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    Nordkoreaner feiern

    USA konnten Nordkorea nicht einschüchtern wie können sie damit leben?

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    Nach dem laut Medien- und Pentagon-Berichten gescheiterten Start einer weiteren nordkoreanischen ballistischen Rakete teilte US-Vizepräsident Michael Pence mit, dass „die Ära der strategischen Geduld“ zu Ende gegangen sei, so dass Washington jetzt „nach Frieden durch Stärke suchen“ müsse.

    Eigentlich sollte der gescheiterte nordkoreanische Raketentest gut für die USA sein. Aber wenn man sich die Situation genauer anschaut, sieht man, dass sie gar nicht so positiv ist. Wenn man amerikanischen Medien glauben soll (die versuchen, die Sache positiv für Washington zu deuten und zu beweisen, dass die Amerikaner „es allen zeigen“), sind zuletzt gleich mehrere schlimme Dinge passiert.

    Erstens hat der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un trotz der US-Kriegsschiffe vor seiner Küste den Raketentest doch gewagt und dadurch gezeigt, dass all diese „Einschüchterungsaktionen“ nichts wert sind. Das macht alle weiteren Versuche dieser Art sinn- und zwecklos. Denn wenn sich Kim – im Unterschied zur ganzen Welt – von dem enormen medialen Druck nicht beeindrucken ließ, dann ist es nun einmal sinnlos, ihm Angst machen zu wollen. Wie heißt es doch immer: Wenn man seine Pistole aus der Tasche zieht, sollte man schon schießen. Und wenn man die Pistole aus der Tasche zieht und sie dann wieder in die Tasche steckt, dann wird beim zweiten Mal niemand mehr glauben, dass man tatsächlich schießen kann. Und Kim Jong-un hat gezeigt, dass er keine Angst vor der schrecklichsten US-Waffe, den zwei Flotten mit Flugzeugträgern, hat. Geschweige denn vor den amerikanischen Vasallen Südkorea und Japan.

    Noch mehr als das: Jetzt ist unklar, warum man diese Kriegsschiffe überhaupt irgendwo hin schicken sollte. Denn es ist nun einmal so, dass der arme und von der ganzen Welt verachtete Kim Jong-un keine Angst hat. Wozu sollte man denn diese Armada hin und herschicken und anderen Ländern drohen, wenn ein anderer Staatschef jetzt sagen kann: „Die Amerikaner hatten ja Angst, auf Kim zu schießen“?!

    Wem soll denn Washington jetzt Angst machen – etwa Xi Jinping? Glauben die Amerikaner, dass der chinesische Staatschef ihren Empfehlungen folgen wird, nachdem Kim Jong-un sie ignorierte?

    Jetzt wurde im Grunde die komplette Doktrin durchkreuzt: „Wir schicken unsere Flugzeugträger los, und in der jeweiligen Region verändert sich über Nacht die ganze Politik, weil wir so stark sind“. Wem wollen denn die Amerikaner jetzt Angst machen?

    Wer wird denn jetzt – außer ukrainischen Bloggern – heuchlerisch schreiben, allein die Tatsache, dass US-Flugzeugträger irgendwohin unterwegs sind, wäre für die Normalisierung der Situation am jeweiligen Ort entscheidend?

    Um es kurz und knapp zu formulieren: Wofür braucht man diese wahnsinnig teuren Schiffe, wenn ihre Besitzer selbst Angst haben, zu schießen, weil das immerhin ein gefährlicher – und auch kostspieliger – Spaß ist, und wenn selbst Kim keine Angst vor ihnen hat?

    Und es gibt noch eine Nuance: Die Amerikaner hatten gewarnt, ihre zuständigen Dienste würden den nordkoreanischen Raketentest verhindern, falls ihre Aufklärung über dessen Vorbereitung berichten würde.

    Die Rakete wurde aber getestet, und niemand hat den Test verhindert. Dem Publikum wird zwar erklärt, man hätte einen Atomtest gemeint, und es wäre „nur“ ein Raketentest gewesen. Präsident Trump lobt indes den Aufklärungsdienst, der vor und auch nach dem Raketenstart „hervorragend gearbeitet“ hätte.

    Die Realität scheint aber anders zu sein: Die Amerikaner haben ihre Kriegsschiffe vor die koreanische Küste hingestellt, haben ihre modernsten Aegis-Systeme im Süden der Halbinsel – und haben trotzdem den Raketenstart der Nordkoreaner verpasst? Oder hatte Präsident Trump – was noch viel schlimmer ist – auf einmal Angst?

    Aus westlichen Medienberichten könnte man schließen, dass die armen und dummen Nordkoreaner eine lächerliche und untaugliche Rakete gebaut hätten, die kaum fliegen kann. Aber die reichen und klugen Amerikaner mit ihrer ganzen Technik konnten diese Rakete nicht orten. Noch mehr als das: Es stellt sich die Frage, wozu diese superteueren Raketenabwehrsysteme überhaupt nötig sind, wenn sie den nordkoreanischen Raketenstart nicht verhindern konnten?! Es ist ja eine dumme Situation entstanden.

    Aber selbst wenn die US-Aufklärung doch alles rechtzeitig gesehen hat, und es war nur ein listiger Plan, die Feinde zu verwirren, damit sie glauben, die US-Raketenabwehrsysteme wären untauglich, dann ist die Sache noch schlimmer. Denn das bedeutet, dass Präsident Trump im letzten Moment auf einmal Angst hatte, den Befehl zum Abfangen der nordkoreanischen Rakete zu geben. Oder dass seine Militärs sich weigerten, den Befehl auszuführen.

    Bei der „Rückkehr auf die Führungspositionen in der Welt“ scheint bei den Amerikanern etwas schief gelaufen zu sein. Sie täuschen Aktivitäten vor, können aber in Wahrheit nichts tun.

    Ruslan Karmamow

     

    Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

     

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