15:54 18 Dezember 2017
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    Eine Skulptur von Angela Merkel

    Im Saarland gewann nicht Merkel, sondern Merkels Gegenmodell

    © Foto: AA/Hikmet Faruk Baser
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die politischen Beobachter in Deutschland diskutieren über die Gründe des unerwartet eindeutigen Wahlsiegs der CDU im Saarland und über einen möglichen Stimmungswechsel in der jetzigen politischen Landschaft Deutschlands, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Der bekannte deutsche Kolumnist Wolfram Weimer kommt zu einem paradoxen Schluss. Ihm zufolge ist der Sieg der CDU der Politik der Chefin der CDU-Landesregierung, Annegret Kramp-Karrenbauer, zu verdanken, die von ihren Anhängern einfach AKK genannt wird. Wie Weimer in einem Beitrag für n-tv schreibt, ist das Namenskürzel AKK plötzlich Kult unter den Konservativen geworden.

    „Die Zeit“ sieht AKK als „unaufgeregte Merkel-Kopie“, die „Bild“-Zeitung nennt sie „Mini-Merkel“, der „Focus“ schreibt „Klein-Merkel“, die „Rheinische Post“ lobt die „katholische Merkel“.

    In Wahrheit sei AKK in entscheidenden Punkten jedoch völlig anders als Merkel. Das bereite den Wahlkampfstrategen der Union nun insgeheim Kopfzerbrechen, so Weimer.

    AKK habe in der Flüchtlingsfrage einen klaren Kurs gefahren, ehrlich auf Risiken hingewiesen und eine Integrationspolitik verfolgt. Sie habe sich also — genau wie der niederländische Wahlsieger Rutte — im politischen Kampf gegen Islamismus und Despotismus profiliert, so Weimer.

    Bekannt ist, dass Merkel und Schulz sich bei dieser Frage kaum voneinander unterschieden und dieses Thema lieber den Rechtspopulisten überlassen. Saarlands Innenminister setzt im Unterschied zum Bundesinnenminister auf eine starke Präsenz der Polizei und eine offensive Eindämmung der islamistischen Bedrohung. Er spricht sogar vom Kriegszustand mit dem Islamismus.

    Darüber hinaus sei AKK ein katholisches Gegenbild zur protestantischen Merkel, schreibt Experte Weimer. Lebensfroh, Familienmutter, hochaktiv im Karneval und gefühlsbejahend. Merkel hingegen setze auf reine, kühle Rationalität.

    Der Verfasser kommt zu dem Schluss, dass der Sieg im Saarland keine Blaupause für Merkel sei, er decke vielmehr die Probleme der Unions-Strategie in der Bundespolitik auf. Die klassische Merkel-Taktik der „asymmetrischen Demobilisierung“ mitsamt Linksüberholung der SPD werde diesmal nicht funktionieren. Sie werde Profil und Gefühle zeigen müssen, so wie AKK. Gerade AKK sei fortan eine denkbare Nachfolgerin von Angela Merkel, so Weimer.

    Und das kann viel früher geschehen, als man  erwartet. Alles (darunter Kräfteverhältnis und mögliche Veränderungen in der CDU-Führung) wird nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai entschieden.

     

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    Tags:
    Sieg, Martin Schulz, Angela Merkel, Saarland, Deutschland
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