05:22 21 November 2017
SNA Radio
    Militär

    Nukleare Orthodoxie - “Wlast“

    Militär
    Zum Kurzlink
    0 4 0 0
    MOSKAU, 11. September (RIA novosti). In der vorigen Woche fand in der Moskauer Christus-Erlöser-Kathedrale ein Gottesdienst zu Ehren des 60. Jahrestages des russischen Kernwaffenkomplexes statt.

    Das ist das erste Mal, dass die Russisch-Orthodoxe Kirche den Massenvernichtungswaffen so viel Achtung entgegenbringt.

    Die Wege der Kirche und der Atomforscher haben sich schon 1946 gekreuzt. Damals wurde beschlossen, in Sarow an Stelle des 1927 von den Bolschewiki geschlossenen Mariä-Entschlafens-Klosters, wo der Heilige Seraphim von Sarow im 18. und 19. Jahrhundert wirkte, ein Zentrum für die Entwicklung der Atombombe zu bauen. Im August 1949 wurde die Bombe bereits getestet. Seitdem ist Arsamas-16 (früher Sarow) das Herz der sowjetischen und mittlerweile der russischen militärischen Atomindustrie. Kurz vor dem Zerfall der Sowjetunion kam die Russisch-Orthhodoxe Kirche in das heilige Land zurück: 1990 wurde in Sarow eine orthodoxe Gemeinde eingeweiht. In den 1990ern übergaben die Atomforscher die übriggebliebenen Kirchengebäude an die Gläubigen. Zur gleichen Zeit wurde der Heilige Seraphim von Sarow als Schutzpatron der russischen Kernforscher eingestuft.

    Im Februar 2007 beschleunigte Wladimir Putin die Verstrickung der Kirche und der militärischen Kernkraft. Eine Journalistin aus der Zeitung „Sarow“ stellte dem Präsidenten bei einer Pressekonferenz im Kreml zwei Fragen: „Wo ist der Platz der Orthodoxie in der Zukunft Russlands?“ und „Wie ist die Strategie in den Bereichen Militär und Kernkraft?“ Der Präsident nahm den Pass an und antwortete, dass die beiden Themen eng verbunden seien, da „die traditionellen Konfessionen der Russischen Föderation und Russlands nukleares Schild den russischen Staat stärken sowie die notwendigen Voraussetzungen für die innere und äußere Sicherheit des Landes schaffen“. Die Reaktion auf die Worte des Präsidenten ließ nicht lange auf sich warten. Gleich am nächsten Tag brachte die orthodox-nationalistische Webseite Pravaya.ru einen Artikel mit dem Titel „Putin und die nukleare Orthodoxie“ heraus. Die anderen Massenmedien griffen die Idee auf.

    Der Publizist Jegor Cholmogorow hat die Ideologie der „nuklearen Orthodoxie“ am griffigsten formuliert: „Um orthodox zu bleiben, muss Russland eine starke Atommacht sein. Und um eine starke Atommacht zu bleiben, muss Russland orthodox sein.“ Und Nikolai, Metropolit von Nischni Nowgorod, hat versucht, die für die Kirche traurigen Ereignisse des Jahres 1946 zu rehabilitieren: „Vielleicht halfen gerade die Gebete des Heiligen Seraphims, die Waffen zu schaffen, die für Russland Wache standen.“ Übrigens werden in den zahlreichen Legenden über das Leben des Heiligen Seraphims keine militärischen Neigungen erwähnt: Er hat niemanden für Heldentaten im Krieg gesegnet und nicht zu Ehren des russischen Heeres gepredigt. Der Eremit führte ein Leben als Einsiedler, und als ihn Räuber angriffen und ihm mit einem Axtrücken auf den Kopf schlugen, verzieh er ihnen und bat, sie nicht zu bestrafen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren