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    Russland zeigt Muskeln im Hinterhof der USA - Russlands Presse

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    MOSKAU, 18. September (RIA Novosti). Nach der Konfrontation mit Washington hat Moskau seine außenpolitischen Aktivitäten erheblich nach Lateinamerika ausgeweitet, schreiben die russische Zeitungen „Kommersant“ und „RBC Daily“ am Donnerstag.

    Experten äußern die Meinung, dass Washington nach den eher symbolischen Aktivitäten des Kreml das Gefühl der Unverletzbarkeit verlieren könne. Damit könnte Russland die USA von unerwünschten Schritten abhalten. Dabei stimmen die geopolitischen Ambitionen glücklicherweise mit den wirtschaftlichen Interessen überein.

    Gestern hatte der russische Vizepremier Igor Setschin seinen zweiten Besuch in Südamerika in den vergangenen zwei Monaten beendet. Bei diesem Besuch wurde Russlands Zusammenarbeit mit Kuba und Venezuela in der Raumfahrt und im High-Tech-Bereich diskutiert. Zur gleichen Zeit befanden sich auch Russlands Langstreckenbomber Tu-160 in der Region.

    Nach Angaben von „RBC Daily“ erinnert die Situation an das gefährliche Feilschen während der Kuba-Krise vor 45 Jahren. Dieses Mal geht es aber nicht um Raketen, die unmittelbar neben der USA und der Sowjetunion (auf Kuba und in der Türkei) stationiert werden, sondern um die militärische Präsenz im Kaukasus und in der Karibik.

    „Die gemeinsame Luftabwehr der USA und Kanadas ist größtenteils auf den Norden gerichtet. Aus dieser Richtung wurde zu Zeiten des Kalten Krieges ein nuklearer Schlag erwartet“, sagt Wladimir Jewsejew, Militärexperte des Instituts für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen. „Die südliche Richtung wird von den USA so gut wie nicht geschützt, und die USA haben das nach dem Auftauchen unserer strategischen Flieger erkannt. Wenn Russland seine Position in Venezuela festigt, wird es sowohl die Pazifik- als auch die Atlantikküste patrouillieren können. Dafür bedarf es nur einer Erlaubnis für einen Luftkorridor von Nicaragua, das Abchasien und Südossetien anerkannt hat“.

    Der Experte schloss nicht aus, dass Russland in Venezuela eine gemeinsame Waffenindustrie aufbauen könne, was den Waffenverkauf an andere US-feindliche Staaten in der Region vereinfachen würde. Moskau brauche „den lateinamerikanischen Zug“, um dem Anschluss der Ukraine an die NATO vorzubeugen und keine Konflikte im Kaukasus zuzulassen, sagte Jewsejew.

    Dabei stimmten Russlands politische und wirtschaftliche Interessen in Bezug auf Venezuela überein, da das Land von Staatschef Hugo Chavez ein großes Öl- und Gaslieferant sei, sagt Dmitri Jewstafjew, Experte des russischen Zentrums für politische Studien. Außerdem wird Südamerika mit Blick auf die Krisen in den wichtigsten globalen Wirtschaften zum zukunftsweisenden Markt.

    Ein Kolumnist der Zeitung „Kommersant“ zitiert einen chilenischen Offizier: „Die USA wurden aus Lateinamerika nicht verjagt. Sie mussten die Region verlassen, weil sie die Situation wegen ihrer zu weit gegangenen Spiele im Irak und in Afghanistan selber aus den Händen gleiten ließen und niemand sie jetzt hier braucht“ - und ein warmer Ort bleibt selten leer. Im Endeffekt hat Russland die Möglichkeit bekommen, nachzuprüfen, wie weit es bei einer möglichen Konfrontation mit den USA gehen kann.