Widgets Magazine
09:45 14 Oktober 2019
SNA Radio
    Taliban-Terroristen in Afghanistan (Archivbild)

    Die Geburtsstunde des islamistischen Terrorismus als geopolitische Waffe

    © AFP 2019 / Noorullah Shirzada
    Meinungen
    Zum Kurzlink
    4514524
    Abonnieren

    Dass die Bürger gut beraten sind, die Begründungen für die Entscheidungen der Politik der „westlichen Wertegemeinschaft“, zu hinterfragen, wenn es um Russland geht, soll am Beispiel der bis heute weitgehend akzeptierten offiziellen, jedoch falschen Darstellung der Vorgeschichte des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan (1979) aufgezeigt werden.

    Im Unterschied zu manchen anderen Lügengeschichten könnte man diese hier als verdeckte bezeichnen, denn der Öffentlichkeit wurden Tatsachen vorenthalten, anstatt vorgebliche zu präsentieren. 

    Die Auswirkungen politischer Lügen sind zum Glück in der Regel auf das Land und seine Bevölkerung beschränkt, von dessen Führung sie verbreitet werden. Andernfalls wäre der Zustand der Welt noch beklagenswerter, als er ohnehin ist. Dies trifft jedoch auf den seit geraumer Zeit bevorzugten Gegenstand für Desinformation, den sog. „Internationalen Terrorismus“, nicht zu. Denn sein objektiv vorhandenes Bedrohungspotential eignet sich für mannigfaltige Zwecke, sowohl innen- wie auch außenpolitische  – letztere jedoch im globalen Maßstab.

    Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 dient er – besonders in seiner islamistischen Variante — als Tarnkappe für die bereits kurz nach der Wende von 1989/90 formulierte geopolitische Agenda der USA sowie für den Abbau von Freiheitsrechten in zahlreichen Staaten der westlichen Welt. Wo er nicht schlagkräftig genug ist, genießt er direkte oder indirekte Unterstützung durch die USA oder ihre willfährigen Verbündeten im Nahen Osten und in Europa.

    Unter der Präsidentschaft von Jimmy Carter wurde die Idee geboren, „Heilige Krieger“ für strategische US-Ziele in Afghanistan zu benutzen. Ein Bericht auf NBC News von 1998 datiert den Beginn ihrer Ausbildung und Finanzierung auf 1980, als Reaktion auf den sowjetischen Einmarsch zu Weihnachten 1979. Der Autor hätte es besser wissen können.    

    Denn in der Ausgabe des Nouvel Observateur vom 15. bis 21. November 1998 stellte Zbigniew Brzezinski den immer wieder als Beweis für die aggressiven Absichten der Sowjetunion herangezogenen Einmarsch in Afghanistan am 24. Dezember 1979 in ein gänzlich anderes Licht.

    Bis zu diesem Zeitpunkt galt offiziell, dass die US-Geheimdienste die Mujaheddin im Laufe des Jahres 1980 zu unterstützen begannen. Nachdem der frühere CIA-Chef Robert Gates in seinen Memoiren erwähnte, dass die CIA bereits ein halbes Jahr vor dem Einmarsch der Sowjetunion mit dieser verdeckten Aktion begonnen hatte, legte „Zbig“, der damalige Nationale Sicherheitsberater Präsident Carters, die Karten auf den Tisch. Er habe dem Präsidenten vorgeschlagen, die Sowjets durch die Ausbildung, Rekrutierung und Finanzierung von Heiligen Kriegern zum Eingreifen in Afghanistan zu verleiten: „Wir haben damit die Möglichkeit, der Sowjetunion ihren Vietnamkrieg zu bereiten.“

    Der Plan fußte auf der richtigen Einschätzung, dass die sowjetische Führung fürchtete, islamischer Extremismus könne sich in ihren südlichen Republiken destabilisierend auswirken. Brzezinski nennt sogar das exakte Datum, an dem der US-Präsident die entsprechende Direktive unterzeichnete. Es war der 3. Juli 1979. Der Plan ging auf, die Sowjets gingen in die Falle. Ihr verlustreicher und kostspieliger Krieg trug maßgeblich zum Kollaps der Sowjetunion bei.

    Die aus Sicht der USA erfolgreiche Methode wurde danach zu einer Art Standard-Strategie für Destabilisierung und Regime Change in Nordafrika und dem Nahen Osten. Weitere Einsatzgebiete bieten sich an: ehemalige Sowjetrepubliken und China mit seiner Ostprovinz Xinjiang.

    Wir werden mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf zurückkommen müssen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Terror in Europa: Islamischer Staat wechselt Strategie
    Zeitung: Deutsche Islamisten foltern für IS
    Medwedew: Terrorismus droht zu neuer Kriegsart zu werden
    Immer mehr Terroristen in aller Welt schwören dem IS die Treue
    Tags:
    Terrorismus, CIA, Jimmy Carter, Zbigniew Brzezinski, Afghanistan, USA