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    Bidens Raketenabwehr-Erklärung lässt Möglichkeit von Kompromiss mit Moskau zu - Experten

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    Die jüngste Erklärung von US-Vizepräsident Joe Biden, nach der Washinton an seinen Raketenabwehrplänen weiter festhalten wird, bedeutet nach Expertenansicht nicht, dass die neue US-Administration diese Pläne verwirklicht.

    MOSKAU, 09. Februar (RIA Novosti). Die jüngste Erklärung von US-Vizepräsident Joe Biden, nach der Washinton an seinen Raketenabwehrplänen weiter festhalten wird, bedeutet nach Expertenansicht nicht, dass die neue US-Administration diese Pläne verwirklicht.

    "Biden war äußerst vorsichtig, denn die USA können das Raketenabwehr-Projekt in Europa in der Bemühung um den Erhalt ihres Ansehens nicht abrupt aufgeben", sagte Artjom Malgin, russischer Experte auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen, am Montag in Moskau. "Die USA erklärten sich zu Verhandlungen bereit. Das bedeutet, dass Washington nicht unbedingt den dritten Raketenschild aufstellen will ... Eine beliebige Entscheidung könnte nach einer Serie von Konsultationen revidiert werden. In der Geschichte der internationalen Beziehungen gibt es eine Vielzahl von Beispielen dafür", so der Experte.

    Auf der 45. internationalen Münchner Sicherheitskonferenz hatte Biden am Sonntag gesagt, dass die USA am Raketenabwehrprojekt für Europa weiter arbeiten werden, allerdings erst nach Konsultationen "mit ihren NATO-Partnern und mit Russland". Die Administration des früheren US-Präsidenten George Bush hatte geplant, bis 2013 ein Radar in Tschechien zu bauen und zehn Abfangraketen in Polen zu stationieren.

    "In jedem Fall wird das System jetzt deutlich langsamer stationiert als zuvor geplant", fügte Malgin hinzu. Einer ähnlichen Meinung ist auch der Präsident des Fonds "Neues Eurasien", Andrej Kortunow: "Die USA können nicht öffentlich ihr Projekt einer Raketenabwehr in Osteuropa aufgeben. Das würde das Vertrauen Washingtons in den Augen aller europäischen Partner untergraben, die ihre Territorien für die Realisierung des Vorhabens zur Verfügung stellen."

    "Wenn es Russland und den USA gelingt, das iranische Problem zu lösen und Teheran von der Notwendigkeit zu überzeugen, das Atomprogramm aufzugeben, wird sich die Raketenabwehr in Europa automatisch erübrigen." Kortunow schloss nicht aus, dass die Entscheidung zur Aufstellung der Raketenabwehr derart modifiziert wird, damit die Interessen Russlands maximal mit berücksichtigt würden.

    Nach übereinstimmender Ansicht der beiden Experten führt Bidens Erklärung die Absicht Washingtons vor Augen, die Beziehungen zu Moskau zu erneuern. "Wichtig ist, dass der dahin gehende Vorschlag gerade vom Vizepräsidenten unterbreitet wurde, der im Vergleich zu seinem Chef Barack Obama ein erfahrener Politiker und seit über 20 Jahren im Bereich der Außenpolitik tätig gewesen ist", sagte Malgin.

    Wichtig sei auch Bidens Angebot an Russland, bei der Regelung in Afghanistan zu kooperieren. "Russische Kollegen hatten die USA schon längst vor der Gefahr der Taliban gewarnt. Heute können und müssen die NATO und Russland bei der Regelung in diesem Land zusammenarbeiten", sagte Biden in München.

    Russlands Vizeregierungschef Sergej Iwanow hatte bei der Konferenz die Bereitschaft der USA positiv eingeschätzt, Konsultationen mit Moskau bei der Aufstellung der Raketenabwehr durchzuführen.

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