampfgebieten: « Schlechtes Wetter für die Kampfjets heißt freie Bahn für die Dschihadisten am Boden.

    Übrigens: Anfang Oktober hatte sich Bild noch ereifert: »Putin-TV sagt Bomben-Wetter voraus.«

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Bild-Zeitung, NATO, Julian Röpcke, Sigmar Gabriel, Baschar al-Assad, Angela Merkel, Wladimir Putin, Barack Obama, Syrien, Deutschland