21:45 21 August 2017
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    US-Luftverteidigungszentrum verliert "Herz und Hirn" (Hintergrund)

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    WASHINGTON, 18. Oktober (RIA Novosti). Der unterirdische und atombombensichere geheime Komplex des nordamerikanischen Luftverteidigungszentrums (NORAD) in den Cheyenne-Bergen (US-Staat Colorado) wird geschlossen, teilte der NORAD-Kommandeur Timothy Keating mit.

    Den Angaben von Admiral Keating zu Folge wird die Führung der US-Luftverteidigung zukünftig von der Militärbasis "Peterson" aus übernommen. Die Militärbasis ist nur 16 Kilometer von den Cheyenne-Bergen entfernt. Die Spezialisten, die in den Cheyenne-Bergen gearbeitet hatten, waren für die Überwachung des Luftraums über Nordamerika zuständig und mussten bei Gefahr die Bedrohung einschätzen und die Handlungen des US-amerikanischen und kanadischen Militärs koordinieren.

    Keating teilte mit, dass kein Bedarf mehr bestehe, das Zentrum in den Cheyenne-Bergen in Dauerbereitschaft zu halten. "Geheimdienstinformationen lassen uns annehmen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Raketenschlags durch China oder Russland sehr niedrig ist", sagte Keating.

    Darüber hinaus verfügen Keatings Angaben zu Folge solche Länder wie Nordkorea oder Iran über keine Atomwaffenträger, so dass sie die Basis "Peterson" nicht gefährden können. Alle Mitarbeiter des unterirdischen Komplexes sollen innerhalb des nächsten Jahres auf die "Peterson Air Force Base" umziehen. Schon jetzt werde die Kommandozentrale, "Herz und Hirn" der Cheyenne-Berge, umziehen, teilte Keating mit. Von hier aus hatten amerikanische Militärs 40 Jahre lang den Luftraum über den USA und Kanada überwacht.

    Seit Baubeginn bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts unterlag der NORAD-Komplex in den Cheyenne-Bergen strikter Geheimhaltung. Weil die Führung des Komplexes allerdings im Zusammenhang mit der Jahrtausendwende Computerfehler ("Jahr-2000-Fehler") befürchtete, lud sie Mitarbeiter des russischen Verteidigungsministeriums als Beobachter ein - etwas, was zu Zeiten des Kalten Krieges als unmöglich galt.

    Im Dezember vergangenen Jahres besuchten Offiziere der russischen Langstreckenflieger unter Führung von Generalleutnant Igor Chworow die Cheyenne-Berge. "Wir haben Informationsaustausch über Flüge und Übungen, darunter auch gemeinsame, vereinbart und uns darüber hinaus über Normen für die Zusammenarbeit zwischen Langstreckenfliegern und der Air Base NORAD verabredet", berichtete Chworow nach Abschluss des Treffens.

    Auch Keating erinnerte sich an das Treffen: "Die Russen waren hier. Wir haben im Hotel `Broadmoore` Wodka getrunken. Wir haben gesessen und lebenswichtige Fragen besprochen. Das Leben geht voran, alles ist in Ordnung", erzählte der Admiral.

    Die Zusammenarbeit zwischen NORAD und Russland entwickelt sich stetig weiter. So wandte sich die NORAD-Führung im September an die russische Seite und schlug ein gemeinsames Programm zur Überwachung des Luftraums über der Beringstraße vor, teilte der Pressedienst der US-Luftraumüberwachung mit.

    "Das Programm erweitert die gemeinsame Luft- und Raumfahrtinitiative, die derzeit in Osteuropa verwirklicht wird und im Wesentlichen aus Vereinbarungen zwischen der NATO und Russland besteht", sagte ein NORAD-Sprecher. "Das ist die Möglichkeit, eine Barriere zu durchbrechen und die Transparenz zwischen den USA, Kanada und Russland zu erhöhen. Wir wollen die Prinzipien des "Kalten Krieges" hinter uns lassen, und der Vorschlag zur Zusammenarbeit ist genau das richtige Instrument dafür", führte er weiter aus. Dies würde die Verbindung zu Russland stärken und ermögliche einen effizienteren Kampf gegen den Terrorismus.

    Die Unterhaltung des unterirdischen Atomkomplexes in den Cheyenne-Bergen kostete die USA jährlich 250 Millionen USD. Nun wäre eine teure Überholung des Komplexes notwendig. Über diese Gelder verfügen die Vereinigten Staaten offenbar nicht.

    Der Bau der Bunkeranlagen begann im Jahr 1961. 700 000 Tonnen Granit mussten dazu aus dem Berg herausgeschafft werden. 500 Kilogramm schwere Sprungfedern stützen in der Tiefe von 750 Metern 15 Tunnel. Dank den Sprungfedern kann der Komplex selbst einen direkten Einschlag einer Bombe überstehen.

    Zweimal gab es Gefechtsalarm im Zentrum - 1979 und 1980. Beide Male erwies es sich als Fehlalarm - die High-Tech-Anlagen hatten versagt, teilte Keating mit.

    Der Komplex war aufgebaut wie ein kleines Städtchen mit eigener Polizei- und Feuerwehrstation, Krankenhaus, einem Geschäft und sogar einem Friseursalon. Obwohl die Mitarbeiter das Zentrum verlassen sollen, will Keating den Komplex in arbeitsfähigem Zustand erhalten. Es soll auch weiterhin innerhalb einer Stunde gefechtsbereit sein.

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