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    Interview: Bulawa-Rakete ist rausgeschmissenes Geld

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    Bulawa: Chronik der Teststarts (115)
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    MOSKAU, 23. Juli (RIA Novosti). Nach der Pannenserie bei den Tests der neuen russischen Interkontinentalrakete "Bulawa" musste der Chef und Chefkonstrukteur des Bulawa-Herstellers, des Moskauer Instituts für Wärmetechnik (MIT), Juri Solomonow, zurücktreten.

    Der angesehene Militärexperte Anatoli Zyganok erläutert in einem Interview für RIA Novosti, warum das "Bulawa"-Projekt Pech hat.

    RIA Novosti: Juri Solomonow ist als Generaldirektor zurückgetreten. Bleibt er als Konstrukteur beim Moskauer Institut für Wärmetechnik?

    Zyganok: Ich denke, er wird als Konstrukteur weiter arbeiten. Es war eine richtige Entscheidung. Mit der Entwicklung der Rakete hätte man lieber das Maschinenbauwerk Miass bei Tscheljabinsk beauftragen sollen.

    Mehr noch: Wozu braucht man die "Bulawa", wenn man schon die "Sinewa"-Rakete hat? Laut Experten ist die "Bulawa" schon überholt. Sie ähnelt der Trident-I-Rakete, wie sie vor 20 Jahren war. Die "Sinewa" hingegen entspricht der Leistung nach praktisch der "Trident-II".

    RIA Novosti: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass MIT sich weiter mit der Rakete beschäftigt?

    Zyganok: Man hat 15 Jahre lang das Geld aus dem Fenster geworfen. Ich denke, dass das Projekt, nachdem gewaltige Gelder verloren sind, einem anderen Hersteller übertragen wird. Wer sich damit beschäftigen wird, ist schwer zu sagen. Das Tscheljabinsker Werk ist schon beinahe zerfallen. Die Arbeiter sind dort im Durchschnitt 55 bis 60 Jahre alt. Das ist ein sehr großes Problem. Es gibt zu wenig junge Mitarbeiter. In der Duma kursieren bereits Gerüchte, dass das "Bulawa"-Projekt zugunsten der "Sinewa" überhaupt aufgegeben wird.

    RIA Novosti: Was sind die technischen Probleme der "Bulawa"?

    Zyganok: Die Schuld liegt nicht nur beim Hersteller. Ich denke, die Hauptursache besteht darin, dass Russland keine Elementenbasis für den Raketenbau mehr hat. Zweitens hatte MIT keine Erfahrung mit dem Bau von seegestützten Raketen. Ein Unternehmen, das sich mit entsprechenden Technologien befasste, war zugunsten eines anderen Unternehmens - mit ungenügenden Erfahrungen - von dem Projekt ausgeschlossen worden.

    Anatoli Zyganok ist Doktor für militärische Wissenschaften,

    Leiter des Zentrums für Militärische Prognose am Institut für militärische und politische Analyse und Professor der Akademie für Militärwissenschaften.

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