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    Täuscht der Iran seine Militärmacht vor? (Hintergrund)

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    MOSKAU, 17. November (RIA Novosti). Im Iran ist am vergangenen Sonntag ein groß angelegtes Militärmanöver unter dem Codenamen "Great Prophet-2" zu Ende gegangen. Bei der Übung, bereits der zweiten in diesem Jahr, wurden erstmals ballistische Raketen Shahab-3 eingesetzt.

    Die Übung hatte mehrere Etappen und wurde in 14 iranischen Provinzen sowie im Persischen Golf durchgeführt.

    Welche Entfernungen die iranischen Raketen zurückgelegt haben, ist derzeit nicht bekannt. Ausländische Medien schätzten die Reichweite auf 2000 Kilometer. Bei Shahab-3 handelt es sich um die nordkoreanische Rakete Nodong-3, mit der ein eine Tonne schwerer Sprengkopf 1 300 Kilometer weit geschossen werden kann. Als Grundlage für diese nordkoreanische Rakete diente die sowjetische SCUD-Rakete, deren Potential bereits ausgeschöpft ist. Um die Reichweite auf 2 000 Kilometer zu erhöhen, muss der Gefechtskopf entfernt werden. Noch 2005 erklärte der damalige Vertedigungsminister Ali Shamkhani, dass der Flüssigtreibstoff der Rakete durch Festtreibstoff ersetzt worden sei, wodurch eine höhere Reichweite und Treffsicherheit erzielt worden sei. Wie die für Flüssigtreibstoff ausgelegten Triebwerke für Festtreibstoff umgebaut wurden, verriet der Minister nicht. Nach Angaben der russischen Militärzeitschrift "Nesawissimoje Wojennoje Obosrenije" ist das technisch unmöglich.

    Beim "Great Prophet-2"-Manöver wurden viele weitere neue Waffenmuster getestet. Erprobt wurden unter anderem drei Schiffsabwehrraketen mit einer Reichweite von mehr als 170 Kilometern: Noor, Kowsar und Nasr.

    Im September testete der Iran zudem ein neues mobiles Fla-Raketensystem aus Eigenproduktion. Die technischen Daten dieses Systems sind unbekannt. Ebenso wenig ist über die "Saegeh"-Rakete ("Blitz") bekannt, die im August getestet worden war. Gestartet von einer beweglichen Startrampe, kann diese Rakete 250 Kilometer zurücklegen.

    Im September stellte der Iran der Öffentlichkeit einen neuen Kampfjet mit dem selben Namen "Saegeh" vor. Konstruiert wurde die Maschine auf der Grundlage des amerikanischen Jagdflugzeugs F-5E Tiger II, das in den 70er Jahren aus den USA geliefert worden war. Laut dem iranischen Staatsfernsehen verfügt die umgebaute Kopie dieses schon lange außer Dienst gestellten US-Jets über höhere Kampfeigenschaften, als das moderne amerikanische Jagdflugzeug F/A-18. Denn sie könne nicht nur lenkbare Raketen, sondern auch Fliegerbomben ins Ziel tragen. Die neueste selbstgelenkte Bombe mit einer Masse von 1 000 Kilo wurde bereits getestet. Einen Durchbruch in der iranischen Rüstungsindustrie brachte der Test eines Hochgeschwindigkeitstorpedos im April, der sich mit einer Geschwindigkeit von 100 m/sec unter Wasser bewegen kann und angeblich für Radar unsichtbar ist. Als das israelische Fernsehen den Torpedo zeigte, erkannten viele Experten den sowjetischen Torpedo "Schkwal" wieder. Wegen der geringen effektiven Kampfentfernung (sieben Kilometer) eignet sich dieser Torpedo aber kaum für den Einsatz in einem modernen Seekrieg.

    Laut Experten besitzt der Iran nicht genügend Wissen und Technologien, um solche komplizierten Waffen selbständig zu bauen. Zu den Zeiten der Sowjetunion diente der See Issyk-Kul in Kirgisien als Testgebiet für derartige Torpedos. Es kann sein, dass Kirgisien nach dem Zerfall der Sowjetunion seine Torpedos nach China verkaufte, das sie dann an den Iran weiter lieferte.

    Im August feuerte ein iranisches U-Boot während einer Übung im Persischen Golf eine Flügelrakete ab. Anhand der Fernsehbilder schätzten die Experten ihre Reichweite auf lediglich einen Kilometer. Aber Teheran stört sich nicht daran. Laut den iranischen Behörden ist die nationale Militärindustrie im Aufschwung und produziert selbständig Panzer, Schützenpanzer, Übungs-, Kampf- und Transportflugzeuge sowie Raketen verschiedener Klassen. Außerdem exportiere das Land jährlich Waffen im Wert von 100 Millionen Dollar.

    In der Regel fallen die iranischen Waffentests zeitlich mit internationalen Atomgesprächen zusammen oder sie finden ausgerechnet dann statt, wenn die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) oder die UNO über das so genannte iranische Atom-Dossier beraten. Somit sendet der Iran ein klares Signal: Er werde nicht einmal vor einer bewaffneten Konfrontation zurückscheuen, um sein Recht auf Atomtechnologien zu verteidigen. Streng genommen eignen sich das überholte Flugzeug, die Seetorpedos und die Raketen kurzer Reichweite nur für Angriffe auf unbewaffnete Tankschiffe. Nicht umsonst droht der Iran damit, im Falle eines Überfalls die Straße von Hormuz zu sperren und den Öltransport aus dem Persischen Golf lahmzulegen. Ein solcher Schritt wäre für die westliche Wirtschaft schmerzhafter als der Verlust eines Geschwaders.

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